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Full text of "Paedologia. Hrsg. von Hermann Michel"

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•».  *•     «• 


Lateinische  Litteraturdenkmäler 

des  XV.  und  XVI.  Jahrhunderts. 
Herausgegeben  von 
Max    H  e  r  r  m  a  n  Ti^  ^ind 

^    =-  18. —  -     — 


PETRVS  MOSELLANVS 

PAEDOLOGIA. 


Herausgegeben 


von 


Hermann  Michel. 


77  3/''  7 


BERLIN. 
Weidmannsche    Buchhandluns:. 


&• 


1906. 


PR 

8 


O  D  D 


fi5p3 


Ernst  Voigt 

zum    Gedächtnis. 


a 


* 


Einleitung. 


Vor  zweihundert  Jahren,  Anno  1706,  erschien  die  letzte 
Ausgabe  der  Paedologia.  Sie  war  wie  die  erste  zu  lebendiger 
"Wirkung  und  praktischem  Nutzen  bestimmt.  Von  allen  in 
Deutschland  verfaßten  Schülergesprächen  hat  dieses  Werk 
die  meisten  Auflagen  erlebt.  Wenn  es  jetzt  wiederum  dar- 
gebracht wird,  so  geschieht  dies  aus  rein  historischen 
Gründen.  Es  gilt,  ein  humanistisches  Schulbuch,  das  einen 
bedeutsamen  Tj^pus  darstellt,  zu  erneuern  und  unbefangen 
zu  würdis'en. 


'^ö 


I.   Mosellans  Leben. 

Mit  leiser  Wehmut  gedenkt  Mosellan^)  in  reiferen  Jahren 
seiner  Kindheit.  Sie  muß  trübe  verlaufen  sein.  Er  war 
der  Sohn  armer,  rechtschaffener  Leute,  die  sich  und  ihre 
zalilreiche  Familie  kümmerlich  ernährten.    In  Bruttig,  einem 


')  Die  älteren  Biographien  sind  überholt  von  Oswald 
Gottlob  Schmidt:  Petrus  MoseUanus.  Ein  Beitrag  zur  Ge- 
schichte des  Humanismus  in  Sachsen,  Leipzig  1867.  Ein 
paar  Ergänzungen  und  Berichtigungen  bringen  die  Kritiken 
von  Zarncke:  Kleine  Schriften  2  (1898),  S.  96 ff.  und  Geiger: 
GGA.  1868,  S.  1535  ff.  Vgl.  auch  Geigers  Artikel  ADB.  22. 
S.  358  f.  Wichtiges  Material  in  konfuser  Anordnung  bei 
Karl  und  Wilhelm  Krafft:  Briefe  und  Dokumente  aus  der 
Zeit  der  Reformation  im  16.  Jh.  nebst  Mitteilungen  über 
Kölnische  Gelehrte  usw.  Elberfeld  o.  J.  [1876].  [Zeit- 
schriftentitel w^erden  in  den  Anmerkungen  der  LLD.  stets 
nach  dem  Siglens3'stem  der  „Jahresberichte  für  neuere 
deutsche  Litteraturgeschichte"  geboten.) 


VI  EINLEITUNG. 

Weinirärtnordorf  in  der  Nähe  von  Koblenz,  ist  er  1-493  oder 
1494  geboren.  Der  üblichen  Gelehrtensitte  folgend  hat  er 
später  seinen  bürgerlichen  Namen  Peter  Schade  verändert: 
er  nannte  sich  Mosellanus  nach  dem  Flnsse,  au  dem  sein 
Heimatsort  lag  und  den  einst  Ausonius  in  seiner  grade 
von  Humanisten  vielfach  nachgebildeten  \Mosella'  mit  an- 
mutiger Gelehrsamkeit  besungen  hatte.  Auf  der  Schule, 
die  er  in  verschiedenen  Städten  besuchte,  machte  er  üble 
Erfahrungen.  Sein  erster  Lehrer  war  ein  Säufer  und  oben- 
drein ein  unerträglicher  Pedant,  der  nichts  als  den  Baculus 
zu  handhaben  wußte.  Dann,  als  er  einen  besseren  Lehrer 
gefunden  hatte,  begann  die  Sorge  um  das  täglich  Brot. 
Er  ging  nach  Trier  und  verdiente  sich  hier  (wie  Luther 
ein  paar  Jahre  früher  zu  Eisenach)  seinen  Unterhalt  durch 
Singen.  Leider  wissen  wir  über  diese  Trierer  Periode  nur  sehr 
wenig:  sie  scheint  für  Mosellans  Entwicklung  von  Bedeutung 
gewesen  zu  sein.  Er  selbst  hat  gelegentlich  hervorgehoben, 
daß  er  in  Trier  auf  alten  Inschriften  und  Gemmen  zum 
erstenmal  griechische  Buchstaben  erblickt  habe.  Die  Ver- 
mutung liegt  nahe,  daJ3  er  hier  das  Kollegium  zum  hl, 
German  besuchte,  das  gegen  Ende  des  15.  Jahrhunderts 
von  Brüdern  des  gemeinsamen  Lebens  gegründet  worden 
warM.  Als  Mitglied  dieses  Kollegiums  hat  er  sich  dann 
wohl  an  der  Universität  Trier  immatrikulieren  lassen-). 
Denn  er  muß  schon  einmal  immatrikuliert  gewesen  sein, 
bevor  er  die  Universität  Köln  bezog.  Hier  ist  er  am 
2.  Januar  1512  als  Petrus  Schayde  de  proythgen  in  die 
Matrikel  eingetragen  —  aber  schon  am  25.  November  des- 
selben Jahres  besteht  er,  wie  der  Eintrag  in  das  De- 
kanatsbuch   beweist,     das    Baccalaureatsexamen'):     dieses 


^)  Über  dieses  Kollegium  vgl.  [Hontheim]  Historia  Trevi- 
rensis  dijjlomatica  2  (1750),  S.  325  f .  568.  Wyttenbach,  Bei- 
trag zur  Geschichte  der  Schulen  im  ehemal.  Ohurfürstentum 
Trier.  Programm.  Trier  1841,  S.  lOff.  J.Marx,  Geschichte 
des  Erzstifts  Trier  I  2  (1850),  S.  453    469  ff. 

')  Die  Trierer  Matrikel  ist  bis  auf  einige  Reste  aus 
dem  18.  Jh.  verschollen. 

')  Diese  Daten  haben  zuerst  K.  u.  W.  Krafft  S.  195 
mitgeteilt.     H.  Keussen    in    Köln    hat   sie   auf  meine  Bitte 


EINLEITUNG.  VII 

Examen    setzt    ein  mindestens  anderthalbjähriges  Studivmi 
voraus^). 

Drei  Jahre  blieb  Mosellan  in  Köln,  lernend  und  lehrend. 
Kein  Zweifel,  daß  hier  der  Grund  zu  seiner  philologischen 
Gelehrsamkeit  gelegt  wurde  und  daß  hier  seine  didaktische 
Begabung  zuerst  sich  entfalten  konnte.  Obwohl  die  Uni- 
versität noch  wesentlich  mittelalterlich  organisiert  war, 
hatte  sich  doch  der  Humanismus  bereits  Bahn  gebrochen. 
Schritt  für  Schritt  Land  erobernd,  gelegentlich  zurück- 
gedrängt, doch  nie  gänzlich  unterdrückt.  Hier  lehrten  u.  a. 
der  junge  talentvolle  Glarean,  der  feurige  Hermann  von 
dem  Busche  und  der  bedächtige  Johannes  Caesarius-). 
Caesarius  namenthch  hat  auf  Mosellan  (wie  auf  Murmellius) 
nachhaltigen  Einfluß  ausgeübt.  Die  Kenntnis  der  grie- 
chischen Sprache  hat  er  ihm  zu  verdanken.  Und  er  bewies 
sich  dankbar:  er  widmete  ihm  eine  seiner  ersten  Arbeiten, 


nachgeprüft  und  richtig  befunden;  nur  daß  Mosellans  Name 
bei  der  Determination  im  Dekanatsbuch  nicht  an  22..  sondern 
an  21.  Stelle  steht.  Wunderlicherweise  haben  K.  u.  W.  Krafit 
nicht  auf  die  oben  berührte  Schwierigkeit  aufmerksam  ge- 
macht. Auch  hätten  sie  nicht  der  alten  Verwechslung  unseres 
Peter  Schade  mit  einem  gleichnamigen,  schon  1503  imma- 
trikulierten Studiosus  aus  Herford  das  Wort  reden  sollen. 
Auf  diese  Verwechslung  ist  es  auch  zurückzuführen,  wenn 
man  häufig  (z.  B.  bei  Knefel,  Gesch.  d.  Friedrichs- G^^mn. 
in  Herford  1817,  S.  18;  Hagen,  Deutschlands  litter.  u.  relig. 
Verhältnisse  -  [1868],  1,S.231;  Veil,  Zum  Gedächtnis  J.Sturms. 
Festschrift  des  protest.  G^Tunasiums  zu  Straßburg  1  [1888], 
S.  3)  den  Horlenius  als  Lehrer  Mosellans  erwähnt  findet, 
eine  Angabe,  die  Eeichling  zudem  aus  andern  Gründen  als 
hinfällig  erwiesen  hat  (Festschrift  des  Paulinischen  Gym- 
nasiums zu  Münster  1898,  S.  4  f.). 

^)  Kaufmann,  Gesch.  der  deutschen  Universitäten 2  (1896), 
S.  303. 

2)  Krafft  S.  127  ff.  175  ff.  Kämmel,  NJbbKlAltGL.  12 
(1875).  S.  401  ff.  Paulsen,  Gesch.  des  gelehrten  Unter- 
richts- 1  (1896),  S.  118  ff.  0.  F.  Fritzsche,  Glarean  (1890), 
S.  8.  Reichhng,  Murmellius  (1880),  S.  79  ff.  und  in  der  oben 
zitierten  Münsterer  Festschrift  S.  5  f.  Auf  Böckings  Index 
biographicus'  (Hutteni  Opera,  Suppl.  II  2)  sei  hier  ein  für 
allemal  verwiesen. 


VIII  EINLEITUNG. 

Jene  bedeutungsvolle  Ausgabe  des' Plutus"^),  die  das  Aristo- 
phanesstudium  in  Deutschland  recht  eigentlich  angebahnt  hat. 

Im  Dezember  1514  verließ  Mosellan  Köln.  Sein  Ziel 
war  Freiberg  i.  S..  wo  er  (nach  kurzem  Aufenthalt  in  Leipzig) 
im  Januar  1515  anlangte.  In  Freiberg  hatte  der  nimmer 
milde  Rhagius  Aesticampianus  eine  Lateinschule  eröffnet, 
für  die  er  ein  i)aar  junge  Leute  brauchte ^j.  Mit  Mosellan 
kam  dessen  Studiengenosse  Caspar  Borner ^).  Aber  die 
Hoffnungen,  welche  die  beiden  Jünglinge  auf  die  neue 
Stellung  gesetzt  hatten,  erfüllten  sich  nicht.  So  schlug 
denn  Mosellan  seinem  Freunde  vor,  nach  Leipzig  zurück- 
zukehren.    Das  muß  im  Sommer  1515  geschehen  sein. 

Mosellan  ließ  sich  alsbald  an  der  Universität  imma- 
trikulieren*). Der  Lei])ziger  Hochschule  gehörte  fortan 
das  Leben  Mosellans  und  gutenteils  auch  Borners;  beide 
haben  ihr  als  Dozenten  nach  Kräften  gedient;  der  größere 
Gelehrte  war  Mosellan,  das  größere  Organisationstalent  war 
Borner;  treffliche  Pädagogen  sind  sie  beide  gewesen. 

Leipzig  war  um  jene  Zeit  die  besuchteste  L'niyersität 
Deutschlands^).  Aber  sie  war  nichts  weniger  als  eine  Hu- 
manistenuniversität®). Mosellan  hatte  noch  nicht  festen  Fuß 
gefaßt,  da  erschienen  die  Epistolae  obscurorum  virorum"). 

^)  Vorrede  vom  August  1517,  abgedruckt  bei  Krafft 
S.  133  ff.     Exemplare  in  Breslau  U.  und  Göttingen. 

-)  Falsche  Daten  bei  Süss.  Gesch.  des  G^'mnasiums  zu 
Freiberg.  Freiberger  Progr.  1876,  S.  1 1  ff.  und  Thümer. 
Gymnasium  (Albertinum)  zu  Freiberg:  Veröffentlichungen 
zur  Gesch.  des  Gelehrten-Schulwesens  im  Albertin.  Sachsen  1 
(1900),  S.  114.  Thümer  hätte  Bauchs  aufkläi-ende  Beiträge 
zur  Freiberger  Schulgeschichte  des  16.  Jhs.  in  den  MGESch, 
5  (1^95),  S.  7  ff.,  6  (1896),  S  184  nicht  übersehen  sollen. 
Vgl.  noch  Krafft  S.  137  ff.  197  f. 

3)  Kallmeier.  Caspar  Borner.    Leipz.    Diss.  1898,  S.  loff. 

■•)  Erler.  Matrikel  der  Universität  Leipzig  1  (1895).  S.  542. 

^1  Eulenburg.  Frequenz  der  deutschen  Universitäten 
(1904),  S.  54  ff. 

*)  Paulsen  1.  S.  92  ff.  Friedberg,  Die  Universität 
Leipzig  1898,  S.  27.  95  ff.  Am  meisten  hat  mir  der  aus- 
L'ezeichnete  Aufsatz  von  Geß,  Lei]jzig  und  Wittenberg  im 
XA.SächsG.  16  (1895).  S.  43  ff.  gegeben. 

')  Im  zweiten  Teil  wird  auch  Mosellan  erwähnt:  Hutteni 
Opera  ed.  Böcking,  Supjil.  1,  S.  200.  276. 


EINLEITUNG.  IX 

Was  für  Bilder  werden  darin  von  den  Zuständen  in  Leipzig 
entworfen!  War  die  Universität  wirklich  so  rückständig? 
Niemand  wird  heut  mehr  für  bare  Münze  nehmen,  was  die 
sprudelnde  Laune  eines  genialen  Satirikers  gestaltungsfroh 
hervorgebracht  hat.  Es  gilt,  die  grellen  Verzerrungen  auf 
das  richtige  Maß  zurückzuführen:  die  Konturen  schrumpfen 
zusammen,  die  phantastischen  Schnörkel  verlieren  sich,  die 
Schatten  werden  heller  —  der  Eindruck  des  Ganzen  wird 
weniger  lächerlich,  doch  kaum  minder  traurig  und  ab- 
stoßend. Ja,  die  Universität  war  wirklich  so  rückständig. 
Was  wollen  gelegentliche  Berühnmgen  mit  dem  Huma- 
nismus besagen,  da  er  doch  immer  wieder  das  Feld  räumen 
mußte  und  da  namenthch  die  einflußreichsten  Stellen 
mit  Professoren  besetzt  waren,  die  jede  Regung  der 
neuen  Zeit  spöttisch  oder  gallig  von  sich  wiesen.  Diese 
Leute  haben  unserm  Mosellan  das  Dasein  verbittert,  wo 
sie  nur  konnten.  Und  wenn  die  Klage  über  die  bösen 
Momi  im  Iß.  Jahrhundert  oft  nur  eine  treulich  nachgebetete 
Clichephrase  ist:  Mosellan  hatte  wahrlich  Grrund  genug  sie 
zu  brauchen.  Sein  Leben  ist  von  jetzt  an  ein  Kampf.  Er 
war  von  Haus  aus  keine  Kämpfernatur,  aber  er  hat  diesen 
Kampf  mutig  aufgenommen  und  mit  Energie,  Klugheit  und 
Zähigkeit  schließlich  erreicht,  was  er  wollte.  Es  war  ein 
Pyrrhussieg. 

Mosellans  Absicht  ging  dahin,  in  Leipzig  vornehmlich 
Griechisch  zu  lehren.  Es  war  ein  harter  Schlag  für  ihn, 
als  er  erfuhr,  daß  kurz  vor  ihm  ein  anderer,  der  sich  eines 
klangvolleren  Namens  erfreute,  mit  derselben  Absicht  nach 
Leipzig  gekommen  war:  der  Engländer  Richard  Crocus^). 
Allein  weit  entfernt,  sich  in  kleinlichen  Konkurrenzneid  zu 
ver.steifen,  suchte  Mosellan  vielmehr  von  Crocus  zu  lernen 
und  dessen  Freundschaft  zu  gewinnen.  Als  dann  Crocus, 
dem  die  Zustände  in  Leipzig  begreiflicherweise  nicht  be- 
hagten-),   wieder   nach    England   ging,   ward  Mosellan  sein 

1)  Dictionarv  of  National  Biographv  13  (1888),  S.  120ff. 
Bauch,  MGESch.  6  (1896),  S.  177  ff.       "" 

-)  Trotz  seinem  Encomium  academiae  Lipsiensis.  ab- 
gedruckt bei  J.  G,  Boehmius,  De  litteratura  Lipsiensi  (1779), 
S.  191  ff. 


X  EINLEITUNG. 

Xachfola:er  an  der  I'niversität.  Seine  Antrittsrede  handelte 
gut  humanistisch  von  der  "Wichtigkeit  der  Sprachkenntnis ^). 
Sie  erregte  ob  ihrer  antischolastischen  Tendenz  bei  den 
Dunkelmännern  viel  Anstoß,  trug  ihm  aber  die  Anerkennung 
des  Erasmus  ein-),  als  dessen  unbedingter  Ai)ologet  er  sich 
freilich  in  dieser  Rede  erwiesen  hatte  und  auch  fernerhin 
erwies. 

Seit  dem  Ende  des  15.  Jahrhunderts  war  in  Leipzig 
öfter  der  Versuch  gemacht  worden,  das  Griechische  als 
Lehrfach  zu  pflegen'*).  Aber  erst  Crocus  und  ISfosellan 
haben  es  hier  fester  eingebürgert  und  eine  breitere  Wirkung 
darin  entfaltet*).  Es  verdient  Hervorhebimg,  daß  sie  in 
ihren  Bestrebungen  insbesondere  von  dem  Rate  der  Stadt 
tatkräftig  unterstützt  wurden*).  Auch  Herzog  Georg  und 
einige  Adlige  begünstigten  den  Aufschwung  der  Wissen- 
schaften. Aber  es  gebrach  auch  nicht  an  einer  Gegen- 
strömung. 'Lipsae,  quanquam  pertinaciter  adhuc  reluctentur 
sophistae,  erigmit  se  tarnen  literae  et  augentur  recta  studia', 
schrieb  Hütten  im  April  151^^);  der  Satz  kennzeichnet  die 
Sachlage  gut.  Die  Sophisten',  d.  h.  die  ordentlichen  Pro- 
fessoren der  Theologie,  spielten  die  Mißvergnügten  und 
machten  Opposition.  Trotz  seinen  Lehrerfolgen  fühlte  sich 
Mosellan  in  Leipzig  nicht  wohl.  Er  sah  sich  im  Frühling  1518 
ernstlich  nach  einer  neuen  Stellung  um").  Es  fehlte  nicht 
viel,  und  er  hätte  in  Wittenberg  jene  Professur  bekommen, 
der  dann  Melanchthon  weithin  strahlenden  Glanz  verlieh. 
Es  ist  nicht  das  Amt  des  Historikers  sich  auszumalen,  welche 
Entwicklung  Mosellan,  welche  Entwicklung  die  Reformation 


')  Oratio  de  variarum  linguarum  cognitione  paranda. 
Lips.  15  IS. 

■-)  Vgl.  Kalkoff,  Vermittlung.spolitik  des  Erasmus: 
AReformationsG.  1  (1903),  S.  32. 

■)  Bauch,  Die  Anfänge  des  Studiums  der  griechischen 
Sprache:  MGESch.  6  (1896),  S.  163  ff.  177  ff.  183  ff. 

*)  Vgl.  Bauch  a.  a.  0.   S.  183. 

•')  A\ustmann,  Urkundl.  Beiträge  zur  frühesten  Gesch. 
der  Xicolaischule.     Lei])ziger  Progr.  189.").  S.  IV. 

«)  Opera  ed.  Br.cking  1,    S.  168. 

")  Hartfelder,  Melanchthoniana  paedagogica  (1892), 
••>.  74  ff.    Bauch,  MGESch.  6,  S.  186  f. 


EINLEITUNG.  XI 

genommen  hätte,  wäre  er  in  der  Tat  vom  Schicksal  an  die 
Seite  Luthers  gestellt  worden. 

Er  blieb  in  Leipzig.  Bei  der  Disputation  auf  der 
Pleißenburg  (1519)  hielt  er  die  zum  Frieden  mahnende  Er- 
öffnungsrede, in  der  er  den  Parteien  gegenüber  einen  ver- 
mittelnden Standpunkt  einnimmt.  Seine  Berichte  über  den 
Verlauf  der  Disputation  sind  für  uns  wertvolle  historische 
Dokumente^).  Bald  darauf  trat  er  eine  Reise  an.  die  ihn 
über  Erfurt  nach  Trier  und  von  dort  nach  Meißen  führte, 
wohin  die  Universität,  da  in  Leipzig  die  Pest  herrschte, 
auf  einige  Zeit  verlegt  worden  war.  Anfang  1520  kehrte 
man  wieder  nach  Leipzig  zurück.  Es  war  ein  bedeutsames 
Jahr  für  Mosellan.  Er  war  während  seiner  Abwesenheit 
von  feigen  Gegnern  frech  verleumdet  worden-).  Er  mußte 
seine  wankende  Stellung  äußerlich  zu  befestigen  suchen. 
Er  geizte  nicht  nach  Titeln;  aber  der  Magistergrad  war  nun 
einmal  die  Conditio  sine  qua  non,  sowohl  um  ins  große 
Kolleg  aufgenommen  zu  werden,  was  er  im  Interesse  seiner 
üblen  Finanzlage  sehnlichst  erstrebte,  als  auch  um  einen 
theologischen  Grad  zu  erwerben,  wodurch  er  das  Recht  er- 
hielt, theologische  Vorlesungen  zu  halten.  Und  dazu  trieb 
es  ihn  doch  wohl  auch  innerlich:  er  wollte  zu  einer  Zeit, 
wo  alles  auf  religiöse  Fragen  hindrängte,  nicht  den  müßigen 
Zuschauer  spielen,  sondern,  angeweht  von  dem  frischen 
Sturmwind  der  Reformation,  in  seinen  Vorlesungen  auch 
theologische  Dinge  behandeln.  Zum  Magister  wurde  er 
anscheinend  ohne  Schwierigkeiten  am  3.  Januar  1520  pro- 
moviert"^). Gegen  seine  Aufnahme  ins  große  Kolleg  aber 
sträubten  sich  die  Kollegiaten,  und  der  Herzog  mußte  erst 


^)  Vgl.  Bärge,  Andreas  Bodenstein  von  Karlstadt  1  (1905), 
S.  14:8  ff.  und  die  dort  zitierte  Litteratur. 

2)  Vgl.  Giemen,  BSächsKG.  12  (1898),  S.  56  ff.  62  ff.; 
16  (1903),  S.  231  ff.  ThStK.  78  (1905),  S.  405  ff.  Auch  Clemens 
Aufsatz  über  Johannes  Keusch  im  Beiheft  zum  XASächsG. 
21  (1900),  S.  111  ff.  ist  für  die  damaligen  Verhältnisse  in 
Leipzig  lehrreich. 

■^)  Erler,  Matrikel  der  Universität  Leipzig  2  (1899), 
S.  543. 


XII  EINLEITUNG. 

ein  Machtwort  sprechen^).  Jetzt  galts  den  Grad  eines 
Baccalaureus  ad  cursum  zu  erlangen.  Die  Fakultät  tat 
spröde  und  suchte  den  unbequemen  Kollegen  dadurch  los 
zu  werden,  daß  sie  ihn  —  ein  beliebtes  Verfahren  —  hussi- 
ti.scher  Neigungen  bezichtigte.  Abermals  griff  der  Herzog 
ein-),  und  so  wurde  denn  ^losellan  zusammen  mit  seinem 
Freunde  Poliander,  von  dem  wir  noch  hören  werden,  am 
20.  August  Baccalaureus  der  Theologie"').  Eine  mehr  de- 
korative Würde  war  ihm  ein  i)aar  Monate  vorher  zuteil 
Jieworden:  man  hatte  ihn  für  das  Sommersemester  1520 
zum  Rektor  der  Universität  gewählt*).  Heinrich  Stromer 
Auerbach,  Professor  der  Medizin,  ein  wackerer,  liebens- 
würdiger Mann'),  hatte  ihn  beim  Antritt  des  Amts  in  einem 
schwungvollen  Paneg3Tikus  herzlich  begrüßt,  und  Mosellan 
hatte  darauf  in  einer  Rede  über  die  Eintracht  freimütig  und 
mit  tiefem  Ernst  geantwortet*"').  Aber  seine  Worte  fanden 
nur  geringen  Widerhall.  Der  Zeiger  der  Zeit  stand  auf  Krieg. 
In  diesem  Sommersemester  sprach  Mosellan  über 
Augustinus');  zalilreiche  Hörer  fanden  sich  ein.  Der  An- 
drang zu  seinen  Vorlesungen  vermehrte  sich  aber  noch,  als 
er  im  Wintersemester  152U/21  die  Paulinischen  Briefe  inter- 
pretierte.    Welch    ein    Umschwung I    schreibt  Mosellan    an 


1)  Geß.  Akten  und  Briefe  zur  Kirchen politik  Herzog 
Georgs  von  Sachsen  1  (1905),    S.  122  f. 

-)  Ibid.    S.  130  f. 

■')  Brieger,  Die  theolog.  Promotionen  auf  der  Universität 
Leipzii?  (1890),    S.  31.     Erler  2.    S.  25. 

')  Erler  1,    S.  571. 

'")  Vgl.  über  ihn  Wustmann,  Der  Wirt  von  Auerbachs 
Keller.  Dr.  Heinrich  Stromer  von  Auerbach.  1902.  Giemen, 
Zur  Lebensgeschichte  Heinrich  Stromers:  NASächsG.  24 
(1903),  S.  100  ff. 

'^)  Henrici  Stromeri  Aurbachi  Medici  Sermo  pane- 
gjricus  .  .  .  Cui  adiecta  est  oratio  Petri  Mosellani  de  Con- 
cördia  .  .  .  Lips.  o.  J.  [1520].  Abgedruckt  bei  J.  G.  Boehmius. 
De  litteratura  Lipsiensi  (1779),  8.  2u6  ff. 

'•)  Vgl.  seinen  Brief  an  G.  Agricola  vom  31.  Mai  1520 
bei  Wilisch.  Arcana  bibliothecae  Annaebergensis  1730, 
S.  173  ff.  und  in  Friedr.  Aug.  Schmidts  Ausgabe  von  Agri- 
colas  Bermannus  (1800),  S.  2  ff. 


EINLEITUNG.  XIII 

Mutian,  einst  ekelten  diese  Studien  wie  die  Fasten  alle  an, 
jetzt  aber  gefallen  sie  allein^).  Mosellan  war  sich  bewußt, 
daß  dies  ein  Verdienst  Luthers  sei.  Er  hatte  dem  Refor- 
mator gegenüber  zunächst  eine  abwartende  Haltung  ein- 
genommen, war  ihm  aber  grade  im  Jahre  1520,  als  der 
Franziskaner  Alfeld  seine  plumpe  Streitschrift  gegen  Luther 
sandte"-),  durch  einen  teilnahmsvollen  Brief  nähergetreten''). 
Gleichwohl  ist  Mosellan  ein  unbedingter  Anhänger  Luthers 
und  seiner  Lehre  nie  und  auch  damals  nicht  gewesen.  Ihre 
Beziehungen  wurden  in  der  Folgezeit  nicht  enger,  es  trat 
vielmehr  eine  merkliche  Abkühlung  zwischen  beiden  ein*). 
Luther  hatte  ganz  recht,  wenn  er  im  Mai  1522  Mosellan  als 
einen  Erasmianer  durch  und  durch  bezeichnete^).  Niemand 
hat  auf  Mosellan  so  starken  und  bestimmenden  Einfluß  aus- 
geübt wie  Erasmus.  Ihm  pflichtete  Mosellan  nicht  nur  in 
der  Frage  nach  der  Prädestination  bei*'),  sondern  er  teilte 
seine  wissenschaftlichen  und  religiösen  Anschauungen  fast 
in  jedem  Betracht.  Das  religiöse  Gefühl  beider,  wesentlich 
in  der  Ethik  fußend  wie  bei  den  meisten  Humanisten,  war 
nicht  mächtig  genug,  um  den  Fortschritt  zu  erkennen,  der 
in  der  Reformation  lag.  Sie  sahen  nur  die  Gefahren  für 
die  gedeihliche  Entwicklung  der  Wissenschaft,  die  ihnen 
über  alles  ging.  Das  Revolutionäre  in  Luthers  Tat  schreckte 
sie.  'Du  willst  die  Macht,  die  ruhig,  sicher  thronende  er- 
schüttern .  .  .' 


1)  Krafft  S.  148  f.  GiUert,  Briefwechsel  des  Mutianus  2 
(1890),   S.  271  f. 

-)  Vgl.  Lemmens,  Pater  Augustin  von  Alfeld  (1899), 
S.  10  ff. 

^)  Nicht  erhalten,  vgl.  Enders,  Luthers  Briefwechsel  2, 
S.  452. 

*)  Trotzdem  galt  Mosellan  als  lutherisch  gesinnt,  wie 
aus  dem  Briefe  Thomas  Blaurers  vom  15.  Februar  1521  bei 
Hartfelder,  Melanchth.  paedagog.  S.  116  hervorgeht. 

^)  Vgl.  die  nächste  Anmerkung. 

*')  Luther  an  ßorner  am  28.  Mai  1522:  'De  praedesti- 
natione  vero  sentire  Mosellanum  cum  Erasmo  antea  novi, 
totus  enim  Erasmianus  est'.     Enders  S.  375  f. 


XIV  EINLEITUNG. 

Das  Haften  an  dem  Legitimitätso^edanken  war  es  letzten 
Endes  auch,  was  den  klu,s2:en  und  ener2:ischen  Herzog  Georg, 
der  ein  Herz  für  den  Humanismus  hatte,  seit  dem  Wormser 
Reichstag  zu  einem  erbitterten  Feinde  der  Reformation 
machte.  Er  war  so  wenig  wie  Erasmus  und  Mosellan  ein 
Freund  der  Pfaffen.  Er  hatte  sich  ehrlich  bemüht,  eine  Re- 
organisation der  Universität  Leipzig  herbeizuführen.  Jetzt 
aber  verbietet  er  alle  Neuerungen.  Keiner  seiner  Untertanen 
darf  in  "Wittenberg  studieren.  Keiner  seiner  Professoren  darf 
zu  Luther  halten.  Er  läßt  die  lutherische  Bibelübersetzung 
konfiszieren.  Und  er  ersucht  die  Leipziger  theologische 
Fakultät,  deren  Impotenz  und  Ignoranz  ihm  hinlänglich 
bekannt  war,  um  ein  Gutachten  über  diese  Übersetzung^). 

Daß  Mosellan  mit  diesen  Maßregeln  einverstanden  war, 
werden  wir  billig  bezweifeln.  AVir  hören  fortan  nicht  mehr 
viel  von  ihm.  Er  machte  Reisepläne,  denen  keine  Aus- 
führung folgte.  Er  versenkte  sich  mit  anhaltendem  Eifer 
in  wissenschaftliche  Arbeiten.  Schulden  drückten  ihn'). 
Noch  einmal,  im  Sommersemester  1523.  verwaltete  er  das 
Rektorat'').  Zu  Beginn  des  Wintersemesters  wurde  er 
Sententiarius*):  abermals  war  der  Herzog  gegen  die  Fa 
kultät  für  ihn  eingetreten  °).  Es  war  die  letzte  Würde,  die 
er  auf  Erden  erlangt  hat.  Rasch  kam  der  Tod.  Entbehrungs- 
reiche Jugendjahre,  arbeitsvolle  Studentenjahre,  stürmisch 
erregte  Dozentenjahre  hatten  den  widerstand.slosen  Körper 
des  unermüdlich  Tätigen  vor  der  Zeit  zerrüttet.  Er  starb 
mit  dreißig  Jahren  im  April  lo2-4:  ein  Gelehrter  reicher 
Frucht  und  reicherer  Hoffnung*^). 

Seine  Schüler,  unter  denen  sich  zahlreiche  bedeutende 


M  Geß,  Akten  und  Briefe  S.  2»;9ff.  386f.  425f.  465 f.  u.  ö. 

■-)  Geß,  Akten  und  Briefe  S.  6nl. 

■')  Erler  1,  S.  587. 

*)  Erler  2,  S.  26. 

■•)  Geß,  Akten  und  Briefe  S.  483  ff. 

•)  'Juvenis  magnae  iam  eruditionis.  sed  spei  longe  maxi- 
mae'  hatte  ihn  Erasmus  1520  in  einem  Briefe  an  Herzog 
Georg  genannt  (Opera  ed.  Clericus  3,  S.  567  D). 


EINLEITUNG.  XV 

Politiker^)  und  Pädagogen-)  befinden,  haben  ihn  aufrichtig 
beklagt  und  sein  Andenken  in  hohen  Ehren  gehalten;  bis 
tief  ins  16.  Jahrhundert  hinein  kann  man  seinen  Namen 
rühmend  erwähnen  hören'*).  Auch  Herzog  Georg  wußte, 
was  die  Universität  an  Mosellan  verlor.  'Fuit  enim  is  vir 
summum  Lipsiensis  gymnasii  decus',  schrieb  er  an  Erasmus*). 
Trotz  alledem  —  einer  von  den  Großen  ist  Mosellan 
nicht  gewesen.  Man  hat  ihn  oft  mit  Melanchthon  ver- 
glichen und  in  vieler  Beziehung  gewiß  mit  Recht.  Ob  er 
eine  gleiche  Wirksamkeit  wie  dieser  entfaltet  hätte,  wäre 
ihm  ein  längeres  Leben  zuteil  geworden,  bleibt  doch 
zweifelhaft.  Sein  Horizont  war  enger.  Er  war  weniger 
zaghaft  als  Melanchthon  und  doch  nicht  frei  von  ängst- 
licher Vorsicht.  Er  war  weniger  bestimmbar  als  Melanchthon 
und  hatte  sich  doch  von  Erasmus  völlig  bestimmen  lassen. 
Vielleicht  hätte  er  sich  mit  der  Zeit  auch  die  profunde 
Gelehrsamkeit  des  Erasmus  angeeignet:  dessen  Geist  hätte 
er  nie  erlangt.  Er  war  ein  Mann  von  klarem  Verstände, 
schneller  Auffassungsgabe,  rastlosem  Fleiße.  Er  besaß 
wenig  Temperament,  aber  einen  starken  Willen.  Er  pro- 
duzierte rasch,  doch  nicht  immer  mühelos  und  nicht  iixnner 


^)  Vor  allem  Julius  von  Pflug,  der,  wie  er  selbst  in 
seiner  Oratio  funebris  in  mortem  Mosellani  (o.  0.  u.  J. 
Exera])lar  in  Münster;  Neudruck  von  Müller,  Cizae  1798) 
angibt,  die  Richtung  seines  Lebens  von  Mosellan  empfangen 
hat.  Sodann  Christoph  von  Carlowitz,  vgl.  Langenns  Bio- 
graphie (1854),  S.  10  ff.  Brandenburg,  Moritz  von  Sachsen  1 
(1898),  S.  13  f.  (s.  u.  S.  XVIl). 

-)  Ich  nenne  hier  nur  Georg  Agricola,  Camerarius. 
Trotzendorf  und  Musler.  Die  Funebris  oratio  habita  in 
laudem  Petri  Mosellani  a  Joanne  Muslero  Ottingensi  (o.  0. 
u.  J.  [1525]  Pflug  gewidmet)  ist  die  wichtigste  Quelle  für 
die  Lebensgeschichte  Mosellans.  Über  Musler  vgl.  Expe- 
ditus  Schmidt,  Bühnenverhältnisse  des  deutschen  Schul- 
dramas (1903),  S.  23.  101.  124.  Giemen,  NJbbKLlltGL.  12 
(1903),  S.  524  ff. 

^)  Vgl.  Radtschlag  des  allerheiligsten  Vaters  Bapsts 
Pauli  des  Dritten,  1545  (Königl.  Bibl.  Yp  8841).  Bl.  Fb. 
Koldewev,  Gesch.  d.  klass.  Phüologie  auf  der  Univ.  Helm- 
stedt (1895),  S.  16.  199. 

^)  Geß,  Akten  und  Briefe  S.  675. 


XVI  EINLEITUNG. 

sorgfältig.  Er  konnte  bei  etwas  unbeholfenem  Benehmen 
gewinnend  liebenswürdig  sein,  zuweilen  aber  auch  schroff, 
fast  hochfahrend.  Selbstgerecht  und  eitel  war  er  sonst 
nicht,  aber  er  hielt  auf  seine  Stellung.  Er  scheint  ein 
klösterlich  strenges  Leben  geführt  zu  haben:  die  Liebe  ist 
ihm  nie  genaht M-  Die  Wissenschaft  und  die  Lehrtätigkeit 
haben  ihm  alles  ersetzt. 

Er  muß  ein  ausgezeichneter  Lehrer  gewesen  sein;  nicht 
nur  seine  Schüler,  auch  seine  Schriften  bezeugen  es-).  Sie 
sind  nicht  alle  pädagogischer  Natur,  aber  nur  wenige  er- 
mangeln einer  didaktischen  Tendenz.  Er  war  in  erster  Reihe 
Philolog.  Er  lieferte  Ausgaben  griechischer  und  römischer 
Schriftsteller  und  versah  sie  nicht  selten  mit  kurzen  Er- 
läuterungen. Er  beschränkte  sich  dabei  natürlich  nicht  auf 
den  Kanon,  den  wir  als  klassisch'  anzusehen  gewohnt  sind, 
sondern  griff  mit  Vorliebe  auch  in  die  altchristliche  Litteratur 
hinein:  wie  denn  überhaupt  grade  diese  Litteratur  im  Zeit- 
alter des  Humanismus  eine  noch  nicht  nach  Gebühr  ge- 
würdigte Rolle  spielt.  Ihm  verdanken  wir  die  erste  Aus- 
gabe der  Schrift  des  Claudianus  Mamertus  (t  um  477)  'De 
statu  animae\  in  der  vom  August inischen  Standpunkt  aus 
die  Einheit  und  Unkörperlichkeit  der  Seele  verteidigt 
wird*).  Mit  Gregor  von  Nazianz,  dessen  rhetorischer 
Schwung  und  dessen  schöngeistige  Neigungen  üin  gefesselt 
haben  werden,  hat  er  sich  viel  beschäftigt  und  die  Fünf 
Bücher  über  die  Theologie  ins  Lateinische  übersetzt.  Derlei 
Versionen  hat  er  auch  sonst  gern  hergestellt  und  z.  B.  nach 


1)  Geiger,  GGA.  1868,  S.  1539  wollte  ihm  einen  Sohn 
imputieren  durch  den  Hinweis  auf  seinen  Brief  an  Pirck- 
heimer,  Opera  ed.  Goldast.  S.  323.  Allein  der  adolescens, 
vr.n  dem  Mosellan  hier  spricht,  ist  offenbar  nur  einer  seiner 
."^chüler,  der  vielleicht  in  seinem  Hause  lebte. 

■-')  Ein  bibliographisch  unzulängliches  Verzeichnis  bei 
0.  G.  Schmidt    S.  85  ff. 

•■')  Vgl.  Ueberweg-Heinze.  Grundriß  d.  Gesch.  d.  Philos."' 
2  (1S9S).  S.  141.  143  und  die  dort  zitierte  Litteratur.  Zur 
Überlieferungsge.^chichte  der  Handschrift  s.  L.  Schmidt, 
NASächsG.  18  (1897),  S.  208.  227,  dazu  Giemen,  BSächsKG. 
15  (1901),  S.  20  ff. 


EINLEITUNG.  XVII 

dem  Vorgang  des  Erasmus  zwei  Dialoge  Lukians  ins  Latei- 
nische übertragen^).  "Was  er  für  sich  und  andere  zu  Lehr- 
zwecken geschrieben  hat,  ist  nicht  alles  gedruckt  worden. 
Doch  genügen  die  vorliegenden  Anleitungen  zur  Ehetorik 
und  Stilistik,  um  sein  pädagogisches  Geschick  ausreichend 
zu  beleuchten.  Eine  ganz  kurze  Schrift  über  die  beste 
Zeiteinteilung,  die  Christoph  von  Carlo witz,  späterhin  der 
einflußreiche  Berater  Moritzens  von  Sachsen,  unter  die  Presse 
gesandt  hat,  enthält  die  Summe  seiner  praktischen  Pädagogik. 
Es  geht  eine  gesunde  psychologische  Einsicht  durch  dies 
anspruchslose  Opusculum,  das  wir  im  Zweiten  Anhang 
wieder  abdrucken.  Mosellan  erweist  sich  darin  als  An- 
hänger des  achtstündigen  ^Arbeitstags.  Acht  Stunden  Arbeit, 
acht  Stunden  Erholung,  acht  Stunden  Schlaf:  das  sei  das 
rechte  Carpe  diem.  Vormittags  möge  man  die  schwierigeren 
Studien,  z.  B.  das  Griechische,  betreiben.  Mehr  als  zwei 
bis  drei  Stunden  hintereinander  Kollegien  zu  hören,  sei 
nicht  ratsam.  Auch  für  die  Pflege  des  Körpers  gibt  er 
Vorschriften  und  geniert  sich  dabei  durchaus  nicht,  selbst 
das  Menschlichste  zu  erwähnen. 

Das  bedeutungsvollste  ::?chulbuch,  das  Mosellan  ver- 
faßt hat,  ist  die  Paedologia. 

IL    Die  Paedologia. 

1.    Gehalt  und  Gestalt. 

Die  Paedologia  ist  Johann  Poliander  gewidmet,  der  als 
einer  der  Evangelisten  Preußens'  bekannt  zu  sein  pflegt-). 
Graumann,  wie  er  eigentlich  hieß,  ein  Franke  von  Geburt, 
hatte    in   Leipzig  studiert  und  war  im  V^^inter  1515/16  Ma- 


M  Charon  und  Tyrannus,  Vorrede  vom  März  151S 
(Exemplar  in  Kiel). 

-)  Rostius,  Memoria  Poliandri.  Lips.  ISOS  (Exemplar 
in  Königsberg  IT.).  Rost,  Was  hat  die  Leipziger  Thomas- 
schule für  die  Reformation  getan-  Leipzig  1817,  S.  25  ff . 
61  f.  Tschackert,  Urkundenbuch  zur  Reformationsgeschichte 
des  Herzogtums  Preußen  1S90  (Register).  Kolde,  BBavrKG.  6 
(1900),  S.  49  ff.;  vgl.  Schornbaum,'  ibid.,  S.  216  ff. 

Lat.  Litteraturdenkm.  18.  b 


XVIll  EINLEITUNG. 

j^ister  geworden^).  Vermutlich  erteilte  er  schon  damals 
Unterricht  an  der  Thomasschule,  deren  Leitung  er  bald 
darauf  übernahm.  Dem  Namen  nach  hat  er  sein  Amt 
bis  1522  verwaltet,  doch  bereits  1519  war  er  nach  Witten- 
berg geeilt-),  um  Luthers  Wort  zu  hören,  das  ihn  zuerst 
bei  der  Leijiziger  Disputation  tief  ergriffen  hatte.  Er  wurde 
ein  treuer  Anhänger  des  Reformators  und  hat  später  als 
Gei.stlicher  in  Königsberg  Gutes  gewirkt.  Er  dichtete  in 
Luthers  Art  lang  gesungene  Kirchenlieder'').  Er  verteidigte 
Luthers  zornerfüllte  Schrift  gegen  die  Bauern*).  Er  er- 
klärte sich  auch  für  Luthers  Auffassung  in  der  Frage  nach 
dem  freien  Willen^):  ein  Bruch  der  Freundschaft  mit  dem 
erasmisch  gesinnten  Mosellan  scheint  die  Folge  gewesen 
zu  sein.  Das  war  im  Anfang  des  Jahres  1522;  schon  vorher 
mag  die  unbedingte  Gefolgschaft,  die  Poliander  dem  Re- 
formator leistete,  Mosellan  verdrossen  haben.  Davon  kann, 
als  die  Paedologia  erschien,  noch  keine  Rede  sein:  die 
Widmimg  zeigt  das  beste  Einvernehmen  zwischen  dem 
älteren,  erfahrneren  Schulmann  und  dem  jungen  Universitäts- 
professor''). 

Auf  Polianders  Veranlassung  und  mit  seiner  Beihilfe 
ist,  wie  ims  das  Vorwort  belehrt,  die  Paedologia  entstanden. 

')  Erler  1.  S.  458.     2,  S.  428.    507. 

-)  Förstemann,  Album  academ.  Viteberg.  1841,  S.  87. 

^)  Ph.  Wackernagel,  Das  deutsche  Kirchenlied  3  (1870), 
S.  821  ff. 

*)  Tschackert,  Urkundenbuch  2.  S.  130  ff. 

^)  Giemen,  NJbbKlAltGL.  6  (1900),  S.  395  ff. 

°)  Dai3  Mosellan  nicht  selbst  an  der  Thomasschule  unter- 
richtet" habe,  wie  vermutet  worden  ist,  weil  er  den  Poliander 
in  der  Widmung  ludimagister  suus'  nennt,  hat  schon  Bömer 
(s.  u.  S.  XIX  Anm.  3)  S.  105  f.  hervorgehoben.  Ich  will  noch 
daraufhinweisen,  daß  Mosellan  doch  unmöglich  sagen  könnte, 
er  sei  mit  dem  Schulbetrieb  nicht  vertraut,  wenn  er  selbst 
damals  Schulunterricht  gegeben  hätte.  Die  ältere  Geschichte 
der  Thomasschule  liegt  ganz  im  argen,  vgl.  außer  der  oben 
angeführten  Schrift  von  Rost  das  Programm  von  Sachse, 
Beiträge  zur  Geschichte  des  Thomasklosters  und  der  Thomas- 
schule (1880).  Die  Mitteilung  von  Stallbaum,  Thomasschule 
(18.39),  S.  17,  daß  Mosellan  um  1515  an  der  Thomasschule 
gewirkt  habe,  ist  völlig  apokryph. 


EINLEITUXG.  XIX 

Mosellan  erzählt,  er  habe  lange  gezögert,  ehe  er  an  die  Ab- 
fassung gegangen  sei;  vor  allem,  weil  er  mit  den  Schulen, 
in  denen  dieses  Buch  gebraucht  werden  sollte,  nicht  sehr 
vertraut  sei  und  gezweifelt  habe,  ob  es  ihm  gelingen  würde, 
sich  wieder  auf  einen  kindlichen  Ton  zu  stimmen,  was  doch 
bei  Schriften  dieser  Art  —  wie  später  auch  Luther  hervor- 
hebt^) —  notwendig  sei.  Aber  Poliander  habe  nicht  ab- 
gelassen, ihn  mit  Bitten  zu  bestürmen,  und  ihm  auch  seinen 
Beistand  bei  der  Arbeit  zugesagt.  So  sei  er  denn  ans  Werk 
gegangen,  aus  der  Erwägung  heraus,  daß  man  sich  durch  ein 
solches  Buch  mit  Leichtigkeit  die  proprietas  des  Terenz 
und  die  facultas  Ciceros  aneigen  könne.  Wolle  man  nicht 
späterhin  ein  barbarisches,  durch  die  Muttersprache  korrum- 
piertes Latein  sprechen,  so  müsse  man  schon,  Quintilian -') 
bezeuge  es,  in  früher  Jugend  das  klassische  Latein  als 
L'mgangssprache  verwenden  lernen.  Dazu  sei  ein  Gesprächs- 
buch wie  die  Paedologia  eine  unverächtliche  Hilfe. 

Der  Zweck  der  Paedologia  erhellt  aus  diesen  Worten: 
sie  will  ein  Lehrbuch  des  klassischen  Lateins  für  Knaben 
sein,  aber  ein  Lehrbuch  eigener  Art;  keine  trockene  Gram- 
matik, sondern  eine  Anleitung  zum  lebendigen  Gebrauch 
der  römischen  Sprache. 

Schülergespräche  sind  dem  Altertum  ebensowenig  fremd 
wie  dem  Mittelalter.  Gleichwohl  bedeuten  die  Schüler- 
gespräche   der    Humanisten^)    etwas    Neues.     Ln  Altertum 


M  Mertz,  Schulwesen  der  deutschen  Reformation  (1902), 
S.  376. 

-')  s.  u.  s.  xxvn. 

^)  Der  erste,  der  sich  mit  den  Schülergesprächen  der 
Humanisten  eingehender  beschäftigt  hat,  war  L.  Massebieau. 
Sein  pathetisch,  doch  nicht  unschön  geschriebenes  Buch 
'Les  coUoques  scolaires  du  seizieme  siecle'  (Paris  1878), 
worin  auch  Mosellan  S.  65 ff,  ausführlich  behandelt  wird,  ist 
leider  auf  ganz  unzureichendem  bio-  und  bibliographischen 
Material  aufgebaut  und  jetzt  der  Hauptsache  nach  veraltet; 
immerhin  kann  man  auch  heute  noch  einiges  daraus  lernen. 
In  Deutschland  hat  sich  nahezu  als  einziger  A.  Bömer  um  die 
Erforschung  der  Schülergespräche  verdient  gemacht.     Sein 

b* 


XX  EINLEITUNG. 

und  im  Mittelalter  hatte  man  entweder  bloße  Gespriichs- 
formeln  aneinandergereiht  oder  fachwissenschaftliche  Be- 
lehrung in  erotematischer  Form  geboten  \).  Der  Humanismus 
verschmilzt  beide  Gattungen  und  erhebt  sie  zu  einer  höheren 
Einheit.  Die  Schülergesiiräche  der  Humanisten  bieten  sach- 
liche, vor  allem  aber  formale  Bildung  in  ansprechender, 
einprägsamer,  künstlerisch  gerundeter  Gestalt. 

Kant-)  unterscheidet  zwei  Arten  der  erotematischen 
Methode:  die  dialogische,  die  sich  an  die  Vernunft,  und  die 
katechetische,  die  sich  an  das  Gedächtnis  wendet.  Nun 
wäre  es  grundfalsch  zu  sagen:  das  mittelalterliche  Schüler- 
gespräch ist  katechetiscli,  das  humanistische,  wie  im  wesent- 
lichen auch  das  antike,  ist  dialogisch  —  denn  auch  das 
humanistische  Schülergespräch  wendet  sich  in  erster  Reihe 
au  das  Gedächtnis  und  ist  somit  im  Kantischen  Sinne  kate- 
chetisch. Aber  während  sonst  bei  katechetischen  Stücken 
der  Inhalt  die  Haui)tsache  ist,  ist  er  hier  mehr  Nebensache. 
Nicht  was  die  Schüler  sagen,  sondern  wie  sie  es  sagen,  dar- 
auf kommt  es  an.  Und  sie  sagen  es  —  in  dialogischer  Form : 
nicht  so  als  ob  sie  es  auswendig  gelernt  hätten,  sondern  als 
ob  sie  ihren  Kenntnissen  gemäß  mit  Überlegung  fragten  und 
antworteten.     Das    ist    freilich    nur  Schein,    aber    der   öde 


Buch  Die  lateinischen  Schülergespräche  der  Humanisten' 
(2  Teile.  Berlin  1897/9)  bietet  Lebensdaten,  Auszüge, 
Einzelerklärungen  und  namentlich  überaus  reichhaltige 
bibliographische  Angaben.  Es  war  die  wertvollste  Vor- 
arbeiti  die  ich  für  meinen  Zweck  nutzen  konnte.  Ich  möchte 
das  um. so  nachdrücklicher  hervorheben,  als  ich  in  manchen 
Punkten  zu  andern  Ergebnissen  gelangt  bin  als  Bömer.  — 
Ein  Schülergespräch  Samuel  Karochs  hat  Bömer  nachträglich 
bekannt  gemacht:  NJbbKlAltGL.  6  (1900),  S.  465  ff.  Zur 
Ergänzung  sei  noch  auf  G.  Schepss,  Magistri  Petri  Poponis 
CoUoquia  de  schohs  Herbipolensibus  (1882)  hingewiesen. 

^)  Vgl.  außer  den  Hinweisen  Bömers  Grasberger,  Er- 
ziehung und  Unterricht  im  klass.  Altertum  2  (1875"),  S.  148  f. 
219.  292.  Hirzel.  Dialog  2  (1895).  S.  364  f.  382  f.  i:bert, 
Gesch.  d.  Lit.  d.  Mittelalt.  1-  (1889),  S.  240.  595.  629;  2  (1880), 
S.  16  ff.  Krumbacher,  Ge^ch.  d.  bvzant.  Lit.  2  (1S97).  S.543.  547. 

-)  Metaphysik  der  Sitten  2  (1797),  i;  50.  Logik  (1800),  §  119. 


EINLEITUNG.  XXI 

Schematismus  von  Frage  und  Antwort  bei  der  Katechese ') 
ist  damit  überwunden,  und  die  gesamte  Gattung  rückt  in 
die  Nähe  des  Kunstdramas,  das  sich  in  der  Zeit  des  Hu- 
manismus kräftiger  zu  entfalten  beginnt.  Man  braucht  nur 
ein  spätmittelalterliches  Schulbuch  wie  das  schauerliche 
Es  tu  Scolaris"-)  mit  einigen  frühen  humanistischen  Schüler- 
gesprächen, etwa  den  von  Andreas  Hundern-*)  zusammen- 
gestellten, zu  vergleichen,  um  sofort  zu  erkennen,  wo  der 
Unterschied  steckt. 

Denn  Mosellan  ist  nicht  der  erste  Humanist,  der  Schüler- 
gespräche verfaßt  hat.  Unter  seinen  Vorgängern  sind  neben 
Hundern  vor  allem  Paulus  Niavis  und  Laurentius 
Corvinus  zu  nennen*).  Es  läßt  sich  indessen  nicht  nach- 
weisen, daß  er  ihre  Werke  gekannt  hat.  Gewisse  Gegen- 
stände kommen  in  den  meisten  Schülergesprächen  zur  Ver- 
handlung, und  es  wäre  voreilig,  aus  der  in  den  verschiedensten 
Dialogen  anzutreffenden  Erwähnung  von  Dingen,  über  die 
sich  Schüler    naturgemäß    zu  unterhalten  pflegen,    ein  Ab- 

^)  Die  Schülergespräche  wirken  dann  ihrerseits  wieder 
auf  die  Katechismen,  vgl.  Cohrs,  Die  evang.  Katechismus- 
versuche 4  [MGP.  23]  (1902),  S.  23.  38  ff.  346  f.  400.  Julius 
Richter,  Die  pädagog.  Litteratur  in  Frankreich  während  des 
16.  Jhs.  1  (1904),  S.  116  ff.  Kolde,  Süddeutsche  Katechismen 
von  1530—1600:  EBayrKG.  11   (1905).  S.  193  ff. 

-)  Eine  bisher  nicht  beachtete  Ausgabe  dieses  Baches 
in  der  Berliner  Kgl.  Bibl.  (Wa  174)  hat  mir  Dr.  Voullieme 
nachgewiesen,  der  sich  auch  sonst  meiner  freundlich  an- 
nahm; vgl.  jetzt  A^ouUiemes  Verzeichnis  der  Inkunabeln  der 
Kgl.  Bibliothek,  Beiheft  30  zum  CBlBibl.  (1906),  No.  1984.  — 
Wenn  Lattmann,  Gesch.  d.  Methodik  d.  latein.  Elementar- 
unterrichts (1896),  S.  16,  'in  keiner  Schulordnung  eine  Stelle 
gefunden  hat,  an  der  es  hätte  stehen  können,  so  ist  das 
.seine  Schuld:  denn  in  der  Ulmer  Schulordnung  (um  1500) 
wird  es  erwähnt,  s.  Joh.  Müller,  Quellenschriften  und  Ge- 
schichte des  deutschsprachlichen  Unterrichts  (1882),  S.  234; 
dort  auch  S.  232  ff.  gute  Angaben  über  das  Buch,  die  nicht 
nur  Lattmann,  sondern  z.  B.  auch  Baebler,  Beiträge  zu  einer 
Gesch.  d.  latein.  Grammatik  im  Mittelalter  (1885),  S.  189  ff. 
übersehen  hat. 

■')  Vgl.  Bauch,  ZVGSchlesien.  39  (1905).  S.  162  f. 

•*)  Alles  Nähere  über  diese  bei  Bömer,  den  ich  nicht 
immer  im  einzelnen  zitiere. 


XX 11  EINLEITUNG. 

hän^igkeitsverhältnis  erschließen  zu  wollen.  Eher  könnten 
uns  die  Namen  der  Schüler  etwas  über  den  Zusammenhang 
zweier  Gesprächsbücher  verraten;  aber  nur  Namen,  die  sonst 
selten  vorkommen:  der  Name  Albinus  etwa,  der  bei  Niavis 
begegnet,  ist  nicht  so  ungewöhnlich,  daß  ihn  Mosellan 
von  diesem  übernommen  haben  müßte;  obendrein  erscheint 
er  in  so  bekannten,  in  der  Paedologia  selbst  zitierten  "Werken 
wie  Ciceros  Cato  maior  (>;  7)  und  Horazens  Ars  poetica 
(Ep.  II,  3,  327);  auch  die  übrigen  Namen,  von  denen  noch  die 
Rede  sein  soll  (s.  u.  S.  XXIX  f.),  geben  uns  keine  Handhabe. 

Wenn  aber  Mosellan  auch  selbst  vielleicht  keins  der 
vorhandenen  Schülergespräche  direkt  benutzt  hat.  so  liegt 
doch  die  Möglichkeit  vor,  daß  er  mittelbar  durch  Poliand-  r 
von  ihnen  Kenntnis  erhielt.  AVir  haben  schon  vernommen, 
daß  dieser  ihm  bei  der  Abfassung  der  Paedologia  geholfen 
hat.  AVie  weit  diese  Hilfe  ging,  ist  freilich  nicht  fest- 
zustellen. Polianders  Schriften,  meist  allerdings  aus  späterer 
Zeit,  tragen  keine  humanistische  Note.  Daß  er  aber  für 
den  Humanismus  ein  ungemein  lebendiges  Interesse  gehabt 
haben  muß,  das  zeigt  seine  Bibliothek^),  in  der  sich  nicht 
nur  zahlreiche  griechische  und  römische  Klassiker,  sondern 
auch  die  Hauj»twerke  des  italienischen  und  des  deutscheu 
Humanismus  befanden.  Gleichwohl  werden  wir  gut  tun, 
Polianders  Einfluß  auf  Mosellans  Paedologia  nicht  zu  über- 
schätzen. 

Gewiß,  Mosellan  hatte  nur  kurze  Zeit  in  einer  Schule 
unterrichtet"-);  aber  wie  es  da  herzugehen  pflegte,  wußte  er 
ganz  gut  aus  eigener  Erfahrung.  Und  er  hatte  auch  die 
Knabenjahre  noch  nicht  so  lange  hinter  sich,  daß  ihm  die 
Regungen  und  Bedürfnisse  der  Kinderseele  schon  verblaßt 


M  Sie  bildet  jetzt  einen  Bestandteil  der  Königsberg^r 
Stadtbibliothek.  Der  1560  angefertigte  hs.  Katalog  befindet 
sich  im  Kgl.  Staatsarchiv  zu  Königsberg,  dessen  Verwaltung 
ihn  mir  in  zuvorkommendster  Weise  zur  Einsicht  nach  Berlin 
sandte.  Wenn  der  Katalog  wirklich  alle  Bücher  verzeichnet, 
die  Poliander  am  Ende  seines  Lebens  (1541)  besessen  hat, 
so  war  damals  die  erste  Ausgabe  der  Paedologia  nicht 
mehr  darunter,  sondern  nur  die  Ausgabe  von  1520. 

')   ^    o    S    VIIT 


EINLEITUNG.  XXIII 

gewesen  wären.  Wie  weh  der  Hunger  tut,  wie  empfindlich 
die  Kälte  den  schlecht  gekleideten  Schüler  berührt,  wie 
peinvoll  der  Geldmaugel  die  Studien  hemmt:  er  hatte  es 
selbst  erfahren.  Lag  es  da  fern,  seine  fingierten  Ge- 
stalten die  gleiche  Erfahrung  machen  zu  lassen?  Und  auch 
heitere  Bilder  uiirden  in  ihm  bei  der  Ausarbeitung  wach: 
wenn  er  den  Knaben  mehrfach  Gespräche  über  die  Wein- 
lese in  den  Mund  legt,  so  sind  dabei  sicherlich  Erinnerungen 
an  die  paar  frohen  Wochen,  die  ihm  das  sonst  so  graue  Jahr 
in  seiner  Jugend  brachte,  maßgebend  gewesen.  Im  einzelnen 
kann  es  zweifelhaft  sein,  ob  Mosellan  manchen  Gedanken, 
den  er  in  der  Paedologia  ausspricht,  schon  als  Schüler  oder 
erst  späterhin  gehegt  hat.  Vor  allem  si)ringen  die  ske- 
ptischen Betrachtungen  über  Gebräuche  und  Mißbräuche 
im  religiösen  Kultus  in  die  Augen.  Reformatorisch,  wie 
man  wohl  gemeint  hat^),  kann  ich  sie  nicht  finden  oder 
doch  nur  insoweit  reformatorisch,  als  der  Humanismus  über- 
haupt reformatorisch  ist.  Die  meisten  Humanisten,  Wimpfe- 
ling,  Mutian,  besonders  Erasmus,  haben  Ähnliches  geäußert. 
Und  hatte  nicht  selbst  Hieronymus  wenigstens  inbezug  auf 
einen  Punkt  freieren  Anschauungen  gehuldigt?  Auch  er 
verwirft,  namentlich  für  die  Jugend,  die  vielen  Fasttage. 
Das  machte  sich  Mosellan  zunutze;  waren  ihm  doch  die 
Hauptschriften  des  Hieronymus  gewiß  seit  der  Trierer 
Schulzeit  bekannt  und  hatte  doch  überdies  sein  vielgeliebter 
Erasmus  ebenfalls  den  Hieronymus  als  Eideshelfer  für  die 
eigene  Kritik  der  Gebrechen  des  Klerus  und  der  Kirche  auf- 
gerufen. 

Einmal  hat  Mosellan  auch  die  Erlebnisse  eines  Freundes 
für  seine  Zwecke  verwertet.  In  Dial.  V  erzählt  Johannes, 
er  habe  diese  hochberühmte  Universität  bezogen,  um  an 
ihr  Griechisch  zu  lernen;  in  der  Schule  habe  der  Lehrer^ 
wenn  im  Text  eines  lateinischen  Schriftstellers  ein  grie- 
chisches Wort  vorkam,  nur  darauf  hingewiesen,  daß  das 
griechisch  sei.  Marcus  führt  den  wü3begierigen  Jüngling 
alsbald    zum   Ludimagister    (Dial.  VI),    der  ihn  nach  seiner 


1)  Massebiau  S.  99;  Bömer  S.  107. 


XXIV  EINLEITUNG. 

Heimat  fragt.  Er  sei  aus  Aub,  lautet  die  Antwürt.  einer 
Stadt  Ostfraukens,  nicht  weit  von  Wür/.burg.  Wie  kam 
Mosellan  grade  auf  Aub?  Nun,  es  ist  Gregorius  Coelius 
Aubanus,  an  den  er  hier  gedacht  hat;  er  hat  es  uns  später 
selbst  gesagt,  daß  er  damit  dem  Frühverblichenen  ein  Ehren- 
zeichen errichten  wollte  M.  Die  laudatissima  academia.  an 
der  durch  die  Munifizenz  des  Fürsten  Vorlesungen  über 
griechische  Sprache  und  Litteratur  gehalten  werden,  ist 
natürlich  Leipzig.  Doch  wie?  War  die  Paedologia  nicht 
für  Schüler  bestimmt?  Ohne  Zweifel;  aber  das  schloß  nicht 
aus.  daß  gelegentlich  auch  von  der  Universität  gesprochen 
wurde.  Man  muß  sich  stets  bewußt  bleiben,  daß  die  Grenze 
zwischen  Universität  und  Lateinschule  damals  nicht  ent- 
fernt so  scharf  gezogen  war  wie  heute. 

Direkte  pädagogische  Belehrung  bietet  die  erste  Aus- 
gabe der  Paedologia  nur  wenig;  der  V^erfasser  ging  offenbar 
von  dem  richtigen  Standjtunkt  aus,  daß  man  den  Knaben 
nicht  durch  aufdringliche  Moralpredigten  den  Geschmack 
an  dem  Buch  verderben  dürfe.  Er  läßt  die  Theorie  über- 
haupt zurücktreten  und  gibt  vielmehr  Ausschnitte  aus  der 
Praxis  des  Schülerlebens.  Gesi)räche  wie  das  fünfte,  das 
sich  um  den  griechischen  Unterricht,  oder  wie  das  neunte, 
das  sich  um  die  Lektüre  des  näch.sten  Semesters  dreht, 
stehen  ziemlich  vereinzelt  da.  Bei  Mosellans  Anschauungen 
über  die  zur  Schullektüre  geeigneten  Autoren  wollen  wir 
einen  Augenblick  verweilen.  Daß  Terenz,  Virgil  und  Cicero^) 
empfohlen  werden,  versteht  sich  von  selbst,    nicht  minder, 


^)  S.  u.  die  Marginalien  zur  Ausgabe  von  1520.  Vgl.  die 
Gedächtnisrede  auf  Greg.  Coelius  Aub.  von  Novenianus  in 
dessen  Declamatiuncula  de  literarum  nostri  tem])oris  con- 
ditione'  (o.  0.  u.  J.  Vorrede  von  152<J.  Neudruck  der  'De- 
clamatio  in  laudem  Gregorii  Coelii  Aubani  habita  a.  Ph.No- 
veniano'  von  J.  F.  Koehler,  1812).  El.  4  des  Originals  wird 
auch  Mosellan  gepriesen,  während  sein  Verhältnis  zu  No- 
venian.  als  diese  Rede  erschien,  in  der  Tat  sehr  ges]>annt 
war.  s.  Geß,  Akten  und  Briefe  S.  174  f.  Wustmann,  Aus 
Leipzigs  Vergangenheit  N.  F.  (1898),  S.  10  f. 

-)  Über  die  Wertschätzung  der  Officia  vgl.  Eckstein,  Latei- 
nischer u.  griechischer  Unterricht  (18S7),  S.  2Glf.  Zielinski, 
Cicero  im  Wandel  der  Jhh.  (1897).  S.  92. 


EINLEITUNG.  XXV 

daß  ein  Erasmusverehrer  wie  Mosellan  nachdrücklich  auf 
das'Enchiridion  militis  Christian!'  hinweist.  Für  Prudentius, 
den  Favoritpoeten  der  Schule  des  Mittelalters,  hatte  Mo- 
sellan eine  besondere  Vorliebe;  er  mag,  als  er  die  Paedologia 
schrieb,  schon  an  der  Ausgabe  des  Cathemerinon  gearbeitet 
haben,  die  er  1522  erschienen  ließ.  Unhumanistisch  ist  diese 
Vorliebe  für  einen  altchristlichen  Dichter  durchaus  nicht; 
aber  es  ist  allerdings  mehr  die  erste  Humanistengeneratiou, 
die  sie  teilt.  Mit  dieser  stimmt  Mosellan  auch  überein, 
wenn  er  Catull,  Tibull  und  Martial  aus  der  Schule  ver- 
bannt^). Just  mit  diesem  Verdikt  hat  er  Anstoß  erregt: 
gleich  nach  Erscheinen  der  Paedologia  brach  Hegendorphinus, 
ohne  Mosellan  zu  nennen,  doch  unverkennbar  auf  ihn  hin- 
zielend, eine  Lanze  für  die  Elegiker-).  Hegendorphinus  war, 
wie  noch  zu  erwähnen  sein  wird,  nicht  frei  von  Animosität 
gegen  Mosellan.  Aber  es  ist  unzweifelhaft,  daß  er  in  dieser 
Frage  moderner  dachte.  Sturm  z.  B.  ließ  wenigstens  die 
'carmina  pudica'  von  Catull  und  Tibull  in  der  Schule  lesen  ■^), 
auch  Melanchthon*)  war  im  Gegensatz  zu  Luther •'')  nicht 
prinzipiell  dagegen.  In  der  Ablehnung  des  Apuleius  wegen 
seines  angeblich  'afrikanischen  Lateins  sind  sich  alle  Hu- 
manisten einigt),  während  die  geschmacklos  aufgejmtzte 
Weisheit  des  Martianus  Capeila,  die  so  recht  nach  dem 
Herzen  des  medii  aevi  gewesen  war,    noch   zu  Anfang  des 


')  Kaemmel,  Gesch.  d.  deutsch.  Schulwesens  im  Über- 
gang vom  Mittelalter  zur  Neuzeit  (1882),  S.374.  Eckstein 
S.  71. 

-)  Im  Nachwort  zu  seiner  Ausgabe  von  Huttens  Sticho- 
logia  (o.  0.  u.  J.  [Oktob.  1518]  Bl.  C  2b,  3a);  vgl.  Günther, 
Plautuserneuerungen.     Leipziger  Diss.  1886,  S.  73. 

'')  Kückelhahn,  Sturm  (1S72),  S.  102. 

^)  Hartfelder.  Melanchthon  als  Praeceptor  Germaniae 
(1889),  S.  228. 

'")  Tischreden  ed.  Förstemann-Bindseil  4,  S.  600. 

6)  Hartfelder  S.  228.  345.  Norden,  Antike  Kunstprosa 
(1898)  2,  S.  590  ff.,  600  ff .  Erasmus  war  aber  doch  kein  so 
heftiger  Gegner  des  Apuleius.  wie  es  nach  Norden  scheinen 
könnte;  er  hebt  ihn  z.  B.  De  dupl.  copia  1,  c.  9  als  einen 
der  boni  auctores  hervor,  qui  copia  praecelluerunt. 


XXVI  EINLEITUNG. 

IG.  Jahrhunderts    auch    unter    den   humanistisch  Gesinnten 
manchen  Verteidiger  fand^). 

Meist  unterhalten  sich  die  Schüler  von  Dingen,  die  sie 
auiierhalb  der  Schule  treiben.  Was  den  Schüler  erfreut 
und  was  ihn  bedrückt,  kommt  zur  Sprache.  Alle  Ereignisse, 
die  den  eintönigen  Trott  des  Schullebens  unterbrochen, 
werden  verhandelt.  Eine  Hochzeit,  ein  Begräbnis,  eine 
Fleischverteilung,  ein  Freibad  —  so  wichtige  Dinge  kann 
man  nicht  mit  Stillschweigen  übergehen.  Oder  gar  eine 
Vorstellung  von  Seiltänzern,  ein  Turnier  im  Zirkus,  eine 
Aufführung:  der  Passion!  Ganz  besonders  aber  sind  es  die 
Kirchen-  und  Schulfeste,  an  die  Mosellan  seine  Dialoge  an- 
knöpft-). Da  hören  wir  von  Weihnachten  und  Ostern,  von 
Lichtmeß,  Fastnacht  und  Fronleichnam.  Am  Vorabend  des 
Martinsfestes  erhält  man  Geschenke  und  kann  wacker 
schmausen:  aber  ists  nicht  Sünde,  am  Tag  vor  dem  Fest 
der  hl.  Katharina  in  aller  Seelenruhe  sein  Frühstück  zu 
verzehren?  Oder  stehts  hiermit  etwa  wie  mit  den  Wachs- 
kerzen beim  Fest  der  Mutter  Gottes:  daß  man  schließlich 
auch  ohne  diese  nützlichen  Ritualien  das  ewige  Heil  erlangen 
kann?  Aber  diese  Feste,  so  erfreulich  sie  sind,  haben  doch 
auch  ihre  Schattenseiten;  so  muß  man  vor  dem  Gregorsfest, 
an    dem    neue   Schüler   aufijenommen  werden,    zur  Beichte 


M  Bauch,  Univ.  Erfurt  (1004),  S.  193. 

-)  'Wer  alle  Schulbräuche  der  Vorzeit,  die  Feste  und 
Freuden  der  Kinder,  aber  auch  die  für  sie  bereit  gehaltenen 
Strafen  sammeln  wollte,  könnte  ein  anziehendes  Buch  davon 
schreiben':  Jacob  Grimm,  Kleinere  Schriften  1  (1864),  S.  226. 
f>in  kleiner  Versuch  dazu  von  F.  Falk,  Die  Schul-  und 
Kinderfeste  im  Mittelalter  (1880).  Vielerlei  findet  man  in 
Wetzer- Weites  Kirchenlexikon  (s.  v.  Feste  und  unter  den 
einzelnen  Heiligen),  auch  in  Herzog- Haucks  Protestan- 
tischer Realenzyklopädie.  Ergiebige  zeitgenössische  Quelle: 
J.  Bohemus,  Omnium  gentium  mores  (lö-'O  u.  ö.),  vgl.  Erich 
Schmidt,  Deutsche  Volkskunde  im  Zeitalter  des  Humanismus 
(1004),  S.  68  ff.  S.  97  ff.  Gute  Nachweise  bei  Bömer  S.  101  ff., 
die  ich  nicht  alle  wiederhole.  Hier  sei  noch  auf  Pfannen- 
schmid.  Germanische  Emtefe.ste  (1S78)  verwiesen  (S.  193  ff. 
ausführlich  über  das  Martinsfest).  Spezialliteratur  in  den 
Anmerkungen. 


EINLEITUNG.  XXVI 1 

gehen,  was  immerhin  peinlich  ist;  und  in  manchem  Betracht 
hätten  sich  die  Heiligen,  deren  Feste  man  feiert,  noch  ein 
bißchen  mehr  der  Schüler  annehmen  können:  das  Nicolaus- 
fest, bei  dem  man  einen  Knaben  zum  Bischof  wählt,  ist  ja 
ganz  schön;  aber  daß  dieser  Auserwählte  nur  gut  zu  essen 
bekommt  und  ihm  nicht  einmal  die  Schularbeiten  erlassen 
werden,  das  macht  doch  diese  Scheinwürde  eigentlich  nicht 
sehr  begehrenswert  .  .  .  Auch  in  diese  Gespräche  spielen 
sicher  eigene  Erlebnisse  und  Erfahrungen  hinein;  am  Martins- 
fest, das  damals  wie  heut  gerade  in  rheinischen  Gegenden 
mit  besonderem  Anteil  gefeiert  wnrde,  wird  Mosellan  selbst 
als  Junge  durch  die  Straßen  gestapft  sein  und  sein  Liedchen 
gesungen  haben.  Ferner  ist  ein  gewisses  Achten  auf  volks- 
tümliche Gebräuche  bemerkenswert,  wie  wir  es  bei  einem 
Teile  der  Humanisten  nicht  selten  finden.  Allerdings:  der 
Hauptgrund,  weshalb  Mosellan  diese  Dinge  behandelt,  ist 
offenbar  der,  daß  sie  ihm  für  seinen  Zweck  guten  Unter- 
haltungsstoff boten. 

Er  muß  später,  als  die  Paedologia  schon  mehrfach  ge- 
druckt war,  selbst  gefühlt  haben,  daß  darin  von  Festen  und 
Spielen  fast  zu  viel  die  Eede  sei  und  das  absichtlich  zurück- 
gedrängte lehrhafte  Element  immerhin  etwas  stärker  hervor- 
treten könne.  Er  fügte  infolgedessen  in  der  Ausgabe  von  1520 
außer  einer  Reihe  von  Marginalien  zwei  neue  Gespräche 
hinzu.  Das  eine  enthält  "Warnungen  vor  dem  papageien- 
mäßigen Auswendiglernen  unverstandener  Redensarten^); 
auch  das  bloße  Erfassen  des  Inhalts  der  antiken  Schrift- 
steller sei  noch  nicht  genug,  man  müsse  sie  nachahmen 
in  Wort  und  Tat.  Es  ist  die  vielberühmte  Lehre  von  der 
wahren  imitatio-)  —  die  falsche  hatte  er  in  der  Vorrede 
ausdrücklich  bekämpft  — ,  die  Mosellan  hier  verkündet. 
Ihr  Urheber  ist  Quintilian-*).  dessen  Einfluß  auf  den  Hu- 
manismus überhaupt  nicht  leicht  überschätzt  werden  kann*). 


•)  Ähnlich  'De  linguarum  cognitione  paranda  oratione'. 
Basler  Ausg.  1519,  S.  46. 

2)  Über  diese  vgl.  Laas,    Sturm  S.  64  ff .  68  ff . 

^)  Inst,  orator.  10,  cap.  2. 

^)  Vgl.  die  ungemein  instruktive  Arbeit  von  Messer, 
Quintilian    als   Didaktiker    und   sein  Einfluß   auf   die    dida- 


XXVIII  EINLEITUNG. 

Seit  den  Tagen  Petrarcas^)  begegnet  uns  die  Lehre  von 
der  iniitatio  wieder  und  wieder.  Ähnlich  wie  MoscUan,  doch 
weit  ausführlicher  und  systematischer  hat  sie  dann  Sturm 
behandelt  und  ihr  einen  gewissen  Abschluß  gegeben-). 
Sehr  bezeichnend,  daß  grade  dieser  Dialog  Mosellans  später- 
hin in  ein  jiädagogisches  Sammelwerk  aufgenommen  wurde'). 
Das  zweite  Gespräch  beschäftigt  sich  mit  den  Univer- 
sitäten. Ein  Scholar  fragt  den  Ludimagister.  welche  Hoch- 
schule er  ihm  empfehlen  würde.  Dieser  nennt  Leipzig  und 
Wittenberg,  auch  Erfurt  und  Basel  seien  nicht  zu  verachten. 
Vor  allem  aber  ])reist  er  das  Collegium  trilingue  in  Löwen, 
das  keinen  Geringeren  als  Erasmus  zu  seinen  Lehrern  zähle*). 
Endlich  weist  er  noch  auf  das  große  Projekt  des  Kardinals 
Albrecht  hin:  wenn  dies  zur  Ausführung  gelangt  sei,  dann 
werde  Mainz  selbst  das  Ausland  anlocken;  offenbar  eine 
Anspielung  auf  die  längst  geplante  humanistische  Bildungs- 
anstalt  in  Mainz,  deren  Begründung  im  Herbst  1519  eifriger 
denn  je  betrieben  wurde').  —  Also  noch  1520  konnte  die 
Universität  Wittenberg  von  einem  Leipziger  Professor  emp- 

ktisch-pädagogische  Theorie  des  Humanismus:  NJbbPhP.  156 
(1S97).  S.  161  ff.  27.3 ff.  321  ff.  364  ff.  401»  ff .  457  ff.  Auch 
Mosellan,  der  Aunotationes  zu  Quintilian  verfaßt  hat,  wei.st 
an  mehreren  Stellen  der  Paedologia  eigens  auf  ihn  hin. 
Es  ist  ferner  für  die  ge.samte  Gattung  gewiß  nicht  be- 
deutungslos gewesen,  daß  Quintilian  (1,  c.  3.  11.  10,  c.  5.  15) 
den  Dialog  als  ])ädagogisches  Hilfsmittel  empfiehlt. 

')  Norden,  Antike  Kunstprosa  2,  S.  768.  773  ff.  Hart- 
felder. Melanchthon  als  Praeceptor  Germaniae  S.  227  f.  342  ff. 

-)  Laas  a.  a.  0. 

^)  Libellus  de  civilitate  morum  puerilium  Des.  Erasmi  .  .  . 
Francof^  a.  M.  1572.  Bl.  6Sa— 70.     (Dresden  K.) 

*)  Vgl.  Nfeve.  La  renaissance  des  lettres  et  lessor  de 
Terudition  ancienne  en  Belgifjue  (1S90),  S.  63,  der  sich  diese 
Stelle  nicht  entgehen  ließ;  ferner  Reich.  AVZ.  Ergänzungs- 
heft 9  (1^96),   S.  236. 

*)  'Ulrychus  Huttenus  principis  sui  sumtibus  Mogimtiae 
trium  linguarum  scholam  adornat ,  schreih)t  Mosellan  am 
6.  Dez.  1519  an  J.  v.  Pflug;  ein  Teil  dieses  umfangreichen, 
wichtigen  Briefs  in  Böckings  Huttenausgabe  1.  S.  316,  der 
ganze  bei  Schilter,  De  libertate  ecclesiarum  Germaniae  (1683), 
S.  84<iff.  (Exemplar  in  Göttingen).  Vgl.  noch  Strauß,  Hütten* 
(1S95).  S.  73.  262. 


EINLEITUNG.  XXIX 

fohlen  werden ;  zwei  Jahre  darauf  erließ  der  Herzog  sein 
bekanntes  Verbot  (s.  o.  S.  XIV).  Gleichwohl  ist  diese  Stelle 
in  den  späteren  zu  Leipzig  gedruckten  Ausgaben  der  Paedo- 
logia  ebensowenig  getilgt  wie  die  über  Erasmus,  der  1521 
Löwen  verlassen  hatte,  und  die  über  das  Projekt  Albrechts 
von  Mainz,  das  abermals  ins  Wasser  gefallen  war. 

Daß  dieser  neue  Dialog  den  Schluß  der  Paedologia 
bildet,  ist  nur  sinngemäß,  da  er  ja  den  Übergang  zur  L'ni- 
versität  vermitteln  sollte.  Den  andern  neuen  Dialog  hat 
Mosellan  zweckentsprechend  hinter  den  neunten  gestellt: 
hatte  dieser  davon  gehandelt,  was  für  Schriftsteller  in  der 
Schule  gelesen  werden,  so  handelt  jener  davon,  wie  und 
wozu  sie  gelesen  werden.  Im  übrigen  ist  die  Anordnung 
der  ersten  Dialoge  ziemlich  willkürlich.  Störend  empfindet 
man,  daß  die  für  Studenten  bestimmten  Dialoge  V  und  VI 
so  unvermittelt  zwischen  die  eigentlichen  Schülerdialoge 
geklemmt  sind.  XI  'spielt'  am  Donnerstag,  XVI  am  Freitag, 
XVII  am  Sonnabend.  Von  XVIII  an  hat  Mosellan  die  Ge- 
spräche nach  den  Daten  der  Feste,  über  die  sich  die  Schüler 
unterhalten,  aufeinander  folgen  lassen :  so  werden  wir  vom 
11.  Xovember  (Martinsfest,  XVIII)  bis  zum  25.  Mai  (L^bans- 
fest,  XXXIV)  geführt;  diese  Reihefolge  wird  durch  drei 
Dialoge  unterbrochen,  in  denen  von  Festen  nicht  die  Rede 
ist  (XX.  XXII.  xxm). 

Den  Versuch,  die  Dialoge  untereinander  zu  verbinden, 
hat  Mosellan  nur  zweimal  gemacht  (III  und  IV,  V  und  VI) ; 
im  übrigen  handelt  es  sich  in  verschiedenen  Dialogen  immer 
um  verschiedene  Schüler,  auch  wenn  sie  dieselben  Namen 
tragen;  das  geschieht  aber  nur  selten,  denn  im  Gegensatz 
zu  früheren  Schülergesprächen  finden  wir  in  der  Paedologia 
bis  auf  wenige  Ausnahmen  in  jedem  Dialog  neue  Personen- 
namen. Die  meisten  sind  Heiligennamen;  bisweilen  hat 
Mosellan  zwei  im  Kalender  neben-  oder  hintereinander- 
stehende  Namen  für  denselben  Dialog  verwendet.  Einige 
Namen  stammen  aus  dem  klassischen  Altertum,  andere  aus 
der  neulateinischen  Litteratur ').      Eine    innere    Beziehung 


')  Petrucius  z.  ß.  könnte  aus  Wimpfelings  Stylpho  oder 
aus  Reuchlins  Henno  stammen.. 


XXX  EINLEITUNG. 

der  Xamen  zu  den  Gesprächs})ersonen  ist  in  der  Rep:el  nicht 
gesucht;  so  haben  /..  B.  Lucan  und  Statins  (XXI)  mit  ihren 
römischen  Namensvettern  nichts  gemein;  aber  mitunter  ist 
der  Name  doch  so  gewählt,  daß  an  ihn  in  der  Unterhaltung 
angeknüpft  werden  kann  (S.U.  15  ff.  S.  13, 17  ff.).  AVenn  in 
dem  1520  hin/ugefügteu  Dialog  X  der  eine  Schüler,  der 
dem  andern  in  superiorem  Tone  gute  Lehren  gibt,  Phaedrus 
heißt,  so  ist  dabei  vermutlich  an  niemand  anders  zu  denken, 
als  an  Mosellan  selbst,  dessen  plebejisches  Petrus  von 
Mutian')  in  das  vornehmere  Phaedrus  verwandelt  worden 
war. 

Autfallend  ist  in  diesem  Dialog  die  direkte  Charakteristik 
et  aetate  et  eruditione  maior',  also  nach  Art  einer  Szenar- 
bemerkung;  im  übrigen  charakterisieren  sich  die  Schüler 
durch  das,  was  sie  sagen,  gelegentlich  aber  auch  durch 
das.  was  sie  tun  oder  nicht  tun  (XIX.  XIV).  Indivi- 
dualisierende Tendenzen  verfolgt  Mosellan  nicht;  seine 
Schüler  sind  Typen:  der  eine  faul,  der  andere  fleißig,  der 
eine  gläubig,  der  andere  skeptisch,  der  eine  gedächtnisstark, 
der  andere  gedächtnisschwach.  Damit  hängt  denn  auch  zu- 
sammen, daß  weder  plötzlich  noch  allmählich  eine  Peripetie 
in  dem  Charakter  eintreten  kann  und  daß  bei  den  eigent- 
lichen Streitgesprächen  der  eine  den  andern  niemals  über- 
zeugt, nur  selten  überredet  (XV).  Aber  die  meisten  Ge- 
spräche sind  auch  gar  keine  Streitgespräche;  der  gewöhnliche 
Verlauf  eines  Gespräches  ist  vielmehr  so,  daß  sich  A  von  B 
über  irgend  etwas  aufklären  läßt,  das  er  nun  seinerseits  billigt 
oder  nicht  billigt. 

Die  Dialoge  beginnen  in  der  Mehrzahl  der  Fälle  mit 
einer  kurzen,  direkten  Frage  des  einen  Schülers,  auf  die 
dann  der  andere  meist  ebenso  kurz  antwortet.  Gelegentlich 
setzt  der  er.ste  eine  nähere  Ausführung  der  eigenen  Frage 
in  einem  Hauptsatz  hinzu.  Diese  Art  der  Eröffnungsform 
dts  Gesprächs  wird  bei  einer  Reihe  von  Dialogen  abgelöst 
durch  eine  andere,  bei  welcher  der  er.ste  Schüler  in  einem 


')  Briefwechsel  des  Mutianus  Rufus  ed.  Krause  (1885), 
609.     Zur  Datierung  vgl.  Geß,  NASächsG.  16,  S.  57. 


EINLEITUNG.  XXXI 

Ausrufungssatz  etwas  behauptet,  was  der  zweite  genauer  zu 
wissen  wünscht.  Manchmal  wird  die  Unterhaltung  durch  ein 
bloßes  Salve'  eingeleitet.—  Die  Dialoge  schließen  nicht  selten 
ohne  besondere  Formel:  der  Gegenstand  ist  erledigt,  das 
Gespräch  bricht  ab.  Einige  Male  s})richt  A  zum  Schluß 
eine  Bitte  aus,  die  B  zu  erfüllen  verheißt;  auch  ein  wunsch- 
artiger Ausruf  oder  ein  Vale"  wird  ans  Ende  gestellt.  Bei 
Schlußwendungen  wie  'Eamus  ergo'  darf  man  den  Einfluß 
des  Dramas  annehmen,  wo  es  sich  ja  häufig  darum  handelt, 
durch  das  Abgehen  der  Personen  am  Ende  der  einen  Szene 
die  Bühne  für  die  nächste  frei  zu  machen.  Besonders  gut 
motiviert  ist  der  Schluß  des  Dialogs  X  von  1520 :  Johannes 
hat  die  Uhr  schlagen  hören,  nun  kann  er  sich  nicht  länger 
unterhalten,  er  muß  in  die  Schule  eilen.')  Sonst  aber  stehen 
grade  die  beiden  neuen  Dialoge  nicht  auf  der  Höhe,  da 
sie  zu  lange  Einzelreden  enthalten,  während  sich  bei  den 
übrigen  Rede  und  Gegenrede  ungefähr  entsprechen;  doch 
begegnen  auch  hier  schon  mitunter  (z.  B.  in  V)  längere 
Auseinandersetzungen  in  nichtdialogischer  Form. 

Das  Gespräch  entwickelt  sich  in  der  Regel  zwischen 
zwei  Personen.  Ausnahmsweise  hat  Mosellan  eine  dritte 
hinzugefügt  in  den  Dialogen  IV,  VI  und  (1520)  XXXVII. 
In  allen  diesen  aber  entspinnt  sich  die  Konversation  nicht 
zwischen  den  dreien,  sondern  der  dritte  tritt  nur  zu  Anf ang- 
in Aktion  und  scheidet  im  weiteren  Verlauf  völlig  aus.  Ein 
Beispiel  mag  genügen.  Im  Dial.  IV  klopft  Petrus  an  die 
Tür  des  Ludimagisters ;  Pandulus  kommt  heraus  und -fragt, 
ob  er  den  Ludimagister  zu  sprechen  wünsche.  Als  Petrus 
dies  bejaht,  bittet  Pandulus  ihn  ein  bißchen  zu  warten,  er 
wolle  hineingehen,  um  zu  hören,  ob  der  Ludimagister  Zeit 
habe  ihn  zu  empfangen;  er  wendet  sich  dann  an  den  Ludi- 
magister, der  durch  ein  barsches  'Weshalb  ist  er  denn  noch 
nicht  da?'  seine  Bereitwilligkeit  zu  erkennen  gibt.  Das 
folgende  'lam,  iam  aderit  ist  so  zu  interpretieren,  daß 
Pandulus  während  dieser  Worte  die  Tür  öffnet  und  den 
verschüchterten  Petrus  hereinwinkt. 


')  Ähnlich  schon  XIV. 


XXXII  EINLEITUNG. 

Ebenso  wie  dieser  Dial.  IV  spielt'  auch  Dial.  XXX VII 
an  zwei  verschiedenen  Orten:  vor  der  Tür  des  Ludi- 
niagisters  und  in  seinem  Zimmer.  Bühnenmäßig::  ist  das 
nicht;  oder  doch  nur,  wenn  die  Bühne  der  Tiefe  nach  durch 
eine  Wand  geteilt  wird,  was  selbst  bei  der  Aufführung 
eines  wirklichen  Schuldramas  in  der  ersten  Hälfte  des 
16.  Jahrhunderts  sicherlich  niemals  vorgekommen  ist.  An 
eine  szenische  Darstellung  hat  aber  Mosellan  auch  gar  nicht 
gedacht.  Die  Staffage  seiner  Dialoge  ist  meist  ganz  un- 
bestimmt; eine  Ausnahme  machen  neben  den  eben  be- 
handelten C«esi»rächcn  die  Dialoge  XI  und  XIV,  als  deren 
Schauplatz  wir  uns  das  Schlafzimmer  der  Schüler  zu  denken 
haben. 

Da  Piaton  in  der  Paedologia  mehrfach  genannt  wird, 
könnte  man  meinen,  dessen  Dialogtechnik  habe  sich  Mosellan 
zunutze  gemacht.  Es  ist  nicht  der  Fall.  Das  dialektische 
Element,  die  Hauptsache  bei  Piaton,  tritt  ja  bei  Mosellan 
ganz  in  den  Hintergrund.  Vielmehr  hat  er  sich  neben 
Terenz  am  meisten  an  Lukian  geschult.  Piatons  Dialog- 
technik, die  man  nicht  immer  so  kritiklos  adorieren  sollte, 
scheint  trotz  gelegentlichen  Anklängen  bei  Hütten  über- 
haupt erst  sj^äter  zu  wirken^).  Lukian  aber  —  sonst  alles 
andere  als  ein  Klassiker,  doch  der  Klassiker  des  Dialogs  — 
hat  das  Muster  für  die  meisten  humanistischen  Dialoge 
geliefert-).  Wir  werden  ihn  um  so  eher  als  Mosellans  Vor- 
bild ansehen  können,  als  dieser,  wie  wir  uns  erinnern,  zwei 
Dialoge  Lukians  ins  Lateinische  übersetzt  hat:  und  das 
geschah  fast  zu  derselben  Zeit,  als  er  die  Paedologia  unter 
der  Feder  hatte.  Damit  soll  nicht  gesagt  sein,  daß  Mosellan 
auch  nur  den  Versuch  gemacht  hat,  lukianische  Gespräche 
wirklich  nachzubilden:  lediglich  ein  paar  Kunstgriffe  hat 
er  dem  Meister  abgeguckt. 


M  z.  B.  auf  Galileis  Discorsi,  s.  Wundt.  Logik-  2.  1.  S.382. 

-)  Vgl.  jetzt  Xiemann.  Dialoglitteratur  der  Reformations- 
zeit (1005),  S.  19  ff.  Über  X^iernanns  fleißiges,  doch  nicht 
recht  ausgegorenes  Buch  wäre  viel  zu  sagen;  ich  kann  hier 
nur  darauf  hinweisen,  daß  er  die  Bedeutung  der  Schüler- 
_•  -jiräfhe  (S.  11)  ganz  gewaltig  unterschätzt  hat,  wodurch 
er  ^lann  (S.  15)  mit  sich  selb.st  in  "Widerspruch  geraten  ist. 


EINLEITUNG.  XXXIII 

Die  Sprache  der  Paedologia  zeigt  ein  buntes  Durch- 
einander von  Vorklassischem,  Klassischem  und  Nach- 
klassischem. Den  Wortschatz  bestreitet  in  erster  Reihe 
Cicero,  aus  dessen  Werken  sich  Mosellan  eine  Phrasen- 
sammlung angelegt  hatte  ^),  in  zweiter  Terenz ;  aber  auch 
Plautus,  Quintiliau,  Plinius,  Aulus  Gellius,  IMacrobius,  Pru- 
dentius  haben  beigesteuert,  ferner  Virgil  und  dessen 
Kommentator  Servius;  ein  paar  Ausdrücke  mögen  von 
Büeronymus  stammen.  80  kann  man  hier  wie  bei  den 
meisten  neulateinischen  Werken  Goethes  'Jedem  Worte 
klingt  Der  Ursprung  nach  wo  es  sich  her  bedingt'  an- 
wenden, wenn  auch  in  anderm  als  dem  ursprünglichen 
Sinne.  Der  Zweck  des  Buchs  tritt  bei  der  Betrachtung  der 
Diktion  wieder  besonders  deutlich  hervor:  alles  zielt  darauf 
hin,  den  Vokabelschatz  der  Schüler  zu  bereichern.  Die  nicht 
immer  einwandfreie  Syntax  ist  vornehmlich  an  den  Komikern 
und  an  Ciceros  Briefen  gebildet.  Gern  schiebt  Mosellan  die 
Verba  sentiendi  et  declarandi  parenthetisch  ein  oder  setzt 
sie  parataktisch  nach.  Daß  bei  direkten  Fragen  oft  die 
Fragepartikeln  fehlen,  darf  nicht  auffallen:  derlei  ist  bei 
Plautus  und  Terenz  nichts  Ungewöhnliches  und  begegnet 
selbst  bei  Cicero.  Das  Gleiche  ist  bei  der  Anknüpfung  des 
dritten  Satzgliedes  durch  et  der  Fall.  Dem  aufmerksamen 
Leser  wird  nicht  entgehen,  daß  Mosellan  mitunter  ähnlich 
klingende  Wörter  von  sehr  verschiedener  Bedeutung  neben- 
einanderstellt oder  sich  in  geringem  Abstände  folgen  läßt 
(S.  17,  19.  28.  18,  19.  20.  u.  ö.).  Unzweifelhaft  sind  diese 
Wortspiele,  die  ja  auch  Cicero  liebte,  beabsichtigt,  aber  ihr 
Grund  ist  weniger  ein  stilistischer  als  ein  didaktischer:  die 
Schüler  soUten  diese  nur  scheinbar  gleichartigen  Wörter 
unterscheiden  lernen;  sie  dazu  anzuleiten  war  die  Aufgabe 
des  Lehrers. 

2.  Benutzung  und  Wirkung. 

Es  ist  nicht  ganz  leicht,  sich  von  der  Art,  wie  die 
Paedologia  in  der  Schule  benutzt  wurde,   eine  zutreffende 


1)  Schmidt,  Mosellanus  S,  76  f. 
Lat.  Litteraturdenkm.  18. 


XXX IV  EINLEITUNG. 

Vorstellung  zu  machan ').  Die  Unterrichtsmethoden  der 
älteren  Zeit  sind  noch  wenig  erforscht.  Vorausgeschickt 
sei  die  prinzipielle  Bemerkung,  daß  im  folgenden  immer 
nur  von  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts  und  immer 
nur  allgemein,  ohne  Rücksicht  auf  landschaftliche  oder 
städtische  Besonderheiten,  gesprochen  wird.  Das  IC».  Jahr- 
hundert ist  so  wenig  wie  jedes  andere  eine  P]inheit;  die 
Schulgeschichte,  aber  auch  die  I^itteraturgeschichte  hat 
schwer  darunter  zu  leiden,  wenn  man,  wie  es  häufig  ge- 
schieht, das  erste  Gebot  des  Historikers  —  du  sollst  die 
Chronologie  nicht  mißachten  I  —  skrupellos  verletzt  und 
Zustände  einer  späteren,  materiell  und  ideell  veränderten 
E[>oche  auf  eine  frühere  überträgt. 

Die  Paedologia  wurde,  nach  den  Schulordnungen  (s.  u.) 
zu  urteilen,  meist  in  der  zweituntersten  Klasse  gelesen. 
Von  ihr  heißt  es  gewöhnlich:  sie  soll  'exponiert'  werden. 
Dieser  (auch  sonst  keineswegs  seltene)  Ausdruck-)  begegnet 
in  den  Schulordnungen  auf  Schritt  und  Tritt;  bereits  in 
der  Ordnung  für  St.  Stejihan  in  Wien  (1460)  ist  von  Knaben 
die  Rede,  welche  latein  exponirn"').  Was  bedeutet  ex- 
ponieren'? Ich  weiß  nicht,  wann  das  Wort  zum  ersten  Mal 
als  pädagogischer  Kunstausdruck  vorkommt.  Bei  Quintilian 
heißt  exponere  etwa  dasselbe  wie  narrare.  Eine  Definition 
des  Cornificius*)  könnte  uns  weiter  helfen,  wenn  sie  nicht 
gröblich  gegen  die  elementar.sten  Regeln  der  Logik  ver- 
stieße. Die  Wörterbücher,  alte  wie  neue,  versagen,  wenigstens 
für  unsern  Zweck,  dem  mit  allgemeinen  Wendungen  wie 
auslegen,  erklären'  nicht  gedient  ist.  Also  nochmals,  was 
bedeutet   exponieren?     Keinesfalls    aus  der  Muttersprache 


')  Daß  die  Paedologia  auch  im  üniversitätsunterricht 
Verwendung  fand,  ist  mir  sehr  wahrscheinlich;  aber  be- 
stimmte Nachrichten  darüber  habe  ich  vergeblich  gesucht. 

'^)  f>  kommt  auch  in  der  Paedologia  vor:  S.  15,  22.  31; 
46,  5. 

•'')  Vor-  und  frühreformatorische  Schulordnungen  ed. 
Johannes  Müller  =  Sammlung  selten  gewordener  pädagog. 
Schriften  12.  13.  Zschopau  18S5y  6. 1,  S.  75  (abgekürzt  VFSch.). 

*)  Zitiert  bei  Volkmann,  Rhetorik  der  Griechen  und 
Römer  2  (18S5),  S.  173. 


EINLEITUNG.  XXXV 

in  die  fremde'  übersetzen').  Aber  auch  nicht  ohne  weiteres 
aus  dem  Lateinischen  ins  Deutsche  übersetzen-).  Zwar 
darf  man  aus  der  in  den  Schulordnungen  oft  wiederholten 
Forderung,  von  Lehrern  und  Schülern  solle  nur  lateinisch 
gesprochen  werden^),  nicht  den  Schluß  ziehen,  daß  die 
Muttersprache  aus  der  Humanistenschule  völlig  verbannt 
gewesen  sei;  beim  Unterricht  selbst  durfte  sie  ohne  Zweifel 
in  gewissem  Umfang  herangezogen  werden^);  es  fragt  sich 
nur:  in  welchem  Umfang'.'  In  größerem  allem  Anschein 
nach  lediglich  auf  der  Unterstufe.  Abcschützen  wird  man 
jedoch  im  allgemeinen '^)  die  Paedologia  nicht  vorgelegt 
haben;  es  kommen  vielmehr  Schüler  in  Frage,  die  bereits 
geläufig  lesen  und  schreiben  konnten  und  so  viel  Lateinisch 
verstanden,  daß  ihnen  ein  einfacher  Satz  keine  unüber- 
windlichen Schwierigkeiten  machte.  Und  wenn  auch  — 
darauf  kam  es  nicht  an.  Denn  einmal  nahm  zunächst  nicht 
der  Schüler  das  Wort,  sondern  der  Lehrer;  der  Schüler 
wiederholte  nur,  was  der  Lehrer  vorsprach,  woraus  sich 
denn  die  im  IG.  Jahrhundert  übliche  Klage  über  das 
papageienmäßige  Nachplappern  sehr  wohl  erklärt.  Sodann 
aber  wurde  eben  nicht  ins  Deutsche  übersetzt,  sondern 
mit  lateinischen  Worten  umschrieben'^).  Das  geht 
deutlich  genug  aus  folgender  Bemerkung  der  Braun- 
schweiger Schulordnung  von  1528  hervor''):  'Id  schadet 
ock    nicht,    dat  me  se  up  etlike  tidt  examinire  unde  höre, 


')  So  U.  Ernst,  Gesch.  d.  Zürcherischen  Schulwesens 
(1879),  S.  99. 

-)  Lattmann  (s.  o.  S.  XXI.  Anm.  2)  S.  24.     26. 

3)  Vgl.  z.  B.  VFSch.  1,  S.  115.  130.  140.  Mertz,  Schul- 
wesen der  deutschen  Reformation  S.  281.   465.  469.  479  etc. 

•*)  Vgl.  VFSch.  1,  S.  147f.  171.  181;  2,  S.  216  ff.  221.  225. 
Knepper,  Schul-  und  Unterrichtswesen  im  Elsaß  (1905), 
S.  30Sff.    369  ff. 

^)  Doch  vgl.  unten  S.  XXXVIII  die  Bestimmung  der 
Eislebener  Schulordnung, 

^)  Vgl.  auch  J.  Müller,  Quellenschriften  n.  Gesch.  d. 
deutschsprachl.  Unterrichts  (1882),  S.  200  ff.  221  ff.  Specht, 
Gesch.  d.  Unterrichtswesens  (1885),  S.  102. 

'^)  Koldewey,  Braunschweigische  Schulordnungen  1  (1886), 
S.  33. 


c- 


XXXVI  EINLEITUNG. 

WO  se  düdesch  reden,  dat  so  nicht  dat  eyme  int  andere 
werpen  ünde  unvorstendich  sententien  reden  etc.  Dat  kan 
me  wol  dohn,  wen  se  muten  latinische  sententien  ex- 
poneren'.  'Id  schadet  ock  nicht'  und  up  etlike  tidt'  —  mit 
andern  Worten:  fcelegentlich  mag  man  die  Jungen  prüfen, 
ob  sie  denn  auch  verständen,  was  sie  "exponierten';  ge- 
legentlich mag  man  sie  deutsch  wiedergeben  lassen,  was 
sie  sonst  nur  lateinisch  dem  Lehrer  nachsprachen.  Daß 
gewöhnlich  lateinisch  exponiert  wurde,  bestätigen  uns  auch 
die  handschriftlichen  Bemerkungen,  die  viele  Ausgaben  der 
Paedologia  enthalten:  es  sind  größtenteils  lateinische 
Synonyma  für  die  betreffenden  "Wörter  und  Phrasen  des 
gedruckten  Textes.  So  finden  wir  z.  B.  über  non  iniuria: 
immerito,  über  feriae:  nundinae,  über  obsequendum:  obe- 
diendum,  übercomponendum:  colligendum,  über  paene:  quasi 
geschrieben.  Der  Lehrer  diktierte  das'),  wie  man  schon  daran 
sehen  kann,  daß  manche  Wörter  von  einem  in  den  lOlementen 
noch  unsichern  Schüler  nach  dem  Gehör  falsch  wieder- 
gegeben wurden;  so  war  der  Scholarch.  der  einst  dem  Be- 
sitzer des  jetzt  in  der  Berliner  Kgl.  Bibliothek  befindlichen 
Exemplars  Xf  7372  die  Paedologia  exponierte,  gewiß  ein 
Sachse:  er  sprach  scribsisse'  und  blacet',  und  der  wackre 
Discipulus  schrieb  das  auch  treulich  so  nieder.  Hand- 
schriftliche Bemerkungen  in  deutscher  .'Sprache  sind  selten; 
der  Lehrer  scheint  nur  dann  zum  Deutschen  gegriffen  zu 
haben,  wenn  ihm  ein  passendes  lateinisches  Wort  just  nicht 
gegenwärtig  war  oder  wenn  das  im  Text  stehende  latei- 
ni.sche  Wort  eine  nicht  ganz  geläufige  Bedeutung  hatte. 

Dem  Exponieren  ging  im  allgemeinen  das  Konstruieren 
voraus.  Man  hat  bestritten,  daß  auf  dieser  Stufe  überhaupt 
konstruiert  wurde'),  dem  widerspricht  aber  eine  Mitteilung 
Thomas  Platters '') :  'Was  man  laß,  miißt  man  erstlich  di- 
ctierren,  den  distingwieren,  den  construieren,  zu  letst  erst 
exponieren.  Ob  indessen  auf  das  Konstruieren  viel  Wert 
gelegt  wurde,  erscheint  fraglich;  die  Hauptsache  blieb  doch 


M  Vgl.  auch  unten  S.  32,  25. 

*)  Lattmann  S.  26. 

•'•)  Thomas  und  Felix  Platter  ed.  Boos  (1878),  S.  23. 


EINLEITUNG.  XXXVII 

immer  das  von  Erasmus  empfohlene  und  durch  zahlreiche 
Übungsbücher  unterstützte  'eandem  sententiam  variatis 
verbis  ac  figuris  offene'.  —  Immerhin  fehlte  es  auch  an 
sachlicher  Erklärung  nicht  ganz,  wie  uns  abermals  die  hand- 
schriftlichen Bemerkungen  erkennen  lassen.  Da  wird  etwa 
auf  Eeuchlin  und  Erasmus  als  Förderer  des  Griechischen 
hingewiesen,  nach  Art  explizierender  Marginalien  ein  im 
Text  erwähntes  Zitat  genauer  bestimmt  oder  auch  die  fast 
verhängnisvoll  einflußreiche  Tragödiendefinition  des  Dio- 
medes^)  angeführt. 

Schon  während  der  Schulstunde  wird  der  Lehrer  die 
Gespräche  mit  verteilten  Rollen  haben  lesen  lassen.  Es 
liegt  gar  kein  Grund  vor,  sich  über  das  schon  im  Mittel- 
alter vielfach  betriebene  laute  Lesen  lateinischer  Schriften-) 
lustig  zu  machen,  selbst  wenn  damit  das  Verständnis  des 
Textes  nicht  immer  Hand  in  Hand  ging.  Das  laute  Lesen 
war  für  die  Spracherlernung  sehr  heilsam.  Es  kommt  zu- 
nächst nur  darauf  an,  für  den  Schüler  recht  viele  Gehör- 
empfindungen der  Wörter  zu  veranlassen:  vom  Lehrer, 
von  den  Mitschülern  her  oder  durch  eigenes  Sprechen.' 
Kein  Hmnanist,  ein  psychologischer  Pädagog  des  19.  Jahr- 
hunderts hat  das  gesagt'^). 

Waren  die  Dialoge  exponiert,  so  wurden  sie  auswendig 
gelernt  und  in  der  Schule  von  zwei  oder  mehr  Knaben  vor- 
getragen. Von  diesen  Übungen  ist  nur  ein  Schritt  zur  Auf- 
führung von  Schuldramen.  Ja,  die  Hamburger  Schulordnung 
von  1529  stellt  des  Erasmus  CoUoquia  gradezu  auf  eine  .Stufe 
mit  den  Komödien^). 

Die  Hamburger  Schulordnung  nennt  auch  Mosellans 
Paedologia^).    Sie  sollte  in  der  zweiten  Abteilung  am  Xach- 


\)  Vgl.  z.  B.  Diomedis  grammatici  opus  ab  J.  Cäesario 
emendatum.  Hagenoae  1526,  Bl.  142  b.  —  Creizenach,  Gesch. 
d.  neueren  Dramas  2  (1901),  S.  482. 

^)  Specht  S.  (iSf. 

^)  F.  E.  Beneke,  Erziehungs-  und  Unterrichtslehre-  2 
(1842),  S.  430. 

*)  Bugenhagens  Kirchenordnung  für  die  Stadt  Hamburg 
ed.  Bertheau  (1885),  S.  32. 

»)  Ibidem  S.  30. 


XXXVllI  EINLEITUNG. 

luiLtiii;-  von  drei  bis  vier  Uhr  diirch:^enomnien  werden.  Das 
Hamburger  Gymnasium  war  aber  keineswegs  die  erste  An- 
stalt, an  der  die  Paedologia  gebraucht  wurde.  Das  wird 
vielmelir  die  Thomasschule  in  Leipzig  gewesen  sein.  Die 
erste  Schulordnung,  die  sie  erwähnt,  ist,  soviel  ich  sehe, 
die  der  Stadt  P^isleben  von  1525;  hier  sollte  sie  —  eine  Aus- 
nahme —  schon  in  der  untersten  Klasse  benutzt  werden^). 
Nachdem  man  sie  einmal  in  die  epochemachende  Kur- 
sächsische Schulordnung  von  152S  aufgenommen  hatte-), 
war  ihr  Weg  gesichert.  Wir  finden  sie  in  den  Lehrplänen 
fürWittenberg(1533)^),  Brauuschweig(1535  u.ö.)'*),  Schleswig- 
Holstein  (1542)^),  Basel  (1542)'''),  Köln  (1543)').  Magdeburg 
(1553)8),  Annaberg  (1581)«),  Göttingen  (ISSG)!").  Vermutlich 
wurde  sie  aber  noch  in  vielen  andern  Schulen  gelesen» 
ganz  gewiß  in  solchen,  die  nach  der  Kursächsischen  Schul- 
ordnung organisiert  worden  waren,  wie  z.  B.  die  Gymnasien 
in  Meißen^')  und  Worms '^). 

Eine  leise  Opposition  gegen  die  Schülergespräche  über- 
haupt regte  sich  um  die  Mitte  des  16.  Jahrhunderts.  'Man 
pflegt    sonst    in    andern   gemeinen   Schulen,    sagt  Ludwig 


M  Hartfelder,  Melanchthoniana  paedagogica  S.  3. 

*)  Vormbaum,  Evang.  Schulordnungen  1  (1860),  S.  6. 

^)  Vormbaum  S.  29. 

*)  Koldewey  1.  S.  57.     2,  S.  14  (1543).     1,  S.  107  (1562). 

*)  Vormbaum  S.  35. 

«)  Fechter,  Gesch.  d.  Schulwesens  in  Basel  (L^37),  S.  70. 

")  Vormbaum  S.  405. 

')  Vormbaum  S.  415. 

^)  Bartusch,  Annaberger  Lateinschule  (1807),  S.  157: 
'Den  Alumnen  war  vorgeschrieben,  daß  sie  nach  Beendigung 
des  Abendessens  eine  oder  zwei  Szenen  aus  Toren/,  oder 
auch  Dialoge  von  Erasmus,  Vives,  Castalio,  Corderius,  Mo- 
sellanus  in  persona^  distributos  diserte  ac  distincte  mini- 
meque  praecipitanter  lesen  sollen. 

*")  Panneuborg.  Zur  Gesch.  d.  Göttinger  Gymnasiums. 
Progr.  1S86.  S.  10. 

")  Hevden,  Beiträge  zur  Gesch.  d.  städt.  Latemschule 
in  Meißen^  [19fX)l,  S.  22  ff. 

*-)  Adalb.  Berker.  Beiträge  zur  Gesch.  der  Frei-  und 
Reichsstadt  Worms  (18.^0),  S."  81  ff. 


EINLEITUNG.  XXXIX 

Rabus^),  'solche  Knaben  gemeiniglich  den  Catonem  oder 
Dialogos  Mosellani  oder  aus  den  Colloquiis  Erasmi  etwas 
fürzulesen,  welches  in  dieser  Classe  [der  zweiten]  mit  Ab- 
wechslung auch  beschehen  möchte.  Dieweil  aber  bei  allen 
Gelehrten  in  lateinischer  Sprache  .  ,  .  Cicero  für  allen 
andern  den  Preis  behält,  so  wäre  nichts  Besseres,  denn 
daß  man  die  Jugend  zu  solchem  Latein  bald  von  Anfang 
an  führte.'  Ist  das  nur  eine  persönliche  Meinung?  Ich 
kann  diese  Frage  vorläufig  nicht  beantworten.  Wie  auf- 
fallend, daß  in  der  zweiten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts 
nur  eine  erwähnenswerte  Sammlang  von  Schülergesprächen, 
die  des  Maturinus  Corderius,  erscheint.  Wie  auffallend  aber 
auch,  daß  grade  sie  noch  einen  ungeheuren  Erfolg  erzielt 
und  daß  auch  die  älteren  Sammlungen  zum  Teil  bis  in  die 
Tage  des  Neuhumanismus  hinein  unter  die  Presse  gesandt 
werden. 

Unter  diesen  älteren  Sammlungen-)  ragen  vor  allem 
die  CoUoquia  familiaria  des  Erasmus  hervor.  Sie  werden 
in  ihrer  ersten,  von  der  endgültigen  erheblich  abweichenden 
Gestalt  unmittelbar  nach  der  Paedologia  gedruckt,  ohne 
Wissen  und  Willen  des  Autors,  der  alsbald  eine  rechtmäßige 
Ausgabe  veranstaltet.  Auf  Erasmus  beruft  sich  Christophorus 
Hegendorphinus  in  der  Vorrede  zu  seinen  Dialogi  pueriles 
von  1520.  Sein  eigentliches  Vorbild  aber  ist  ganz  offenbar 
Mosellan'^),  mit  dem  er  aus  nicht  mehr  recht  erkennbaren 
Gründen  bitter  verfeindet  war.  Es  nützte  ihm  nicht  viel, 
daß  er  den  Zusammenhang  seines  Opusculums  mit  dem 
Mosellans  künstlich  zu  verschleiern  suchte;    man   hatte  es 


^)  Nach  dem  sichtlich  schlechten  Abdruck  seines  'Be- 
denkens von  der  Schulreformation'  bei  Kapff,  Zur  Gesch. 
d.  Ulmer  Gymnasiums.     Progr.  1S58,  S.  11. 

-)  Alles  Nähere  bei  Bömer. 

^)  Das  hat  schon  Günther,  Plautuserneuerungen,  Leipz. 
Diss.  18S6,  S.  79  nachgewiesen,  Über  Hegendorphinus  ist 
jetzt  Kossowski,  Studya  do  dziejow  renesansu  i  reformacyi 
w  Polsce  1  (1905)  zu  vergleichen,  eine  anscheinend  gründ- 
liche Arbeit,  der  ich  aber  nur  mühsam  und  mit  fremder 
Hilfe  folgen  konnte ;  Mosellan  wird  S.  25  ff.,  S.  34  f.  u.  ö. 
erwähnt. 


XL  EINLEITUNG. 

bald  heraus,  daß  sich  die  J>ialoi;i  ])ueriles  an  die  Paedologia 
anschlössen,  und  spekulative  Verleger  druckten  demzufolge 
nach  der  Devise  doppelt  hiilt  besser"  beide  Werke  häufig 
zusammen  ab. 

Vornehmer  als  Hegendorphinus  ging  der  Flamländer 
Hadrianus  Barlandus  zu  Werke,  der  in  seinen  Dialogi  ad 
profligandam  e  scholis  barbariem  utilissinii  (1524)  aus- 
drücklich Mosellan  und  Erasmus  als  seine  Vorgänger  be- 
zeichnet. Hatte  ihn  das  Lob  des  Collegium  trilingue  zu 
Löwen '),  an  dem  er  selbst  tätig  gewesen  war,  für  Mosellan 
eingenommen?  Übrigens  tritt  dessen  I^influß  auf  Bar- 
landus hinter  den  des  Erasmus  zurück,  und  selb.st  dieser 
hat  auf  den  talentvollen  und  eigenwilligen  Mann  mehr  an- 
regend als  bestimmend  gewirkt. 

Etwa  das  Gleiche  ist  bei  Hermannus  Schottenius  der 
Fall,  der  aber  in  seinen  Confabulationes  tironum  littera- 
riorum  (1525)  wiederum  nur  auf  Erasmus  hinweist.  Ich 
glaube  doch,  daß  er  Mosellan  gekannt  hat.  Man  darf,  wie 
schon  einmal  betont,  bei  inhaltlichen  Übereinstimmungen 
in  den  Schülergesprächen  nicht  gleich  auf  Abhängigkeit 
schließen,  allein  hier  sind  sie  derart,  daß  man  getrost 
diesen  Schluß  wagen  kann.  An  Lebendigkeit  übertrifft 
Schottenius  allerdings  Mosellan-).  Aber  er  steigt  zu  sehr 
zu  den  Schülern  herab;  sein  Satzbau  ist  absichtlich  salopp 
und  manches  Gesprächsthema  in  pädagogischer  Hinsicht  zu 
naturalistisch  und  zu  burschikos. 

Völlig  unabhängig  von  Mosellan  und  im  wesentlichen 
auch  von  dem  Verfasser  der  Colloquia  familiaria  ist  Ludo- 
vicus  Vives,  ein  Mann  für  sich  wie  Erasmus  und  vielleicht 
noch  mehr  als  dieser.  AVie  die  ungewöhnlich  reizvollen, 
aber  nach  Inhalt  und  Form  auch  ungewöhnlich  schwierigen 
Dialoge  (Linguae  Latinae  exercitatio,  1539)  den  Riesenerfolg 
haben  konnten,  der  ihnen  (nicht  nur  während  des  10.  Jahr- 
hunderts) zuteil  wurde,  i.st  mir  nicht  völlig  klar.  Weit  be- 
greiflicher, daß  die  gelehrte  Praetextata  loquendi  ratio (1552) 


^)  s.  o.  s.  xxvin. 

-j  Creizenach  2.  S.  35. 


EINLEITUNG.  XLI 

des  guten  Martinus  Dimcanus  anscheinend  wenig  Be- 
achtung fand.  Wie  konnte  dieser  bigotte,  doch  sonst  ganz 
einsichtige,  auch  pädagogisch  begabte  Mann  Lehrern  und 
Schülern  bloß  zumuten,  einen  solchen  Wälzer  als  Schulbuch 
zu  benutzen?  Freilich  waren  auch  des  Erasmus  Colloquia  mit 
der  Zeit  ungebührlich  angeschwollen.  Diese  hat  sich  Dun- 
canus  zum  Muster  genommen,  aber  er  hat  sich  bestrebt,  nur 
ja  nicht  contra  bonos  mores  zu  verstoßen,  was  doch  Erasmus 
leider  Gottes  tue.  Auch  die  Paedologia  kennt  Duncanus 
und  erwähnt  sie  beiläufig  in  der  zweiten  Auflage  seines 
Buchs;  stärkere  Anleihen  hat  er  aber  wohl  vermieden. 


Mosellan  besitzt  nicht  das  lustig  sprudelnde  Plauder- 
talent des  Niavis,  nicht  den  funkelnden  Esprit  des  Erasmus, 
nicht  den  gegenständlichen  Sinn  des  Vives.  Aber  er  besitzt 
in  hervorragendem  Maße  den  Blick  für  das  pädagogisch 
Fruchtbare.  Kaum  einer  seiner  Vorgänger  und  Nachfolger 
hat  die  Aufgabe,  die  einem  Verfasser  von  Schülergesprächen 
gestellt  war,  so  erschöpfend  gelöst  wie  er.  Gedankenvoller 
abwechslungsreicher,  künstlerischer  sind  die  Schüler- 
gespräche anderer  Humanisten  ganz  gewiß.  Doch  was  sie 
litterarisch  wertvoller  macht,  das  mindert  meist  ihren  didak- 
tischen Wert.  Die  Paedologia  als  litterarisches  Produkt  ist 
kein  Meisterwerk,  wohl  aber  ist  sie  es  als  pädagogisches 
Hilfsmittel.  Das  war  auch  das  Urteil  des  16.  Jahrhunderts: 
die  Fülle  der  Ausgaben  bestätigt  es. 

Bibliographie. 

Das  wertvolle  Verzeichnis  der  Paedologiadrucke  bei 
Bömer  S.  96  ff.  habe  ich  durch  erneute  Umfragen  sowie 
durch  Heranziehung  des  Repertoire  des  ouvrages  peda- 
gogiques  du  XVIe  siecle  ^)  (Paris  1886,  S.  456  f .)  vermehren 
und  berichtigen  können. 

1)  Z  =  ^aebologia  |  ^etri  93?ofetIam  ^Tote=  ]  geufig,  in 
pueror^  üjum  confcripta.  \  |)ieront)mu!o.  '  Non  sunt  contenenda 
quasi    parua,  |   sine    quibus    magna    cöstare    nö  |  possunt. 


*)  Memoires  et  documents  scolaires  publies  par  le  musee  pedagogique.  3, 


XLTI  EINLEITUNG. 

T\ahmen    (boschrieben    von    Pommer,    Lutherdrucke    1888, 
^"r.  SS),    o.  0.  u.  .1.    LH)  Bll.    4«.    (Aui^sburg,  Zwickau.) 

2a)  B  =  'il.HioboUHVii  i  iH'tvi  WuHlIaiii  ':i>vote  ]  iicn)'t!§  tu 
pucror4  üjum  [  cuu)i-ripia.'  ,  :picrum)iHUv  etc.  ]\ahmen  wie  1). 
20  Bll.    4".    (Berlin,  Göttinj^en,  Hehustedt.  Münster.) 

2  b)  W  =  ^acbüUniia  |  '|>ctn  IVuicIlaiii  '4>VL^tf  I  Gcn|iv  in 
;iucvor4  Dinm  '  ciuiicripta.  \  .s>icvoiU)mii!§  etc.  ii'ipiiac  npub 
l\\'ld)iorr'  |  ^'otllicr4  ,  i.Unno.  'iW.  T.  riji;  |  1-  Rahmen  wie  1). 
20  Bll.    4«.    (Wien  H.) 

3)  S  =  rAEI)(lL(^GIA  PETRl  MO  SELLANl  PROTE- 
GEX    SIS  IN   PVEPxORVM  j  VSVM  CON  |  SCRIP  |  TA.  1 
Hieronymus  etc.    Rahmen  wie  1)    o.   O.   u.   J.    20  Bll.      4". 
(Leipzig:  U..  Straßburjj:.) 

4)  Mainz.  Schc.ffer  1518.     (Straßburg.) 

5)  Antwerpen,  Hillen  1519.    4".    (Besan^on,  Haag  ) 

6)  n  =  PETRl  MOSELLANI  PROTEGP^N- i  sis,  PAE- 
DOL(^GIA.  iam  (jnartfu  vna  |  cum  scholijs  in  ioco  oppo- 
sitis*  edita.  j  adiectis  insui)er  DIAL(3GIS  |  duobus,  quorü 
alter  relege  \  dae  praelectiöis  ratione  |  cöplectitur,  alter 
de  I  delectu  Acade-  |  miarü  habe  |  do,  disse  |  rit.  |  Cum 
illustrifs.  ]>rinci|ns  nostri  GEORtill  Saxoniae  ducis  etc. 
pariter  tV:  prudetifs.  SENATVS  Lipsensis  PRIVILEGIO 
Ne  quis  haue,  aut  quäuis  aliä  P.  MOSELLANI  lucubra 
tionem  Lipsiae,  immo  in  tota  hac  ditiöe,  citra  au-  |  thoris 
ipsius  cösensum,  aut  imprimat,  aut  alibi  |  impressam  &  im- 
portatam  hie  vendi-  tet:  sub  pena,  vt  in  tabulis.  Rahmen 
(beschrieben  von  Dommer,  Lutherdrucke  1888,  Nr.  90;  jetzt 
auch  für  die  Titelblätter  der  Weimarer  Lutherausgabe  be- 
nutzt). Am  Schluß:  Lipsiae,  ex  officina  Melchioris  Lottheri. 
Anno  diüco  MDXX.  25  Bll.  4^  (Breslau.  Darmstadt,  Haag, 
Leipzig  St..  München  U.  u.  H.,  Stuttgart,  Upsala. ) 

7)  Mainz,  Schöffer  1520.  (Darmstadt,  Jena,  Kopen- 
hagen.) s)  Straßburg,  Knoblauch.  Dezember  1520.  Hier 
und  in  Zukunft  fast  immer  angefügt:  Dialogi  pueriles 
Christophori  Hegendorpliini  XII.  (Berlin,  Freiburg.) 
9)  Erfurt,  Maler  1521.  (.Jena,  London:  copious  ms.  notes' I, 
AVien  H.)  10)  Krakau.  Victor  1521.  4«.  (Krakau,  W^ieu  H.) 
11)  Mainz.  Schöffer  1521.  (Paris  N.)  12)  Straßburg, 
Knoblauch  1521.  (Basel.  Frei  bürg,  Kopenhagen,  Krakau, 
München  H.)  13)  Straßburg,  Schürer,  Februar  1521.  Ohne 
die  neuen  Dialoge  von  6).  (München  W)  14)  Straßburj;, 
Schürer,  Oktober  1521.  (Freiburg,  München  H.,  Wien  H.) 
15)  Hagenau.  Anshelm  1522  (nach  Panzer).  16)  Straßbur^^ 
Knoblauch  1522.  (Berlin,  München  H.)  17)  Augsburg,  Grim 
1523.  (München  H.  u.  U.)  18)  o.  O.  [Xürnberg],  Petrejus 
1.52.3.  (Berlin.)  19)  Antwerpen,  Hillen  1523.  (Köln.)  20)  Leip- 
zig,   Faber    1524.      (Leipzig  S.)      21)   Köln,    |Soter?l    1521. 


EINLEITUNG.  XLIII 

(Köni^sber^  U.)  22)  Deventer,  Zuseler  1525.  (Frankfurt 
a.  Main.)  23)  Ant\ver])en  1525.  (London.)  21)  Basel,  Petrus 
1527.    (Cambrai.)    25)  Antwerpen,  Hillen  1527.     (Erlan^^en.) 

26)  Krakau,    Scharffenbero^er    1527    (vormals    in    Krakau). 

27)  Krakau,  Vietor  1528  (nach  Panzer).  2S)  Paris,  Stephanus 
152S  (Auo;sburg,  Paris  X.)  '2'J)  Straßburg,  Egenoli)h  1529. 
(München  H.)  30)  Wittenberg,  Lufft  1529.  (Besan^on, 
Königsberg  1^.)  31)  Paris,  Stephanus  1529  (nach  Panzer). 
32)  Leipzig,  Faber  1530.  (Dresden.)  33)Ant\verpen, Caesar  1531 
(Paris  N.)  31)  Paris,  Ste])hanus  1581.  (Marseiile.)  35)  Paris, 
\Vechell531.  (Besancon,  ParisN.)  36)  Augsburg,  Weissenhorn 
1532.  Hier  sind  die  neuen  Dialoge  von  6)  am  Schluß  ab- 
gedruckt. (München  H.)  37)  London,  Worde  1532,  (London.) 
38)  o.  0.  1  Nürnberg],  Petrejus  1533.  (München  H.)  30)  Ant- 
weri)en,  Caesar  1533.  (Königsberg  U.)  10)  Paris  1534. 
(London.)  41)  Köln,  Cernicorn  1535.  (Upsala.)  42)  Paris, 
"Wechel  1535.  (Paris  N.)  43)  Leipzig  1537.  (Kopenhagen.) 
44)  Paris,  Büffet  1539  (Aurillac).  45)  Lyon,  Paganus  1539. 
(Paris  N.)  46)  Zürich,  Froschauer  1540.  (Straßburg.) 
47)  Frankfurt  a.  M.  1542.  (Toulouse)  48)  L3'on  1542. 
(BesanQon.)  49)  Lyon,  Gryphius  1543.  (Augsburg,  Paris, 
B.  de  l'Arsenal.)  "  50)  Mainz,  Schöffer  1544.  (Nancy.) 
51)  Ingolstadt,  Weissenhorn  1544.  (München  U.)  52)  Paris, 
Stephanus  1547.  (Haag,  London.)  53)  Paris,  Stephanus 
1548.  (London,  Paris  N.,  Upsala.)  54)  o.  0.  [Nürnberg], 
Petrejus  1550.  (München  H.)  55)  Paris,  'vidua  Mauritii 
a  Porta'  1550.  (Paris  N.)  56)  Mainz,  Schöffer  1551. 
(Brüssel,  Rostock)  57)  Lvon,  Paganus  1551.  (B.  du 
Puy.)  58)  Köln,  Horst  15o2.  (Köln.)  59)  Leipzig  1553. 
60)  Augsburg,   Otmar  1554.   (Jena.)     61)  Leipzig,   L.  Faber 

1559.  (Hamburg,  defekt.)  62)  Nürnberg  1559.  (London.) 
63)  Leipzig,  L.  Faber  1560.    (Jena.)    64)  Nürnberg,  Neuber 

1560.  (Kopenhagen.)  65)  o.  0.  1560.  (Zwickau.)  66)  Straß- 
burg, Chr.  Mylius  1561.  (Giessen,  Donaueschingen.) 
67)  Frankfurt  a.  M.,  Egenolphs  Erben  1563.  (Besancon, 
Dresden,  Freiburg.)  6S)  Nürnberg,  Montanus  u.  Neuber 
1563.  München  ü.)  69)  Köln,  Horst  1565.  (Upsala.) 
70)  Schmalkalden  1566.  ((jießen,  Zwickau.)  71)  Mainz  1570 
(nach  0.  Q.  Schmidt.  Mosellanus  S.  86).  72)  Straßburg,  'apud 
heredes  Chr.  Abilii'  1570.  (Nancy.)  73)  Frankfurt  a.  M., 
Egenolphs  Erben  1579.  (München  H.)  74)  Schmalkalden, 
Schmuck  1586.  (Erfurt.)  75)  'Bardi  Pomeraniae  ex  officina 
principis'  1591.  (Lübeck.)  76)  Helmstedt,  Hesse  1706. 
(Dresden,  Göttingen,  Hamburg,  Paris  N.)  77)  Leipzig, 
N.    Faber    o.    J.     (Erfurt,  Helmstedt,    Ptostock,    Zwickau.) 

78)  Frankfurt   a.    0.    o.    J.     (Dresden,    Halle,    Hannover.) 

79)  Mainz,  Schöffer  o.  J.     (Erlangen,  Freiburg.) 


XLIV  EINLEITUNG. 

Die  ^griechische  t'bersetzun^  der  raedoloo;ia  von  Jo- 
docus  Velaraeus  (Antwerpen  1522  und  löo-S,  l'anzer.  Ann. 
Typ.  6,  Nr.  5:>.  1(30)  habe  ich  nicht  auftiviben  ktinnen.  Ein 
Exemplar  war  früher  in  der  K<;1.  Bibliothek  y.u  Brüssel 
vorhanden,  wird  aber,  wie  mir  die  Verwaltuni;-  freundlichst 
mitteilt,  seit  mehreren  Jahren  vermißt. 

Wann  erschien  die  erste  Aus<;abe  der  Paedolo^ia?  Zwei 
Jahre  kommen  nur  in  Betracht:  1517  und  151s.  Bömer 
(S.  96)  glaubt  annehmen  zu  müssen,  dass  bereits  1517  ein 
Druck  ans  Licht  getreten  sei.  Aus  folgenden  Gründen: 
einmal  heißt  es  im  Titel  der  späten  Helmstedtcr  Ausgabe 
(s.  o.  Nr.  7()j:  'Post  primam  Lipsiae  MDXVII  et  secundam 
Smalcaldiae  MDLXXXVI  editio  tertia',  ferner  ist  die  Vor- 
rede Mosellans  in  vielen  Ausgaben  1517  unterzeichnet. 
Als  erste  Ausgabe,  in  der  dies  der  Fall  ist.  nennt  Br)mer 
die  1520  bei  Lotther  in  Lei})zig  gedruckte.  Er  hätte  aber 
noch  auf  eine  frühere  verweisen  können,  wäre  ihm  diese 
nicht  offenbar  unbekannt  geblieben.  Es  ist  eine  Quart- 
ausgabe ohne  Ort  und  Jahr,  sehr  ähnlich  denen,  die  E()mer 
mit  1 )  und  2)  bezeichnet,  doch  in  einigen  Punkten  von 
ihnen  abweichend.  Ich  benutzte  ein  in  der  Zwickauer  ilats- 
schulbibliothek  befindliches  Exemplar,  das  ich  Z  nenne. 
Am  Schluß  der  Vorrede  von  Z  steht:  MD VII.  Also  wäre 
die  editio  princeps  in  der  Tat  1517  erschienen? 

Da  macht  uns  indessen  zunächst  das  Datum  des  am 
Ende  von  Z  abgedruckten  Privilegs  stutzig. 

Consules  Senatusque  Lipsiensis  omnibus  et  singulis 
has  tabulas  inspecturis  Salutem.  Plato  divinae  sapientiae 
homo  eam  rem  publicam  optime  institutam  putat,  ([uae 
primam  curam  jiueris  ad  optima  quaeque,  hoc  e.st  litteras 
et  virtutes  provehendis  imi)endat.  Non  aliter,  inquit,  ac 
gnavi  agricolae  teneriores  ])lantas  primaria  opera  observant, 
deinceps  vero  et  reliquas  nf)n  neglegunt.  Neque  id  iniuria, 
siquidem  ut  tenellis  jiJantis,  nisi  acciirate  circumsaepiantur, 
facile  nocuerit  vel  auster  inimicus  vel  petulcum  pecus  vel 
etiam  pecudibus  nonnun(juam  petulantior  homo,  ita  prima 
illa  aetas  infirma  et  per  hoc  in  quam  vis  jiartem  se(|uax, 
nisi  recta  institutione  ducatur,  levi  rnomento  in  omni  igno- 
rantiae  vitiorumque  genus  sensim  cum  aetate  adulescit. 
Quare  divus  Hieronymus  parentes  ad  diligentem  liberorum 
educationem  vocans  graviter  inquit:  Non  pars'i  est  apud 
Deum  ineriti  bene  liberos  educare.  Ilaec  omnia  nos  ])er- 
jtendentes  nihil,  quod  ad  hanc  curam  adeo  salubrem  scimus 
pertinere,  neglegimus.  Immo  quidquid  quoquo  saltem  modo 
iuvandae  iuventuti  datur,  hoc  singulari  quodam  favore  rom- 
plectimur.     Itaque    cum  Petrus  Mosellanus,    in    hac   lauda- 


EINLEITUNG.  XLV 

tissima  civitatis  nostrae  academia  iiub-[D6a]licus  utriusijue 
lingiiae  professor,  praeter  alia  multa  studiosis  noa  inutiiia 
muitorum  rogatu  et  dialogos  (|uosdam  loquendi  formulas 
complexos  in  puerorum  usum  conscripserit,  id.  (juod  ipse 
nobis  coram  exposuit,  atque  alia  posthac  non  minus  frugi- 
fera  forsan  sit  compositurus,  quo  sentiat  suum  Studium 
nobis  probari,  pariter  et  ipse  ingenii  sui  labores  amplioribus 
condicionibus  possit  publicare.  mandamus  omnibus  et  sin- 
gulis  tj'pographis  simul  ac  bibliopolis,  ne  quisquam  in  hac 
nostra  civitate  intra  quattuor  annos  a  singulorura  operum 
editione  computandos  primariam  editionem  sine  auctoris 
ipsius  consensu  imitetur  ueve  eadem  opuscula  aliunde  ad- 
vecta  hie  venditet.  Quod  si  quis  inordinata  lucri  cupiditate 
impulsus  contra  hoc  nostrum  decretum  fuerit  ausus,  sciat 
se  in  gravem  censurae  nostrae  mulctam  incurrisse,  quam 
quidem  nobis  pro  nostro  atque  item  auctoris  ipsius  arbitrio 
dictandam  reservamus.  Datae  in  curia  nostra  urbis  Lip- 
siensis,  pridie  Kalendas  Octobris  anno  MDXVIII. 

In  diesemPrivileg  verbietet  der  Magistrat,  wie  wir  sehen, 
den  Buchdruckern,  die  Werke  Mosellans,  insbesondere  aber 
die  Paedologia  binnen  vier  Jahren  nachzudrucken  oder 
auch  nur  aui5erhalb  Leipzigs  gedruckte  Exemplare  hierhin 
einzuführen.^)  Als  rechtmäßige  Ausgaben  sind  danach  nur 
diejenigen  zu  betrachten,  die  bei  demselben  Drucker  wie 
Z  hergestellt  sind.  Der  Drucker  ist  nicht  genannt.  Wer 
ist  es?  Eine  typographische  Untersuchung  ergibt  alsbald 
ein  absolut  einwandfreies  Resultat:  kein  anderer  als  Mel- 
chior Lotther.  Das  Privileg  ist  unterzeichnet:  pridie  Kalendas 
Octobris,  anno  MDVIIL  Sollte  das  Privileg  dem  Verfasser 
und  dem  Drucker  erst  ein  Jahr  nach  dem  Erscheinen  der 
Paedologia  erteilt  worden  sein?  Wäre  somit  eine  uns  ver- 
lorene Ausgabe  ohne  Privileg  bereits  1517  erschienen? 
Oder  hat  Mosellan  sein  Werk  ein  ganzes  Jahr  liegen  lassen? 
Beides  höchst  unwahrscheinlich,  beides  nicht  ganz  unmög- 
lich. Aliein  drei  weitere  Ausgaben,  von  denen  eine  (W) 
das  Jahr  1519,  Druckort  und  Drucker  (Leipzig,  Lotther) 
auf  dem  Titelblatt  trägt,  während  die  beiden  andern  (B  und 
S  =  Bömer  1  und  2)  sine  loco  et  anno  erschienen  sind, 
haben  dieselbe  Vorrede  mit  demselben  Monatsdatum,  aber 
das  Jahresdatum   lautet   hier    1518.     Im   übrigen    stimmen 


^)  Es  ist  dies  eins  der  frühesten  Bücherprivilegien,  die  wir  in  Deutsch- 
land nachweisen  können;  der  Magistrat  von  Leipzig  hatte  schon  1516  dem 
Crocus  für  seine  griechische  Grammatik  ein  gleiches  Privileg  erteilt;  die  Be- 
schlüsse selbst  sind  —  nach  gütiger  Auskunft  Gustav  Wustmanns  —  in  deri 
ganz  lückenhaften  Ratsprotokollen  jener  Zeit  nicht  enthalten.  Vgl. 
[J.  H.  Leich],  De  origine  et  incrementis  typographiae  Lipsiensis  über  sin- 
gularis  (1740),  S.  36  f.  S.  42  f.    O.  Waechter,  Verlagsrecht  (1857),  S.  7  ff. 


XLVl  EINLEITUNG. 

diese  drei  Ause:aben  mit  gewissen  Kinschränkungcn.  die 
bald  zur  Sprache  kommen  sollen,  inhaltlich  und  typo- 
liiaithisch  nicht  nur  untereinander,  sondern  auch  mit  Z 
überein.  Z,  !'.  W  und  S  müssen  ihrem  Texte  nach  vor 
der  Ausgabe  von  1520  erschienen  sein. 

AVie?  Vier  Ausgaben  vor  1520?  Aber  di  ese  Ausgabe 
(Dl  nennt  sich  doch  selbst  auf  dem  Titelblatt  die  vierte! 
Eine  neue  Schwierigkeit,  die  sich  indessen  bald  löst,  wenn 
man  B  mit  "\V  vergleicht.  Diese  beiden  Ausgaben  erweisen 
sich  al-j  vollkonmien  identisch,  nur  daß  auf  dem  Titelblatt 
von  AV  noch  Ort.  Jahr  und  Drucker  vermerkt  ist;  schon 
eine  flüchtige  Prüfung  lehrt  uns,  dal3  7.u  beiden  Ausgaben 
der  gleiche  Satz  benutzt  worden  ist.  Mosellan  hat  sie 
offenbar  und  mit  Recht  nur  als  eine  gezählt.  Da  nun 
aber  W  1510  gedruckt  wurde,  so  spricht  alles  dafür,  daß 
auch  B  1519  gedruckt  wurde;  denn  die  Annahme,  daß  der- 
selbe Satz  längere  Zeit  gestanden  habe,  scheint  mir  wenig 
einleuchtend.  Somit  scheiden  B  und  W  für  unsere  Unter- 
suchung aus:   keine  von  beiden  kann  die  editio  princeps  sein. 

Es  bleiben  Z  und  S.  Die  Titelblätter  sind  typographisch 
verschieden:  die  ersten  vier  Zeilen  von  Z  sind  mit  Fraktur 
gesetzt,  S  dagegen  völlig  mit  Antiqua.  Doch  das  besagt 
ebensowenig  etwas  für  die  Priorität  der  einen  Ausgabe  wie 
gewisse  Abweichungen  in  Orthographie  und  Interpunktion. 
Bei  der  Kollationierung  der  Texte  fällt  uns  indessen  bald 
auf,  daß  offensichtliche  Druckfehler  von  Z  in  S  nicht  vor- 
handen sind.  Und  nicht  nur  offensichtliche,  auch  ver- 
stecktere. In  S  heißt  es  (Dial.  XI,  S.  IS,  21  2):  Nempe  ut 
familiam  hauriendis  aquis  iuvemus.  In  Z  steht  haurientibus. 
Kein  Zweifel,  S  ist  später  als  Z  gedruckt  worden;  später 
auch  als  B  und  W,  die  diese  Verbesserung  noch  nicht  ent- 
halten, während  sie  D  aufgenommen  hat. 

Nach  alledem  kommt  als  editio  ])rinceps  nur  Z  in  Be- 
tracht. Dies  Ergebnis  wird  bekräftigt  durch  eine  Prüfung 
der  Druckfehler  von  Z.  Ein  einziger  schon  dünkt  mich  aus- 
schlaggebend dafür,  daß  Z  nach  dem  Manuskript  gedruckt 
ist:  in  Z  steht  Dial.  VII  (S  13,  15)  ein  ganz  sinnloses  for- 
mare  statt  fortunae  —  denkt  man  sich  fortunae  mit  dem 
kleinen  t  geschrieben,  das  im  KJ.  Jh.  üblich  war,  so  wird 
man  diesen,  in  allen  andern  Ausgaben  verbesserten  Druck- 
fehler begreiflich  finden. 

Und  nun  erhebt  sich  abermals  die  Frage:  1517  oder  1518? 
Ich  betonte  schon,  daß  das  Privileg  von  15ls  stammt.  Wir 
sahen  ferner,  daß  in  B,  W  und  S  die  Jahreszahl  der  Vor- 
rede in  1518  abgeändert  ist.  D  (1520)  hat  freilich  wdeder  1517, 
aber  das  erklärt  sich  einfach  daraus,  daß  ihr,  wie  manche 
Übereinstimmungen    in    Orthographie,    Interpunktion    und 


EINLEITUNG.  XLVII 

Druckfehlern  beweisen,  Z  zugrunde  liegt.  Da  nun  die 
späte  Jlelnistedter  Ausgabe  offenbar  nach  dem  Schmal- 
kaldener  Druck  von  1586  hergestellt  ist,  der  seinerseits  in- 
direkt auf  D  zurückgeht,  so  begreift  man  auch,  wieso  der 
unbekannte  Erneuerer  zu  der  Annahme  gekommen  ist,  die 
editio  princeps  sei  I^IT  erschienen:  einzig  und  allein,  weil 
die  Vorrede  eben  diese  Jahreszahl  trägt.  Dieses  Zeugnis 
ist  also  vollkommen  gleichgültig,  und  ich  meine,  alles  spricht 
dafür,  daß  lÖlT  in  der  Tat  ein  Druckfehler  war  und  die  erste 
Ausgabe  der  Paedologia  (Z)  vielmehr  1518  erschienen  ist. 
Gleichwohl  könnten  sich  noch  leise  Zweifel  regen, 
ließen  sie  sich  nicht  durch  ein  beweiskräftiges  Dokument 
völlig  beschwichtigen.  Am  25.  September  1518  schreibt 
Mosellans  gut  unterrichteter  Schüler  Caspar 
Creutziger  an  Stephan  Roth  in  Zwickau,  die  Pae- 
dologia sei  im  Druck.  Der  Briefe)  trägt  zwar  keine 
Jahreszahl,  allein  er  kann  nur  im  September  1518  abgefaßt 
sein,   wie    sich    unter  anderm  schon  daraus  mit  Sicherheit 


')    Dieser  Brief  ist  schon    teilweise   veröffentlicht   von  G.  Buchwald 
AGDBuchhandel  16   (1893),    S.  28,   No.  8.     Hier   folgt    er   vollständig   nach 
der  Zwickauer  Handschrift  N3: 

Humaniss.  &  eruditiss.  viro  Stephano  Rodt  Cycneae  scholae  dili- 
gentiss.  moderato  praeceptori  suo  candiss. 

S.  Accepi,  Stephane  mi,  abs  te  iampridem  expectatas  literas,  tametsi 
perbreues,  quibus  hortatus  es,  ut  librus  quos  ordine  assignasti,  apud  Biblio- 
polas  compararem,  et  tibi  transniittendos  curarem,  qua  in  re,  ut  par  erat, 
nisi  fallat  ine  opinio,  satis  laboraui,  verum  illud  doleo,  quod  uoti  te  com- 
potem  omni  ex  parte  in  praesentia  facere  nequeam.  Nam  ex  libris  iliis 
praeter  Pici  opusculum  et  Plutarchi  comnieiitarium  nihil  transmitto,  eorum 
nihil  iam  hie  extat,  Merces  e  francofordia  nondum  aduectae  sunt.  Ob  id 
boni  Interim  consulendum  est,  intra  quatriduum  omnia  quae  nunc  desyde- 
ramus,  habebimus,  tum  ego  laborabo,  ut  cum  primum  fieri  possit,  quicquid 
est  reliquum,  ad  te  perueniat.  Equidem  in  culpa  non  sum,  quid  Biblio- 
polas  hucusque  illic  detinuerit,  addiuinare  non  possum.  Caeterum  rerum 
novarum,  quod  quidem  re  scire  deceat,  nihil  habemus.  De  nostris  rebus 
breuibus  sie  habe,  valemus  in  praesentia  omnes,  deo  gracia,  foelicissime, 
nee  est  quicquam,  de  quo  conqueramus.  Det  deus  Optimus  Alaximus  hanc 
fortunam  sentiamus  diu.  De  tuo  rerum  statu  nihil  experimur,  Eam  ob  rem 
cura  ut  de  eo  nos  reddas  cerciores.  Quod  postremo  conquereris  Mosellani 
praeceptoris  mei  lucubrationes  tibi  a  me  non  esse  missas,  scito  id  per  me 
non  stetisse,  carui,  qui  eas  ad  te  perferret  tabellario.  iMitterem  iam  nisi  ex 
literis  intellegerem  te  eas  habere,  praeter  eas  iam  nihil  cdidit  adhuc.  In 
inende  iam  est  ludus  ab  eo  latine  conscriptus,  quem  natSoXo-ctav  hoc  est 
puerilem  confabuiationem  inscripsit,  publici  nostri  ludi  administratoris  hortatu 
persuasus,  In  quo  confabulantes  pueros  introduxit  de  rebus  literarijs  et  alijs 
compluribus  non  parum  utilis  futurus  studiosis  pueris,  nam  et  latinissime 
et  elegantissime  compositus  est.  Praeter  ea  iam  molitur  non  paruo 
conatu  M  Fabij  Quintiliani  institutiones  emendaciores  edere  lucique  pri- 
stinae  restituere,  Quando,  ut  scis,  deprauatissimae  sunt.  Sed  de  his  plura 
alias,  Nunc  bene  vale.  Saluta  meo  nomine  Georgium  nostrum  Agricolam, 
cui  narres  velim  male  habere  Mosellanum  quod  nihil  literarum  ad  eum 
dederit,  Maxime  cum  curae  suae  commiseret  iuuenes  aliquot  conterraneos, 
quorum  alterum  morbo  nescio  quo  laborantem  audiuit,  ob  id  hortare  eum 
ut  scribat.    Iterum  vale,  septimo  Kalend:  Octobri. 

Tuus  Caspar  Cruciger. 

Tumultuarie  scripsi,  non  [s]atis  emendare  [polui  accu]ratius. 


XLYIII  EINLEITUNG. 

orc:ibt,  daß  Creutzipier  an  Geori:::  Ac^ricola  Grüße  zu  be- 
stellen bittet.  Agricola  aber  im  September  1517  noch  nicht 
nach  Zwickau  f2^egaug:en  war.  Erst  im  Januar  1518  gratuliert 
Creutziger  dem  Roth,  daß  er  Agricola  für  seine  Schule 
gewannen  habe^). 

Die  erste  Ausgabe  der  l*aedologia  ist  im 
Oktober  1518  ans  Licht  getreten. 

Lesarten. 

2,2«)  Z  snbire  2.32  Z  chratarum  3,19  nosipsi  2,25  D 
Anno  domini  etc.  3,25  ZD  MDVII  BWS  MDVIII  6.13  Z 
nostri.  7.12  Z  gratia  7.15  ZS  DIALOCVS  8,7  D  obser- 
vaudissime  s.l7  f<vci  8,21  2  Z  parentens  10,2(i  D  commea- 
tibus  11, -4  D  meiim  fehlt  13,4  D  evenerit  13,15  Z  formare 
13,16  D  An  non  Protagoras  ille  Platonis  dialogus  |mit  Ab- 
kürzungszeichen; Druckfehler  für  dialogo]  celebratus  14.11 
deuerbuissent  15,2  Z  permitteuda  15.0  D  me  16,23  JAVS 
ei  16,28  BWSD  nostri  17,23  ZBWSD  saturus  17,28  Z 
contiones  18,21  ZBWSD  Clemens  18,21  2  ZBW  haurienti- 
bus  18,4  ZBWSD  Remigius  18,29  ZBWSD  Clemens  19,3 
ZBWSD  Hemigius  21,t;  quanto  21,24  D  agunt  22,14  Z 
e  in  enim  unter  der  Zeile  27,17  ZBWS  Stati  27.22  BWS 
quid  bis  in  28,4  Z  tu  30.14  ZBWSD  Egidius  31,4  ZBWSD 
spricht  Franciscus  weiter  32.6  anicus  32,21  Z  cani-nimus 
33,4  ZBWSD  öojQorfuooiff  33,10  1  D  doctoribus  33,24 
ZBWSD  gestam  36.31  Z  agrestum  D  agrestim  37,27 
Z  s  in  invideas  über  der  Zeile  38,27  Z  mceuia  41,1,2 
ZBWD  adoramenta  41,15  ZD  tu  te  45,24  D  hijs  40,14 
D  Jheronvmus    47.7  D  andivi     49,18  D  coiecture. 

Bibliographie  des  zweiten  Anhangs. 

1)  Praeceptiuncula  de  tempore  studiis  impartiendo  a 
Petro  Mosellano  adolescentulis  disciplinae  suae  commissis 
tradita.  —  Lipsiae  in  aedibus  Valeutini  Schumann  rnense 
Septembri  anno    domini  MDXXI.     4   Bll.  s^.     (Breslau  U.) 

2)  Leipzig  1524.    4°.    (nach  Schmidt,  Mosellanus  S.  86). 

Lesarten. 

52,6  costet. 


•)  Vgl.  G.  Müller.  Stephan  Roth.  BSächsKG.  1  (1882),  S.  S5  und  bes. 
R.  Hofmann,  Dr  Georg  Agricola  (1905),  S.  10  Der  dort  zitierte  Brief  Creut- 
zi^ers  (Zwickauer  Ratsschuibibl.  Hs.  N5)  ist  datiert  8.  Idus  Jan.  1518;  die 
betreffende  Stelle  lautet:   Quod  Georgium  Agricolam  nactus  sis  ob  hec  im- 

Pense  letor,   quod  ille  nobis  praeceptor  in  grecis,    tu  mihi  in  latinis  literis. 
reundliche  Mitteilung  von  Prof.  Dr.  Hofmann  in  Zwickau. 


EINLEITUNG.  IL 


Anmerkungen. 


Ich  habe  hier  auch  die  Marginalien  der  Ausgabe  von  1520 
aufgenommen  und  durch  M  gekennzeichnet;  Ergänzungen 
von  mir  in  eckigen  Klammem. 

1.13  M  Cur  pauci  latine  loquantur.  1,23  M  In  X  [7,18] 
In.stitutionum  oratoriarum  2,2  M  Quintilianus  in  I  cap.  ult.  et 
Gellius  in  X  [vielmehr  XI]  cap.  7  (§  o\.  2.14  M  Formulae  ad 
quarnm  exempla  pueris  sitassuescendum.  2.22  M  In  arte  poe- 
tica  [vielmehr  Sermon.  2,  3,  248).  3,1  M  Terentii  proprietatem 
commendat  maxime  Servius  et  Ciceronis  facilitatem  Fabius 
in  X.  3.8  M  Vide  de  Aristarchi  appellatione  Chiliades  Erasmi 
[Opera  ed.  Beatus  Rhenanus  2  (1540),  S.  178].  4,8  M  Ad 
calculum  voco  id  est  supputo.  5,10  M  Allusio  ad  proverbium 
'Ne  obulus  quidera  est,  quo  restim  emam.'  [Erasmus  2, 
S.  115].  5.10  M  Antiquitas  cuique  homini  duos  genios  attri- 
butos  putabat,  alterum  bonum,  alterum  malum,  quos  theologi 
angelos  vocant.  Vide  Erasmum  in  proverbiis  'genius  malus' 
[2,  S.  49].  5.21  Andria  4,  5,  10.  7,20  M  Tun  pro  tune. 
Comicum.  0.18  M  Mos  eorum,  qui  citra  Graecae  linguae 
cognitionem  docendi  provinciam  assumunt.  10.3  M  Nemo 
olim  habebatur  doctus  ex  Latinis,  qui  non  par  esset  in 
utriusque  orationis  facultate.  11,18  M  Tide  Hieronymum  in 
commentario  super  Matthaeum  et  Capnionem  in  defensione 
[Migne,  Patr.  Lat.  26,  1231".  zu  Matthaeus  3.  16,  17.  Benignus, 
Defensio  Joannis  Reuchlin  (1517),  Bl.  F  3a|.  11,27  ]\1  Vergilius, 
Aeneis  V  [v.  344].  12,6  M  Dedimus  hoc  memoriae  optimi  et 
doctissimi  iuvenis  Gregorii  Aubani,  amici  nostri,  qui  Lipsiae 
magna  laude  docuit,  quem  immatura  morte  sub]atum  dolemus 
[s.o.S.XXIV].  13,12MVideGemuminIlcap.l8.  13.1ßMVide 
Gellium  in  V  cap.  3  et  Laertium  in  vita  Democriti  et  Cle- 
anthis  [1520  setzte  Mosellan  für  Democrit  mit  größerem 
Rechte  Protagoras  ein,  von  dem  diese  Lastträgergeschichte 
schon  in  alter  Zeit  erzählt  wurde,  vgl.  Lange,  Gesch.  d. 
Materialismus«  1,  S.  27.  131].  13,20  Vgl.  die  bei  Teuffei, 
Gesch.  d.  röm.  Lit.^  1  (1890),  S.  149  zitierten  Stellen  aus 
GeUius  und  Hieronymus.  14,10  M  Pulchre  hos  captandarum 
avium  modos  dactylicis  complectitur  Prudentius  in  hymno, 
cuius  initium  O  crucifer  etc.'  [in  Mosellans  Ausgabe  des 
Cathemerinon  Über,  von  dem  mir  nur  ein  Druck  Lips.  1533 
zur  Verfügung  steht,  Bl.  A  7].  14,20  M  Vide  Plinium  [Hist. 
nat.]  in  XVIII  cap.  1  et  5  et  Ciceronem  in  Catone  maiore 
(i<i<  23  f..  51  ff.].  15.21  M  Libro  primo  [1,  12  ff.].  15,25  M  In 
epistolis  ad  Atticum  [VlI,  3,  10.  Die  übrigen  Stellen,  an 
denen  Cicero  von  Terenz  spricht,  übersieht  man  bei  E.  Scholl- 
mej^er,  (^uid  Cicero  de  poetis  Romanorum  iudicaverit.    Hall. 

Lat.  Litteraturdenkm.  18.  d 


L  EINLEITUNG. 

Piss.  18S4.  S.  P  f..  2-4  f.l.  ir>.2«  M  In  j^raofatione  Historiae 
naturalis  |>;  22].  10.1  Augustinus.  Do  civitate  r>oi  1,  3  (^linne, 
Patr.  Lat.  41.  Sp.  16).  Vi:;!.  Comparotti.  Viri:;ili(>  ncl  niedio 
evo-  1  (ISU6),  S.  109  f.  !(»..')  M  Opus  hoc  hvmnorum  inscri- 
hitus  Kn!^t;utQit'iöv.  16.7  M  llncliiridü  ))raelortio  Erpliordiae 
ordinaria  orit  posthar.  10,15  M  Xi>n  dannianius  hos.  sed  eis 
moHoros  praet'oriniu^^-.  ad  stihnn  |)aninduni  phis  ohsunt 
(juani  prosint.  10.20  M  Lei;untur  In  a  confinnati  iudicii 
honiiuibus  tum.  cum  mores  sunt  in  tuto.  16.25  Polit.  10, 
cap.  7.  S.  10.32  Übor  Hiicliorproise  im  1(5.  ,)li.  vp;[.  ZDK(«. 
XF.  2  (1S7;5).  S.  12(5  IT.  Kapi).  Gesch.  d.  Hucldiandels  1  (ISSil), 
S.  305  0'.  liBKG.  11  (10(C.).  S.  180  f.,  wo  auch  die  l'aedologia 
selbst  genannt  wird.  17.20  Über  das  Sinojen  der  Schüler  vi*"}. 
7..  B.  Urkundenbuch  der  Stailt  ].eii>zi,i;-  2  (1870),  S.  388.  IH.IIO 
Über  die  Teilnahme  der  Schüler  an  Begräbnissen  vgl.  11.  .]. 
Kaemmel.  Gesch.  d.  Schulw.  S.  199,  Neubaur.  Aus  der  Ge.sch. 
d.  Elbinger  Gvmn.  Progr.  1897,  S.  56.  19.24  M  Die  seelbadt. 
10.28  M  Die  si)yend.  20.2H  M  Vide  Macrobium  in  Saturna 
lliorum  IIb.  2,  cap.  (i.  >;  o)  dr  dicteriis.  21.5  M  Die  frunies. 
21,11  M  lu  epistola  'l[.2,  301-  21.24  Über  diese  uralten 
Spiele,  die  in  vielen  Schülerges])rächen  erwähnt  werden, 
vgl.  Zingerle,  Das  deutsche  Kinders])iel  im  Mittelalter-  (1873) 
und  die  Nachweise  von  Bömer  (Register  s.  v.  Spiele).  In 
der  Emmericher  Schulordnung  (1570)  wird  das  Ballspiel 
ausdrücklich  empfohlen;  aber  auch  dabei  soll  lateinisch  ge- 
sprochen werden,  vgl.  Liesen,  Progr.  1899,  S.  IV.  22.7  M 
Der  Kulchenn  spylen.  23,10  M  Vide  proverbia  Erasmi 
[Opera  2,  S.  809.  944.  Der  Xame  der  oft  erwähnten  heim- 
lichen Aufpasser,  die  den  Schülern  sehr  unheimlich  waren, 
geht  zurück  auf  das  Sprichwort 'Mwoy^ffao^-  i^xQoäCtro' ;  Näheres 
bei  Bömer  S.  100  f.].  23,23  M  Lupus  [Diese  Bedeutung 
des  Wortes  "Lupus",  die  noch  Zarncke,  Die  Deutschen  Uni- 
versitäten 1,  S.  230  nicht  weiter  zu  belegen  wußte,  ist 
keineswegs  ungebräuchlich;  vgl.  außer  Massebieau  S.  103 
und  Bömer  S.  11  Kehrs  Päd.  Bll.  14  (1885)  S.  468[.  25.15 
Über  das  Martinsfe.st  s.  o.  S.  XXVI.  Celtes,  Fünf  Büclier 
Epigr.  ed.  Hartfelder  (1881).  8.  51  f.  Herzogs  Prot.  Real- 
enzvk.  ^  12,  S.  389  ff.  20,7  Vgl.  Hartlelder.  Katharinen- 
fest  der  Heidelberger  Arti.stenfakultät,  NHJbb.  1  (1891), 
S.  52  ff.  20.24  M  Erasmus  inter  proverbia  retulit  [Opera  2, 
S.  19[.  27.5  M  In  arte  [poet.,  Ep.  2,  3,  412  iT.[,  27,22 
Über  den  Knabenbischof  vgl.  S])echt  S.  222  ff.  Knepper 
S.  433  ff.  Hof fmann-K rayer,  SchweizAVK.  7  ( 1903),  S.  120  ff., 
201  ff.  Über  das  Nikolausfest  viel  Material  kritiklos  dar- 
gebracht bei  Schnell,  Sanct  Nicolaus.  Brunn  1883  »5.  2H,11 
Dachte  Mosellan  hier  an  bestimmte  Tragödien?  Schwerlich. 
Agamemnon  tritt  ja  vielfach  auf,  aber  Priamos?  Die  ver- 
schollene Tragödie  des  Flaminius  (Creizenach  2,  S.  375)  wird 


EINLEITUNG.  LJ 

ihm  kaum  bekannt  ficewesen  sein.  Höchstens,  daß  ihm  die 
Notiz  des  Suidas  (ed.  Bernliardy  2,  Sp.  1478),  wonach 
Philokles  einen  'Priamos'  geschrieben  hat,  gegenwärtig 
war:  mit  Suidas  hatte  er  sich  viel  beschäftigt  (Fichardus, 
Virorum  qui  sujjcriori  nostroque  saeculo  eruditione  .  .  me- 
morabiles  fuerunt  vitae  ISSH,  Bl.  9f)).  29,1  M  Stechen  vnnd 
rennen.  29,4  M  Tornier.  30,8  M  In  exempla  ad  Laetam 
et  ad  Nepotianum  de  clericorum  officiis  |Migne,  Patr.  Lat. 
22,  686  f.,  266  f.].  31,1  M  Vergil.  Aeneis  1  (199.  219|.  31,10 
Vgl.  SBWienAk.,  Hist.  phil.  Kl.  40  (1862),  S.  177  ff.  RhGBll. 
1  (1895),  S.  12  f.  31.22  Vgl.  Hoffmann  -  Krayer,  Neu- 
jahrsfeier im  alten  Basel,  SchweizAVK.  7  (1903),  S. 
102  ff.  187  ff.  32.26  M  Magi,  vidc  Picum  Mirandulanum 
in  conclusione  XllI,  ni  fallor  memoria  [vielmehr  concl.  XV. 
XXVI.  XXXI  =  S.  69  ff.  der  Opera,  Basileae  1601;  was 
Mosellan  hier  vorträgt,  deckt  sich  vollkommen  mit  den  An- 
schauungen Picos,  vgl.  Liebert,  Picos  ausgewählte  Schriften 
(19(  >5),  S.  227  f.  33.3  M  In  Georgicis.  Id  est.  reges  donivoraces 
[Erga  261 1.  33,5  M  In  sermone  de  natalicia  Christi  [Migne, 
Patr.  Graeca  36,  845 ff.],  quem  nos  Latinum  fecimus  [Köln, 
Caesar  1518.  40.  (Dresden)].  33,15  Vgl.  VFSch.  (s.  o.  S.  XXXIV 
Amii.  3)  1,  S.  113.  Zarncke  1,  S.  174.  34,25  M  Fasnacht. 
34.20  Auch  Melanchthon  warnte  öfter  vor  der  Zügellosigkeit 
beim  Fastnachtsfest;  die  Ausschreitungen  kämen  ihm  wie 
eine  Nachahmung  der  Bacchanalien  vor  (Hartfelder,  M.  als 
Praecept.  Germ.  S.  94).  Das  Verbot  in  Masken  herumzulaufen 
war  in  Leipzig  nicht  neu,  s.  Zarncke  1,  S.  169.  175.  Auch 
die  Urbanalia  vergleicht  Mosellan  mit  den  Bacchanalien  s.  u. 
S.41,  24.  35,10MConfessio.  35.22  MHaec  ratio  videtur  propter 
quam  confessio  a  sanctis  patribus  sit  instituta.  35,30  Über  das 
Gregoriusfest,  das  sich  in  manchen  Orten  bis  zum  19.  Jh. 
erhalten  hat.  ist  sehr  viel  geschrieben  worden,  meist  ohne 
daß  der  eine  die  Forschungen  des  andern  kannte.  Die 
Sache  ist,  abgesehen  von  dem  kulturhistorischen  Interesse, 
das  sie  bietet,  deshalb  nicht  ganz  unwichtig,  weil  man 
gemeint  hat,  in  den  Veranstaltungen  beim  Gregoriusfest 
lägen  die  Keime  des  Schuldramas:  so  Oerdel,  Über  die 
Pflege  des  Dramas  auf  deutschen  Gelehrten-Schulen,  Tü- 
binger Diss.  1870,  S.  8  f.  Ich  kann  hier  nicht  näher  darauf 
eingehen  und  verweise  nur  auf  die  Arbeiten  von  Schauer, 
Niedners  Zeitschr.  f.  d.  historische  Theologie  22  (1852), 
S.  147  ff.  Knothe.  NLausitzM.  39  (1862),  S.  45  ff.  Eck- 
stein. Zittauer  Progr.  1888.  Auch  in  den  Geschichten  der 
einzelnen  Gymnasien  ist  vielfach  von  dem  Feste  die  Rede, 
vgl.  z.  B.  Süss,  Gesch.  d.  Gymn.  zu  Freiberg,  2.  Progr.  1877, 
S.  50ff.  Bartusch,  Annaberger  Lateinschule  (1897),  S  183 ff. 
38.6  M  Vide  Nazianzenum  in  sermone  de  pascha  [Migne, 
Patr.  Graeca  36,  845  ff.].  38,25  Vgl. VFSch.  1,S.  19.  38,30  M  Amb- 


IJI  EINLEITUNG. 

iirbialia.  Vide  Plinium  in  Will.  Verg'Hus  in  Georgiens  [1, 
343  ff.  Bei  Pliuius  werden  nacli  Sillij^s  Index  zur  Hist.  nat. 
(1S57  S)  weder  die  Amburbialia  noch  die  Ambarvalianandiaft 
neniaeht.  sondern  nur  IS,  2,  8  die  Fornacalia  und  18,  10,  28-4 
die  l\obi,i;alia,  Floralia.  Vinalia.  Über  die  vonScrvius  erwähn- 
ten Ausdrücke  AmburlMalia  und  Anibarvalia  s.  Forcellini  ed. 
De-Vit  1.  S.  227.  234.  Zur  Sache:  Pfannenschniid  S.  86  ff. 
Wissowa.  Keli-ion  der  Isomer  (llH)2).  S.  130.  1G2  f.  16.")  f.  3r)01. 
3«.l  M  Ambarvalia  |s.  /u  38.  301.  3».2  f.  s.  zu  38.  30.  'M)2'y 
1  >al3  M.  hier,  wie  IJümer  8.  104  vcrnuitet,  eine  lateinische 
Übersetzung  des  byzantinischen  XgKTTog  nna/Mv  (Krunibacher 
S.  746  ff.)  im  Au.<;e  hatte,  halte  ich  für  ausgesclilossen.  Eher 
käme  noch  der  Theoandrothanatos  des  Qnintianus  Stoa 
(Creizenach  2.  S.  372  f.)  in  Frage.  Aber  es  braucht  ja  nicht 
unbedingt  ein  lateinisches  Stück  zu  sein.  Herzog  Georg 
war  ein  Freund  des  Dramas:  er  hatte  1513  eine  größere 
Summe  gestiftet,  damit  jährlicli  am  Grünen  Donnerstag 
und  den  folgenden  Tagen  bis  auf  den  lilg.  O.stertag  die 
ganze  Historie  vom  Leiden,  Sterben  und  Auferstehen  Christi 
zu  Meißen  agieret  worden,  welches  sonderlich  zu  Leipzig 
solemniter  gehalten.'  Blümner,  der  in  seiner  Geschichte 
des  Theaters  in  Leipzig  (1818),  S.  14  f.  diese  Stelle  aus  Lau- 
rentius  Fausts  P>klerung  des  Stammbaums  aller  Hertzogen 
zu  Sachsen  (1588),  S.  208  f.  anführt,  bemerkt  dazu,  daß  das 
Wort  agieren'  vielleicht  nur  von  einer  Prozession  zu  ver- 
stehen sei.  Keineswegs.  —  Über  Schulaufführungen  in  Leii)zig 
zu  MoseUans  Zeit  vgl.  Geß,  NASächsG.  IG,  S.  54  f.  40.26  .M  Id 
est,  capite  comatos  ornatosque  (Ilias2.  11.  323  usw.).  41,25  M 
Urbanalia  [Fest  der  Winzer,  vgl.  z.  B.  Elsäss.  LD.  1.  S.  104. 
Knepper  S.  442  f.].  43. S  Benef.  1.  2.  44.14  M  Abusus  memoriae 
non  intellecta  tradentium.  44.24  M  Quid  ex  j)raelectione  docta 
Sit  exsi)ectandum.  47.19  ]\1  Academiarum  diversitas.  47,32  M 
Quae  habere  debeat  universitas  piena.  48.17.  20  M  Lijtsia. 
Vuittemberga.  Lrphurdia.  Basilea.  Lovanium.  40,11  M  Ratio 
delii^endi  praeceptrtris.  49,19  M  Indicia  boni  praece]>toris. 
49.26  M  Vide  Gellium  in  primo  llibro]  cap.  IX.  51  Vgl. 
Hartfelder,    Melanchthon    (1889),    S.  469   u.   oben   S.   XVII. 

Ich  habe  zu  dieser  Arbeit  die  Bibliotheken  reichlich 
behelligen  müssen.  Fast  alle  j^reußischen  Universitäts- 
bibliotheken, namentlich  die  Göttinger  und  die  Breslauer, 
auch  die  Universitätsbibliotheken  zu  Leii)zig  und  Straß- 
burg, die  Stadtbibliothek  in  Königsberg,  die  Hofbibliothek 
in  Wien  haben  mir  Material  gesandt,  andere  deutsche  und 
ausländische  Bibliotheken  mich  durch  Auskünfte  unter- 
stützt. Besonderer  Dank  gebührt  der  Großherzoglichen 
Bibliothek  zu  Darmstadt  und  der  Ratsschulbibliotnek  zu 
Zwickau,  die  mir  mit  rühmenswerter  Liberalität  ihre  Aus- 


EINLEITUNG.  LIII 

gaben  der  Paedologia  viele  Monate  lang  zur  Verfügung 
stellten.  Vor  allem  aber  fühle  ich  mich  der  Kgl.  Bibliothek 
in  Berlin  zu  Dank  verpflichtet:  tagaus  tagein  hat  sie  mir 
ihre  eigenen  Schätze  dargeboten  und  überdies  die  Zusendung 
der  fremden  freundlich  vermittelt.  Auch  der  tätigen  Hilfe 
des  Auskunftsbureaus  der  deutschen  Bibliotheken  sei  hier 
gedacht. 

Zum  Schluß  drängt  es  mich,  Herrn  Professor  Dr.  Max 
Herrmann  herzlichen  Dank  zu  sagen,  der  meine  Arbeit 
mit  gewohnter  Teilnahme  begleitet  und  durch  seinen  Rat 
vielfach  gefördert  hat. 

Berlin,  den  1.  Mai  1906. 

Hermann  Miehel. 


lÄV 


Personen  Verzeichnis. 

Die  Nainoii  in  den  Aninerkunpcn  sind  nicht  bcrücl<sich(igt. 


Aesticanipiamis.  J.  Rhagius  \'III. 
Asanicninon  2S. 
Aizricoia.  G.  XV.  XI.VIF  f. 
Aibrccht  v.  Mainz  XXVIII.  4«. 
Alfeld.  A.  XIII. 
Apiiloiiis  XXV.  16. 
Aristophancs  VIII. 
Aristoteles  48. 
Aubanus,  G.  Coelins  XXIV. 
Auerbach  s.  Stromer. 
Aupustinus  XII.  XVI.  16. 
Ausonius  VI. 

Bacchus  27.  41. 
Barlandus,  H.  XL. 
Blaurer,  Th.  XIII. 
Borner,  C.  VIII.  XIII. 
Busche,  H.  v.  d.  VII. 

Caesarius.  J.  VII.  XXXVII. 

Camerarius,  J.  XV. 

Carlowitz,  Chr.  v.  XV.  XVII.  51. 

Catharina.  hl.  2.5  f. 

Catull  XXV.  16. 

Cicero    XIX.    XXII.    XXIV.    XXXIII. 

XXXIX.  3.  1.5  f.  45. 
Claudianus  Mamertus  XVI. 
Cleanthes  13. 
Cordcrius,  .M.  XXXIX. 
Cornificius  XXXIV. 
Corvinus,  L.  XXI. 
Creutziger,  C.  XLVII  f 
Crocus,  R.  IX  f.  XLV. 

Democrit  13. 

Diomedes  (Grammaticus)  XXXVII. 

Duncanus,  M.  XLI. 

Erasmus,  D.  X.  XIII  ff.  XVII  f.  XXIII. 
XXV.   XXVIII.  XXXVII  ff.  16. 

Galba  20. 

Gellius,  Aulus  XXXIII.  2. 

Georg  V.  Sachsen  X  ff.  XIV  f. 

Glareanus,  H.  VII. 

Gregorius,  hl.  .3.5. 

Gregorius  v.  Nazianz  XVI.  33. 

Hannibal  22. 

Hegendorphinus.  Chr.  XXV.  XXXIX  f. 

Hcsiod  33. 

Hieronymus  VI.  XXIII.  XXXIII.  XLIV. 

30. 
Homer  40. 

Horaz  XXII.  2.  21.  27. 
Horlenius,  J.  VII. 
Hundern,  A.  XXI. 
Hütten.  U.  v.  X.  XXV.  XXVIII.  XXXII. 


Johannes,  hl.  31. 

Lukian  X\'II.  XXXII. 

Lotther.  M.  XI. IX  f. 

Luther.  M.  VI.  XI.  XIII f.  XVIIlf.  XXV. 

Macrobius  XXXIII. 

Martial  XXV.  Ki. 

Martin  US,  hl.  25. 

Martianus  Capella  XXV.  16. 

Melanchthon,  Ph.  X.  XV.  XXV. 

Moritz  V.  Sachsen  ,XVII. 

Murmellius,  .1.  VII. 

Musler,  J.  XV. 

Muliaiius  Rufus,  C.  XIII.  XXIII.  XXX. 

Niavis,  P.  XXI.  XLL 
Nicolaus,  hl.  27. 
Novenianus,  Ph.  XXIV. 

Petrarca,  F.  XXVIII. 

Pflug.  J.  V.  XV. 

Pirckheimer,  W.  XVI. 

Piaton  XXXII.  XLIV.  16.  48. 

Platter,  Th.  XXXVI. 

Plautus  XXXIII.  13. 

Plinius  XXXIII.  15. 

Poliandcr,  J.  XII.   XVII  fL  XXII.  1  fL 

Priamus  28. 

Protagoras  XLVIII. 

Prudentius  XXV.  XXXIII.  16. 

Pythagoras  26.  49. 

Quintilian    XIX.    XXVII  f.    XXXIII  L 
XLVII.  1  f.  1.5. 

Rabus,  L.  XXXIX. 
Reuchlin,  J.  XXIX.  XXXVIL 
Roth,  St.  XLVII  f. 

Schottenius,  H.  XL. 

Seneca  43. 

Servius  (Grammaticus)  XXXIII. 

Sturm,  J.  XXV.  XXVIII. 

Stromer,  H.  (Auerbach)  XII. 

Terenz   XIX.    XXIV.    XXXII  f.   3.   5. 

15.  45. 
Theophrast  48. 
Tibull  XXV.  16. 
Trotzendorf,  V.  XV. 

Urbanus,  hl.  41. 

Velaraeus.  .1.  XLIV. 
Venus  22.  27. 

Virgil  XXIV.  XXXIII.    1.5.  45. 
Vives,  L.  XLL 

Wimpfeling,  J.  XXIIL  XXIX. 


Pettl  JlofcUant  prote- 

pnfijj  in  purroi^  ufum 

confcripttt* 

§ttroni)mu^. 


Non  lunt  contenenda  quasi  parua 

fine  quibus  magna  coftare  nö 

poffunt. 


Petrus  Mosellanus  loanni  Poliandro  Lipsiae 
apiid   divum  Thomam    ludimagistro    suo  S. 

Es  tu  quidem,  mi  loannes,  iam  annos  multos 
re  ipsa  expertus,   quanta  cum  difficultate  et  quam 

5  sero  infirma  puerorum  aetas  ad  Latinitatis  antiquae 
imitationem  perveniat.  Xam  cum  post  prima  rei 
grammaticae  rudimenta  tenera  ingenia  statim  ad 
Latini  sermonis  usum  adigantur  nee  tamen  ulla  eis 
via  ad  haue  rem  demonstretur,  fit,  ut,  dum  utcum- 

10  que  quod  iubentur  praestare  conantur,  novam 
quandam  loquendi  rationem  plane  barbaram  et  per 
vernaculi  sermonis  vestigia  ingredientem  inter  se 
sibi  ipsi  confingant.  Quod  Vitium  rudibus  animis 
et  per  hoc  tenacioribus  primum  impressum  postea 

15  nulla  arte  deleri  potest.  Atque  haec  causa  mihi 
videtur,  quod  non  Germani  solum,  sed  et  Jtali,  qui 
nobis  hac  parte  feliciores  videri  volunt,  sermone 
cotidiano  immundo  adeo  et  parum  proprio  utuntur. 
Videas  enim  bonam  partem  eorum,    qui  hodie  lin- 

20  guam  Latinam  profitentur,  in  loquendo  nihil  minus 
spirare  quam  nativum  illum  et  incorruptum  Romani 
sermonis  odorem,  ut  candidissimae  eloquentiae 
scriptor  Fabius  de  extemporali  orationis  facultate 
frustra    scripsisse    videatur.       Quid    quod   hoc  ma- 

25  lum  gravioris   etiam  aetatis  prot'ectibus  omnem  au- 

Lat.  Litteraturdenkm.   18.  ]^ 


2  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

fert  gratiam?  Alioqui  qua  causa  male  audiunt  apud 
Quintiliaiuim  et  item  Gcllium  ofV.aaDsTc,  nisi  quod 
quia  a  teneris,  ut  aiunt,  unguiculis  optimis  non  sunt 
adsueti?  Obvia  quaeque  in  auctoribus  citra  delectum 
5  in  suum  usum  converrunt,  ut  dictio  eorum  omnis 
non  propria  et  domi  suae  nata,  sed  e  variis  scrip- 
toribus  ostiatim  quasi  mendicando  congesta  delicati 
iudicii  hominibus  non  possit  non  putere.  Haec  cum 
tu    non    minus    acute    quam    graviter   perpenderes 

10  nihilque  haberes  potius  quam  puerorum,  qui  tuae 
fidei  sunt  concrediti,  rüdem  et  ad  omnia  sequacem 
animum  ad  optima  quaeque  perducere,  mecum  egisti 
saepe,  ut  lociuendi  formulas  aliquot,  quibus  ea  aetas 
uti  posset.  conscriberem.    Diu,   ut  nosti,  sum  relu- 

15  ctatus,  i)artim  quod  ipse  gravioribus  occupatus  hanc 

(A2a]  operam  utilissimam  quidem  illam,  |  sed  in  spe- 
ciem  tamen  humilem  et  paene  sordidam  dedignarer, 
partim  quod,  quia  in  ludis  eiusmodi  ipse  non  ad- 
modum  essem  versatus,  vix  possem  eam  quasi  per- 

20  sonam  cum  decoro  gerere.  Videbam  enim  ad  hanc 
fabulam  agendam  opus  fore  denuo  repuerascere  et, 
ut  ait  Flaccus,  ludere  par  impar,  equitare  in  har- 
undine  longa.  Sed  cum  tu  rogandi  finem  faceres 
nuUum  pariterque   te,  qui  probe  puerorum  sensum 

'25  calleres,  si  qua  nobis  hac  parte  deessent,  supple- 
turum  promitteres.  volui  quamvis  calumniam  subire 
potius  quam  vel  tibi  amico  tum  sinceriter  amanti 
tum  prudenter  roganti  quicquam  negare  vel  meo 
pudore  publicum  pueritiae  commodum  diutius  remo- 

30  rari.  lam  si  quis  est,  qui  vehementer  putet  indi- 
gnum  has,  sicuti  prima  fronte  videntur,  nugas  in 
chartarum  perniciem  scribi,  is  mihi  virum  paulisper 
exuat  et  in  puerum  redeat  cogitetque  iam  primum 
sibi  Latini  sermonis  usum  discendum.  Statim,  opinor, 

.35  videbit,    quam    facile  et   nullo    paene    negotio    per 


PRAEFATIO.  3 

eiusmodi  fabulas  velut  quosdam  gradus  ad  Terentii 
Proprietäten!  ac  Ciceronianam  facilitatem  prima  illa 
aetas  traduci  potuisset.  Quis  autem  laturus  esset, 
immo  quis  non  statim  exsibilaturus,  si  ex  puerili  per- 

5  sona  tetricam  istam  senum  sapientiam  sonarem? 
Tametsi  sunt  bis  nugamentis  nostris  admixta  quae- 
dam,  quae  seria  ducere  videri  possint,  usque  adeo, 
ut  et  hoc  nomine  ab  Aristarchis  istis  vix  tutus  sim 
futurus.      Sed    malui    ego    decori   paulisper   oblitus 

10  paucula  subinde  aspergere,  quae,  si  pueris  suis 
litteratores  praelegant  attente,  queant  cum  studiorum 
abusum  tollere  tum  pueritiae  mores  ad  Christianam 
regulam  corrigere.  Hos  labores  tibi,  mi  Poliander, 
dicare  volui  nominatim,  ut,  qui  auctor  nobis  et  ad- 

15  iutor  ad  haec  scribenda  fuisti,  idem  quoque  suscipias, 
quicquid  id  est  libelli.  tua  facundia,  auctoritate  ac 
gratia  tuendum.  Quod  si  ex  hac  editione  ad  te  im- 
pulsorem  et  me  scriptorem  äut  nulla  aut  tenuis 
admodum  gloria  redibit,    solemur  nos  ipsi  per  hoc, 

20  quod  nullo  popularis  aurae  pruritu,  sed  pio  et  sim- 
plici  animo  uterque  nostrum  hoc  negotium  tractavi- 
mus,  tu  adhortando,  ego  scribendo,  siquidem  iuvare 
studuimus  saltem  aliquos,  nocere  nemini.  Bene 
vale.     Lipsiae,    ipsis   ieriis    divi  Matthaei    apostoli, 

25  anno  MDXVIII. 


DlAl.OGVS  I. 

Caspar  et  Modestus. 
De  nundinis  fabulantur. 

Caspar.  Age  vero,  Modeste:  quot  dies  hinc 
5  absunt  nundinarum  feriae,  quibus  frequentes  adeo 
huc  peregrini  adveniunt  mercatores? 

Modestus.  Dies,  ni  fallor,  quattuordecim,  nam 
accurate  singulas  paene  horas  ad  calculum  voco, 
siquidem  nulluni  tempus  totius  anni  cupidius  ex- 
10  specto  quam  nundinarum. 

Caspar.  Non  iniuria,  quandoquidem  hae  feriae 
partim  nuntios.  partim  litteras,  partim  omnibus 
litteris  gratiores  pecunias  nobis  apportant.  Quod 
si  non  et  mihi  iam  plane  exhausto  proximae  nun- 
15  dinae  argenti  subsidium  attulerint,  non  potero  hie 
diutius  durare. 

Modestus.  Pecunias  quidem.  id  quod  satis 
scio,  accipiam  nullas,  pannum  tamen  in  vestem 
hibernam  se  discedenti  mihi  missurum  promisit 
20  pater. 

Caspar.  Vtinam  uterque  voti  compos  fiat,  ut 
et  tu  commodius  vestitus  et  ego  nummatior  urgentis 
hiemis  iniurias  minori  negotio  propulsare  queamus. 


DIALOGVS  I-III.  5 

DIALOGVS  IL 

Osvaldus  et  Michael. 

De   natali    celebrando,    de    receptis    pecuniis    deque    bono 

cuiusque  genio. 

5  Osvaldus.  Xon  tu  hodie  tuum  natalem  cele- 
bras  atque  nos  tuos  sodales  convivio  excipis"?  An 
ignoras  hunc  diem  divo  Michaeli,  cuius  tu  nomen 
refers,  esse  sacrum? 

Michael.    Scio  equidem;   quid  autem  facerem, 
10  quando  ne  obolum  quidem  habeo,  quo  panem  emere 
queam,  nedum  convivia  agitarem? 

Osvaldus.  Xon  his  nundinis  a  parentibus  tibi 
nummi  sunt  missi? 

Michael.     Sunt  utique,   sed    ante  nundinarum 

15  exitum  e  mercatore,   qui  litteras  modo  dedit,  extor- 

quere  possum  nihil;  alt  enim  sibi  in  tanto  hominum 

IA3a]   strepitu  otium  ad  I  numerandas  pecunias  non  esse; 

alioqui  non  modo  natalem  meum  convivio  exciperem, 

sed  et  genio  bono,  quem  angelum  dicimus,  pecuhari 

20  aliqua  hilaritate  gratificarer. 

Osvaldus.  Itaque  Terentiano  illo  satis  excusati 
sumus:  'Vt  quimus'  aiunt,  quando  'ut  volumus'  non 
licet. 


DIALOGVS  IIL 

25  Petrus  et  Paulus. 

De    reditu    in    patriam,    de    htteris    a   parentibus    acceptis 

deque  missione  flagitanda. 

Petrus.     Salve,  mi  Paule. 
Paulus.     Et  tu,   sodalium  iucundissime,  Petre. 
30  Sed  quid  adeo  es  tristis?     Xam  ex  quo  communia 
studia  idemque    hie  ludus    mutua   nos  familiaritate 


6  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

iiinxonint.  viiltii  alacri  et  festivo  mihi  semper  es 
Visus,  ut  ex  his.  quos  hie  habet  Indus,  fuerit 
nemo,  qui  non  te  familiariter  uti  concupiverit.  Nunc 
nescio  quomodo  alius  videris. 

5  Petrus.     Et  mirum    tibi  videtur.   si  viiltu   sum 

tristi.  cum  eiusmodi  quiddam  mihi  accidat.  quod 
Studiorum  meorum  progressum  non  parum  queat 
remorari? 

Paulus.     Quid  illud.  quaeso?     Xam  ,irrave  ali- 

10  quid  sit  oportet,  quod  te  adulescentem  constantem 
a  studiis  deducat. 

Petrus.  Dicam  paucis.  lam  annus  ferme  est, 
ex  quo  ludi  huius  nostri  celebritate  excitus  huc  ad 
capiendum    ingenii    cultum  concessi;    quo    tempore 

15  studiorum  meorum  vix  rationem  inveni,  cum  mihi 
e  patria  offeruntur  litterae,  quae  me  domum  quasi 
ex  medio  studiorum  cursu  revocant.  Et  quod  me 
omnium  maxime  male  habet,  reditus  mei  causas 
non  edunt.     Nee  seire  possum.  an  hue  tandem  liceat 

20  remigrare. 

Paulus.  Qui  scis.  an  ad  fortunam  aliquam 
avoceris? 

[A3b]     Petrus.     Nulla    mihi    fortuna  potest    incidere  | 

25  tanta.  euius  respectu  litteras  queam  posthabere. 
Paulus.     At  parentibus  est  obsequendum. 
Petrus.     Hoc  illud  est,    quod  me  movet,    quod 
me    hine    domum    extrudit.      Alioqui,    tametsi    non 
tantum    est    aeris,    quo    hanc   hiemem  transmittere 

30  queam,  tamen  prae  studiorum  amore  vietum  men- 
dieando  ostiatim  quaeritassem. 

Paulus.     Non  antequam  hinc   abeas  nunquam 
forsan  rediturus,  convivium  inter  nos  agitabimus? 
Petrus.    Convivia  agitarem,  qui  ad  supelleetilis 

35  meae  sareinam  componendam  A'ix  tempus  habeo? 
Immo  iam  reeta  ad  ludimagistrum  pergo  missionem 


DIALOGVS  III,  IV.  7 

eff lagitaturus ;  quam  ubi  fuero  consecutus,  conter- 
raneorum  meorum  litteris,  quas  ad  parentes  suos 
mihi  dabunt,  acceptis  statim  iter  ingrediar.  Quare 
rectissime  vale,  mi  Paule,  mutuae  nostrae  consue- 
5  tudinis  memor.  Quod  si  quando  dabitur  otium,  fac 
de  studiorum  tuorum  ratione  et  ludi  huius  statu  me 
litteris  tuis  certiorem  reddas. 

Paulus.    Faciam   sedulo,    mi  Petre,    et  lubens 
quidem;  sed  heus  tu  .   . 
10         Petrus.     Quid  est? 

Paulus.  Conterraneos  tuos,  quorum  consuetudo, 
dum  hie  erant,  utrique  nostrum  erat  grata,  meo 
nomine  diligenter  salutes  -velim. 

Petrus.     Sat  est:  faciam. 


15  DIALOGVS  IV. 

De    conveniendo  praeceptore,    missione  impetranda   deque 
gratiis  praeceptori  agendis. 

Pandulus  et  Petrus;  Ludimagister. 

Pandulus.     Quis  es,    qui  trepide    adeo  pulsas 
20  ostium?     En  Petre,  tun  pulsasti? 
Petrus.     Pulsavi. 

Pandulus.     Sed  qua  gratia  huc  intromitti  po- 
stulas":    Non  ut  magistrum  convenias? 

Petrus.      Maxime,    si    est   intus:    habeo,   quod 
25  cum  eo  agam  ipse. 

Pandulus.      Est    intus;    sed    mane   paulisper, 

[A4a]   dum  huc  tibi  renuntio,  an  hoc  temporis  articu-  |  lo 

ei  te  audire  vacet.  —  Here,   scholasticus    quispiam 

foris  exspectat,    qui,    si  non  sit  molestum,    cupit  te 

30  de  re  quapiam  convenire. 


5  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

Ludimairister.    Quin  huc  adest? 

Pandiilus.     lam,  iam  aderit.  — 

Petrus.      Salve,    praeceptor    optime.      Avocor 

hinc  in  patriam  seriis  parentum  meorum  litteris,  et, 

5  si  non  avocarer,    ipsa  tarnen    aeris  egestas   et  item 

nuditas  domum  abigere  me  possent.     Itaque  gratias 

ago    tibi    immortales,    observantissime    praeceptor, 

quod  me  prinuim  in  tuam  disciplinam  humanissime 

recipere  dignatus   es.    deinde    ex  »luo    tuao  scholae 

10  fui  sectator  et  fideliter  et  accurate  tarn  litteris  bonis 

quam  rectis  moribus  expolire  studuisti.     Porro  quia, 

ut  dixi.  non  amplius  hie  morari  licet,  quam  possum 

amanter  oro,   ut  qua  humanitate   me  hactenus  tra- 

ctasti.     eadem    et    migrandi    potestatem     concedas. 

15  Etenim,    si  modo  id  pace  fiet  tua,    cras  prima  luce 

iter  sumus  ingressuri. 

Ludimagister.  Si  quid  leci,  quod  gratum 
sit,  adulescens  studiose,  hoc  totum  non  mihi,  sed 
praeceptoris  officio  feres  acceptum.  Ceterum,  quan- 
20  do  te  hinc  parentum  litteris  avocari  dicis,  abi  me 
permittente  bonis  avibus,  quocumque  te  vel  paren- 
tes  vocant  vel  rectius  forsan  consilium  hortatur. 

Petrus.     Sed  illac  qua  iter  sum  facturus,  ami- 
cosne  aliquos  habes,    quos    litteris  salutare  cupias? 
25  Quandoquidem    ipse  perferendi  onus    in  me  lubens 
recipio. 

Ludimagister.     Xon  admodum;  et  ut  maxime 

haberem,     tot    tamen    aliis    negotiis   in    praesentia 

districto    scribere  non  vacaret.     Quare  tu,    quod  ad 

30  litteras  attinet,  securus  iter  destinatum,  quando  lu- 

bet,  capesse. 

Petrus.    Bene  vale. 


DIALOGVS  IV,  V.  9 

[A4b]  DIALOGVS  V. 

De    excii>iendis    scholasticis    aliiinde  advenientibus    deque 
Graecae  litteraturae  rudimentis  in  prima  aetate  addiscendis. 

Marcus  et  Joannes. 

5  Marcus.  Vnde  nobis  advenis,  mi  loannes? 
Aut  quo  animo  huc  ad  nos  es  profectus?  Neque 
enim  opinor  ludi  huius  gratia  venis,  qui  ante  tot 
meis  atque  item  aliorum  litteris  invitatus  huc  per- 
trahi  non  potuisti. 

10         loannes.    Immo  hac  ipsa  causa  adsum. 

Marcus.  Vtcumque  sit,  gaudeo  te  festivissimum 
sodalem  nobis  redditum.  Et  hie  adventus  tuus 
non  mihi  solum,  sed  omnibus,  qui  te  norunt,  optatus 
est.     Sed  enim  aperias  oro,  quidnam  sit  illud.  quod 

15  te  tandem  huc  allexerit. 
loannes.    Vis  scire? 
Marcus.     Volo. 

loannes.  Aiidies.  Cum  primum  puber  f actus 
graviori  paulo  cura  praeceptorem  scriptores  Latinos 

20  praelegentem  audire  coepissem,  subinde  Graeculae 
aliquot  voces  nobis  occurrebant;  quo  loco  praeceptor 
suo  munere  egregie  se  putabat  perfungi,  quotiens 
obiter  tantiim  admoneret  esse  ea  Graeca,  perinde 
ac  si  peregrina    ad  nos    nihil  attinerent.     Hie    quid 

25  aliis  audientibus  in  mentem  venerit,  nescio,  equidem 
sie  cogitabam:  si  ad  nos  haec  non  pertinent,  ut  nee 
cognita  doctum  nee  incognita  imperitum  reddant, 
cur  non  ex  libris  tamquam  oiiendicula  quaedam 
penitus    eradimus?     Deinde   mirabar  veterum  scri- 

30  ptorum  paene  omnium  curiositatem,  qui  non  solum 
magna  cura  peregrinas  istas  nugas  didicissent,  sed 
et  libris  suis  velut  maculas  quasdam  inspersissent. 
Postremo,  quamquam  a  praeceptore  libere  dissentire 
erat  religio,  tamen,  cum  audirem  esse  vires  graves 


IQ  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

(Bia]  multos.  qiii  |  has.  siculi  tum  putabalur,  nugas 
amplecterontur  profiterenturque,  paiilatim  circum- 
spicere  coepi,  utrum  credere  mallem:  ma.iristrumne 
meum    potius  ignorantia  labi    an  totam  semel  anti- 

5  quitatem  et  ex  recentioribus  optimos  quosque  pueri- 
liter  delirare.  Itaque  sie  mihi  inter  hoc  fluctuanti 
et  in  quam  partem  inclinarem  haesitanti  forte 
fortuna  cecidit,  ut  Marei  Tullii  Ciceronis  iibros  de 
offieiis  enarrandos    praeceptor  susciperet,    in    cuius 

10  lectionis  ingressu  statim  in  ipsa  praefatione  gra- 
vissimus  ille  et  philosophus  et  orator  unico  suo  fiiio 
suadet,  ut  Graeca  cum  Latinis  coniungat,  quo  par 
Sit  in  utriusque  orationis  facultate;  hoc  ubi  praece- 
ptore  dissimulante  mihi  arripuissem,  graviter  dolere 

15  coepi  negatam  nobis  occasionem  eas  litteras  discendi, 
quarum  Studium,  si  essent  inutiles,  nee  laudaret 
consul  Romanus  nee  filio  unico  iniungeret  pruden- 
tissimus  pater. 

Marcus.     lam  video,  quo  tendas. 

20  loannes.  Mane:  nondum  omnia  habes.  Cum 
haec  subiratus  mecum  agitarem,  ecce  rumor  apud 
nos  increbrescit  in  hanc  laudatissimam  academiam 
principis  munificentia  accersitos,  qui  publice  Graecas 
litteras  doceant  et  ex  eorum  velut  fontibus  nonnihil 

25  quoque  in  ludum  litterarium  derivari.  Haec  fama 
partim  litteris,  partim  commeantibus  confirmata 
illinc  me  utriusque  eruditionis  cupidum  excivit  et 
huc  appulit.  Habes,  cur  advenerim :  nimirum  ut  in 
hoc  vestro  ludo  et  Graecae  linguae  elementa  saltem 

30  liceat  percipere. 

Marcus.     Dubio  procul  voti  compos  eris  neque 
ahquo  alio  felicius   te  conlerre  potuisses:    adeo    hie 

[Bib]  omnia  nobis  sunt  com-  !  moda.  Denique,  quod 
peculiariter    ad    rem  pertinet,    ludus,    si    quisquam 

35  alibi,  instructissimus. 


DIALOGVS  V,  VI.  11 

Joannes.      Sed  quando    satis    fabulati    sumus, 

hanc  operam    non  negabis,   opinor,    ut    me    ad  ludi 

moderatorem  deducas,    siquidem  iam  statim  nomen 

meum  in  hanc  litterariam  militiam  dare  sum  paratus. 

5         Marcus.     Faciam  ac  lubens:  tu  me  sequere. 


DIALOGVS  VI. 

De  recipiendis  in  disciplinam  scholasticis. 
Marcus,  Ludimagister,  loannes. 

Marcus.  En  tibi,  praeceptor  optime,  adduco 
10  hie  quendam,  cum  quo  iam  annos  aliquot  mihi  fuit 
familiaritas,  hominem  bonum  et  studiosum.  Is  tui 
ludi  fama  excitus  huc  appulit.  Quare  magnae  fe- 
licitatis  loco  ducet,  si  se  in  tuorum  gregem  recipere 
dignatus  fueris. 
15  Ludimagister.  Adulescens  bone,  quod  tibi 
est  nomen? 

loannes.     Est  mihi  nomen  loannes. 
Ludimagister.   Faustum  plane  nomen  es  sor- 
titus,  quippe  hoc  Hebraeis  a  gratia  dicitur.     Quam- 
20  obrem  summa   ope  tibi  est  enitendum,    ut  tam  gra- 
tiosi  nominis  exspectationi  pro  tua  virili  respondeas. 
loannes.      Equidem    pro  viribus    sedulo    dabo 
operam  teque  in  hoc  mihi  adiutorem  fore  spero. 
Ludimagister.    Sed  et  ipsa  corporis  tui  facies 
25  animum  subesse  ostendit,  qui  neque  a  litteris  neque 
virtutibus  abhorreat,  adeo,  ut,  si  fortiter  egeris,  et 
de  te  dici  demum  possit  illud:    gratior  est  pulchro 
veniens  e  corpore  virtus.     Quo  libentius  te  in  meam 
disciplinam   recipio,    si  modo   das  fidem  te  boni  di- 
so scipuli  officio  apud  me  functurum. 


12  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

loannes.       Do    luiem     me     in    omnibus    quod 
rectum  erit  quodque  tu  iusseris  facturum. 
[B2a]       Lud  imagister.     IIa    spero     |     quidem.      Sed 
quae  tibi  est  patria?   Vt  in  rationarium  hoc  quoque 
5  adscribam. 

loannes.  Patria  mihi  est  Auba,  oppidum  Fran- 
ciae  Orientalis  non  procul  ab  Herbipoli,  colebri  sa- 
cerdotum  sede.  situm. 

Lud  imagister.      Sat    habeo.     Quod    superest, 
10  curabiiur  tibi   pro   tua  sorte  commoditateque  domi- 
cilium.     Ac  tu  quidem  in  eo  sie  te  gere,    ne  aliqua 
macula  hinc  in  nostram  scholam  redundet. 

loannes.     Quod  ad  haue  rem  attinet,    securus 
esto,  optime  praeceptor;  nam,  ut  inquilinum  decot, 
15  modestissime   agam.      Xunquid    aliud   mihi    vis   in- 
iungere": 

Ludimagist  er.  Nihil,  nam  si  quid  superest 
tibi  praestandum,  cotidie  inter  praelegendum  a  nobis 
dicetur. 


20  DIALOGVS  VIL 

De  domicilio  commodo  atque  incommodo  deque  paupertate 
atque  opuientia  scholasticorum. 

losephus  et  Cleanthes. 

losephus.   Quid  agitur,  mi  Cleanthes'?  Contigit- 
25  ne  tibi  commoda  habitandi  ratio  V    Aut  adhuc  incertis 
sedibus  oberras? 

Cleanthes.     Contigit  quidem  habitaculum,  sed 

eius  commoditas  tanta  non  est,  quantam  fore  speravi, 

siquidem  spes  erat  fore,    ut  civis  alicuius  beneficio 

30  una    cum    domicilio  et   victum  qualemcumque  nan- 

ciscerer;  verum  multo  aUter  evenit.    Nam  vix  im- 


DIALOG VS  VI,  VII.  13 

petrare  potui,  ut  pro  locario  statuto  mihi  angiilus  in 
ludo  locaretur;  victum  vero,  quando  pecuniae  est 
parum,  ostiatim  emendicari  oportebit,  nisi  forte  melior 
mihi  fortuna  posthac  obvenerit.  Tu  aiitem  ielix  es, 
5  mi  Josephe,  cui  parentes  tantum  sumptum  suppedi- 
tare  sufficiunt,  quantum  ad  studiorum  commoditatem 
est  satis. 

losephiis.     Est,    diis  gratia,    unde  haec  com- 

[B2b]  moda  mihi  parem,    |    sed  quo  plura  mihi  sunt  ad 

10  disciphnas  parandas  commoda,  eo  ipso  graviori  dignus 
essem  odio,  si  non  plus  quam  vestrum  quispiam 
didicero.  Attamen  nee  vos  de  mediocri  studiorum 
vestrorum  profectu  desperare  decet,  quandoquidem 
constat    multos    humili    natos    loco    ad   haec    nuUis 

15  omnino  fortunae  dotibus  adiutos  ad  eruditionis  fasti- 
gium  ascendisse.  An  non  Democritus  ille  physicus 
ex  baiulo  f actus  est  philosophus?  Non  Cleanthes, 
cuius  tu  nomen  refers,  aquis  noctu  hauriendis  diur- 
num  victum  sibi  quaesivit?    Et  quem  Stoicum  hie 

20  non  aequavit?  Sed  et  Plautus  inter  ipsos  pistrinae 
molestos  labores  laudatissimas  illas  comoedias  con- 
scripsit. 

Cleanthes.      His   et    eiusmodi  aliis    exemplis 
animatus  in  studiis  persevero :  alioqui  me  iam  pridem 

25  ad  manuarium  aliquod  artificiumtranstulissem.  Quam- 
•quam  sunt  mei  ordinis  plerique  adulescentes  in  ludis 
magis  putrescentes  quam  studentes  adeo  infelici 
ingenio,  ut  ad  nullas  litteras  sint  appositi;  hi  mihi 
nulli    alii   usui    esse  videntur   in   civitatibus,    quam 

30  quod  alios  mendicos,  dum  eis  panem  praeripiunt,  ex 
urbibus  pellunt:  iis  ego  consulerem,  ut  se  ad  aUquod 
aliud  Studium  applicarent. 

losephus.     Probe  dicis,   mi  Cleanthes;  nam  si 
omnes  eiusmodi  essent  ingenio  praediti  quali  tu.  fo- 

35  vendos  modis  omnibus  putarem.     Certe,  quod  ad  te 


14  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

attinet,   spero   prope  diem  tibi  meliorem  fore  condi- 
cionem.  nempe  ut  apud  civem  qucnipiam,  ciii  nonnun- 
qiiam  inservias.  omnem  stiidiorum  commoditatem  sis 
habiturus. 
5         Cleanthos.     Vtinam  Dens  ita  faxiti 

losephus.     Faxit:    ne    dubita    et    in   hoc  mea 
commendatione  iuvabere. 


IB3ai  DIALOGVS  VIII. 

Andreas   ac  Philippiis. 
10  De  vinJemia  et  aiicupio  loquuntur. 

Andreas.  Vtinam,  mi  Philippe,  iam  domi  apud 
parentes  ageremusi 

Philippus.     Quid  ita? 

Andreas.  Rogas7  Imminet  iam  vindemiae  tem- 
15  pus,  quo  nuUum  toto  anno  nostratibus  accidit  laetius. 

Philippus.  Quid  ego  audio?  Tune  simul  vini- 
torem  ais  agere  et  litterarum  cultorem? 

Andreas.  Animi  causa  racemos  decerperemus, 
degustaremus  e  lacu  mustum;  neque  enim  diutius 
20  abesse  optarem,  quam  mustum  in  dolia  conditum 
deferbuisset  despumassetque;  ad  haec  decoqueremus 
sapam,  defrutum  ac  vini  veteris  faecem.  Quid  quod 
nobis  liceret  et  aucupio  voluptatem  quaerere,  si- 
quidem  volucres  captaremus  iam  retibus  explicatis, 
25  iam  pedicis  fixis,  nonnunquam  vero  et  viminibus 
visco  illitisl 

Philippus.  Sine:  parentes  harum  rerum  curara 
srerant;  tu.  si  sapis,  in  litteris  te  oblecta! 

Andreas.  Atqui  audivi  magnos  viros  in  eius- 
30  modi  rusticis  rebus  oblectationem  quaesivisse. 


DIALOGVS  VII-IX.  15 

f 

Philippiis.  Recte,  quando  magnis  viris  haec 
sunt  permittenda;  nobis  vero,  qui  nondum  ultra 
primas  litteras  progressi  sumus,  non  itidem. 

Andreas.  Semper  tu  quidem  meis  adfectibus 
5  obstrepis,  non  minus  quam  praeceptor. 

Philippus.  Quod  ad  te  attinet,  age,  age,  ut 
lubet;  me  certe  non  habebis  huius  tuae  stultitiae 
comitem. 


DIALOGVS  IX. 

10  De  auctoribus  proximo  semestri  in  schola  praelegendis. 
Thomas  et  Hieronymus. 

Thomas.  Quid  est,  quod  illac  venis,  Hieronyme, 
aut  ubi  fuisti? 

Hieronymus.     Redeo  a  praeceptore  eo,   qui  a 

[B3bi   ludimagistro  primas  te-  |  net. 

Thomas.  Age,  quid  is  narrat  de  auctoribus 
hoc  semestri  praelegendis?  lam  enim,  sicut  opinor, 
eorum  delectum  habuerunt. 

Hieronymus.      Habuerunt   idque.    sicuti    dici 

20  audio,  prudenter.  Nam  praeter  utriusque  linguae 
rudim.enta  ex  Fabii  praescripto  coniunctim  tradenda 
primum  Terentianas  comoedias  exponendas  sus- 
ceperunt,  quod  hie  scriptor  ex  Latinis  paene  solus 
Romani  sermonis  nativam  et  genuinam  propriotatem 

25  retineat,  adeo  ut  nee  Marcum  Tullium,  oratorem 
principem,  puduerit  ad  huius  exemplum  orationes 
suas  formare;  deinde  Marci  Tullii  Officia,  quod  is 
über  non  linguam  solum  eloquentia  poliat,  sed  et 
pectus  rectis  moribus  instruat,  unde  et  Plinii  iudicio 

30  non  legendus,  sed  ad  verbum  sit  ediscendus.  Postremo 
aliquot  Vergiliani  poematis  libri  exponentur,  nempe 


Iß  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

iit  Aiigustini  iudicio  optimus  poeta  teneris  animis 
infixus  in  omnoin  usque  vitam  haereat.  Ad  haoc, 
qiiando  parum  est  aequum  Christianos  in  gentilium 
libris  esse  totos,    eis  diebus,    quibus  ferias  agimiis, 

5  elegantissimos  simiil  et  gravissimos  hymnos  Aurelii 
Prudentii,  gravis  et  sancti  viri,  audiemus  aut,  si 
hi  displiceant,  'Enchiridion  militis  Cliristiani'  ab 
Erasmo  Roterodam«»  accuratissime  elaboratum.  Quae 
si.    ut  spero,  et  pro  suo  officio  explicarint  accurate 

10  praeceptores  et  nos  pari  diligentia  exceperimus,  non 
opinor  male  hoc  semestre  nobis  fore  coUocatum. 

Thomas.  Xon  iniuria  hunc  laudant  delectum. 
mi  Hieronyme;  neque  enim  unquam  eorum  mihi 
placiiit  institutum,  qui  his  et  id  genus  aliis  optimis 

15  scriptoribus  posthabitis  in  Apuleio,  Cai)ella  et  eius 
farinae    auctoribus    ceteris  bonas  horas  male  collo- 

(B4a]  cant.  (jui  |  scriptores  Ciceroniana  eloquentia  non 
contenti  sibi  solis  novam  dicendi  rationem  invenerunt, 
quasi  non  summum  sit  orationis  Vitium  a  communi 

20  dicendi  consuetudine  abhorrere.  Xam  qui  citra  de- 
lectum Catullos,  Tibullos,  Martiales  et  huiusmodi 
enarrant  et  per  hoc  discipulos  peregrina  et  prodi- 
giosa  docent  vitia,  hi  mihi  non  verbis,  sed  verberibus 
coercendi  videntur.     Hi   enim  sunt  illi  poetae,  quos 

25  solos  e  re  publica  sua  pellendos  statuit  Plato.  Atque 
haec  non  ex  me  dico,  sed  quod  sie  censentes  audi- 
verim  doctissimos    pariter    et  integerrimos   viros. 

Hieronymus.  Kecte  ergo  lacit  ludi  noster 
magister,  qui  eiusmodi  nihil  in  scholam  suam  irrepere 

30  sinit.  Sed  ego  iam  recta  hinc  in  bibliopolium  con- 
cedam  libros,  de  quibus  dixi,  coempturus. 

Thomas.    Xostin  quanti  haec  simul  emi  possint? 

Hieronymus.     Hauddum  licitatus  sum;  opinor 

aureo    nummo.    siquidem    audio    indicari    argenteis 

.35  viginti  quattuor. 


DIALOGVS  IX,  X.  J[7 

Thomas.  Bene  habet,  quod  non  pluris  ven- 
diintiir:  alioqui,  quae  mea  est  egestas,  coemere  non 
suffecissem. 

Hieron ym US.     Eamus  ergo. 
5         Thomas.     Quando  vis;    in  me   non  est  mora. 


DIALOGVS  X. 

Complectens  formulas  loquendi  de  feriis. 
Stephanus,  Laurentiiis. 

Stephanus.     Quem  aiunt  hodie  apud  populum 
10  in  templo  nostro  contionaturum,  mi  Laurent!  ? 

Laurentius.     Audio  quempiam  e  monachis  in 
suggestum  proditurum. 

Stephanus.      Miror    non     insignem     aliquem 

theologum  ei  negotio  adhiberi.  maxime  cum  ingens 

15  hominum    turba    hodie    in     hanc     aedem    confluat. 

propterea  quod    sacrificus  quidam    nuper  in   sacer- 

dotum  ordinem  assumptus  primum  sacra  faciet. 

IB4b]       Laurentius.     Et  mihi  mirum  videtur.  j  quam- 

quam,    quod    ad    me    attinet,    vollem    contio    quam 

20  brevissima  haberetur.    Etenim  iam  nunc  vehementer 

esurio  biduano  iam  paene  ieiunio  maceratus.     Xam 

his  diebus,    quibus  a  carnibus  abstinetur,  nunquam 

abeo  recte  saturatus. 

Stephanus.     Duas  adhuc  horas  edendi  aviditas 

25  tibi    est    reprimenda,    siquidem   praeter    contionem, 

quae  horam  poscit,  scis  quantum  temporis  in  summo 

sacrificio  choraula   sibi  sumat,    quam    etiam    paene 

superant  hae  nostrae  cantiones  supra  modumprolixae. 

Laurentius.     Male  sit  istis,   qui  harum  rerum 

30  nobis  sunt  auctores  I    Ipse  certe  statim,  ubi  peractum 

fuerit  sacrum,    ad  divitum    ostia    citato   adeo   cursu 

Lat.  Litteraturdenkm.    18.  2 


13  ,MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

coniendam.  ut  si  non  in  primis,  sccundis  saltem  et 
tertiis  stipem  accipiam. 

Stephaniis.     Sed  me  vi\  antovertes. 

Laurent! US.     Res  ipsa  indicabit. 


5  DIALOGVS  XI. 

Clemens  et  Reniigius. 
De  die  a  feriis  secundo,  quem  Martis  vocant,  confabulantiir. 

Clemens.     Vae  nobis,  mi  Remigi:  ultra  prae- 
scriptum  dormivimusi    lam  enim  sol  undique  i)lena 
10  luce    resplendet,    ut   sei)timae  horae  Signum   datum 
liceat  con leere. 

Remigi  US.  Xon,  opinor,  caeliim  nlioqui  praeter 
morem  est  serenum,  etiamsi  alias  hoc  die  somnulentiae 
meae  poenas  non  raro  dedi. 
15  Clemens.  Vtcumque  sit,  male  metuo  mihi  a 
ferula;  quare  occasionem  aliquam,  qua  hodie  e  scholis 
emanere  liceat,  quaeram. 

Remigius.     Quam  eam? 

Clemens.     Scis,  quid  a  nobis  heri  contenderit 
20  hera  nostra? 

Remigius.     Scio,   nempe   ut  familiam  haurien- 
dis  aquis  iuvemus.      Sed  quid  tum? 

Clemens.      Haec    erit  rima  satis    idonea,    per 

25  quam  elabamur;   quamobrem  tuum  erit,  ubi  octavae 

(Böa)    Signum  auditum  fuerit,  quasi  e  mediis    |    laboribus 

in    ludum  ingredi  atque  a  praeceptoribus  emanendi 

copiam  poscere  hac  ipsa.  quam  dixi,  causa  assignata. 

Remigius.     Vereor.    ut  procedat   commentum, 

30  quandoquidem   hoc   die.    quo   funus  magnificum   est 

deducendum  et  defuncti  manibiis   parentandum.  vix 


DIA LO GVS  X— XII.  19 

facultatem   hanc  dabit  et  alioqui  pauci  iam  adsunt, 
qui  pompam  instruant. 

Clemens.  Tentandum  est,  utcumque  res 
exeat;  ac  nescio  quomodo  hat*  die  mihi  semper  in- 
visiim  est  scholas  adire  non  minus  quam  si  in 
pistrinum  aliquod  mihi  sit  redeundum.  Credo,  quocl 
pridiani  otii  sensus  adhuc  reliquus  sie  rehictantem 
faciat. 


DIALOGVS  XII. 

10  Burchardus  et  Albinus. 

De  nuptiis,  balaeis  ac  viscerationibus. 

Burchardus.      Nuptias    hodie    futuras     aiunt, 
Albine,  tu  quippiam  ea  de  re  audisti? 
Albinus.     Audi  vi. 
15         Burchardus.     Danda  est  opera,    ut  et  nos   e 
nuptialibus  cibis  aliquid  acquiramus. 

Albinus.     Quod  ad  cibum   attinet,    hodie  nihil 

moror:    heri  enim  mihi  prospexi,    unde  hunc  diem 

commode  liceat  transigere;  sed  quod  a  prandio  sal- 

20  tationem  in  theatro  spectare  non  possum,    hoc  vero 

est,  quod  me  male  habet. 

Burchardus.   At  quid  vetat,  quo  minus  spectes? 

Albinus.     Ignoras  l'orsan  in  hunc  diem  nobis 

pii   cLiiuspiam  beneficio  balneas    gratuito  condictas; 

25  a  quibus  abesse  saltationis  spectandae  studio  an  tu 

putas  fore  consultum? 

Burchardus.   Vide:  nisi  submonuisses,  egregie 

luissem   oblitus,    neque   venisset  in  mentem  visce- 

rationis,    quae  et  ipsa  in  hodiernum  diem  est  con- 

30  stituta.     Valeant   nuptiae    cum    sponso    ac    sponsa; 

[B5b]   nos  quae  i  propius  ad  nos  pertinent  curemus. 


OQ  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

DlALOCiVS  XIII. 

S  ixt  US  et  Alexander. 
Do  infjoiiii  ]iraest:intia  contondimt. 

Sixtus.    Felix  tu  (juideni  es,  mi  Alexander,  ciii 

5  Ingenium  tarn   feeundum  tamque  persplcax   rontisit. 

Alexander.     Est  n(ibis.  Christo  Deo  gratia,  nou 

omnino  infelix.  sed  tarnen  non  tantuni,  quam  forsan 

tibi   videtur.     Fit  enim,    nescio  «|uo  modo,  ut  nostri 

nosmet  paeniteat,  aliena  fere  suspioiamus. 

10         Sixtus.    Et  tu,  quantum  audio,  aliqui«!  insuper 

desideras. 

Alexander.     Quidni?    Quando  memoriam  mihi 
sentio  omnino   fluxam   et  parum  tenacem:    nam    ut 
facile  quae  traduntur  percii>io,  ita  non  sine  maximo 
15  negotio  pereepta  retineo. 

Sixtus.  At  ego  «liffioulter  intellego,  verum 
semel  intellecta  diutissimo  reservo:  et,  ut  video,  tibi 
cereum  est  ingenium.  mihi  vero  saxeum.  Cerae 
quidvis  facile  impresseris,  at  impressum  vestigium 
20  statim  evanescit;  saxo  tametsi  quid  non  sine  labore 
insculpitur.  semel  tamen  insculi)tum  multis  saeculis 
»lurat. 

Alexander.     Recte  plane  confers,   sed  hoc  me 

male  habet,  quo<l  videas  plerosque  ingenio  numeris 

25  Omnibus   felicissimo   praeditos,    at   vicissim   moribus 

adeo   turpibus.   ut  non  inepte  dixeris  eorum  ingenia 

male  habitare. 

Sixtus.      Credo    dicterium    hoc    vetus    esse   et 
olim  <le  Galba,  homine  ad  i)rodigium  usque  deformi, 
30  dictum:  sie  enim  audire  commemini. 

Alexander.    Probe,  sed  nee  ipse.  opinor,  inepte 
huc  detorsi. 


DIALOGVS  XIII— XV.  21 

[B6a]  DIALOGVS  XIV. 

Servius  et  Sulpicius. 

De  signo  tintinnabulorum  dequa  immodico  somno. 

Servius.  Quin  surgis,  Sulpici?  lam  tintinnabula 

5  ultimum  dilucularis    sacrificii   Signum  dederunt,    et 

non  ignoras.  quanta  hominum  frequentia  hoc  sacrum 

peragatur,  ut  flagitium    plane  sit   nos    in    tempore 

non  adesse. 

Sulpicius.      lamiam     surgam,     tametsi    caput 

10  adhuc  sopore  grave  sentio :  utinam  liceret  ad  satie- 

tatem  usque  dormire  I   Imitarer  certe  hodie  Horatianos 

illos   iuvenes,    quibus  pulchrum   videtur  in    medios 

dormire  dies. 

Servius.     At  ego  te  diutius  non  opperior,    ne 

15  haec  mora  mihi  piagas  lucrifaciat.     Ego  hinc  abeo; 

tu,  quando  lubet,    sequere    aut    tuo  periculo  dormi. 

Sulpicius.     lamiam  te  comitabor;    ne    festina 

tantopere. 

Servius.     Nihil  moror:   nunc  non  est  nugandi 
20  locus:  a  prandio  vero,  ubi  pro  more  nobis  a  studiis 
remissio  data  fuerit,  nugabimur. 


DIALOGVS  XV. 

Henricus  et  Fridericus. 

De  ludendi  ratione  aiunt. 

25         Henricus.     Tu  nobiscum  pila  ludes,  Friderice? 
An  cum  istis  cursu  mavis  certare? 

Fridericus.     Mallem    cum   uno    et    altero  iu- 
cundo  sodah  deambulatum  ire. 

Henricus.    Quin  tu  ante  paulisper  pila  colludis? 
30  Postea  et  nos  una  tecum  deambulabimus. 


OO  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

Fridericus.  At  ego  hiiiusce  liidi  non  adniodum 
sum  peritus,  nam  nee  caute  i)ilam  mittere  nee 
missam  manu  satis  eerta  excipere  sufficio. 

Henricus.     Nihil  est,  quod  hac  gratia  sis  solli- 

scitiis:  ipsa  rei  exercitatio  te  satis  quid  facto  opus 
Sit  admonebit.  Quod  si  hinc  modis  omnibus  ab- 
horres,  age  ludum  minoris  negotii,  nempe  globularem 
incipiamus. 

[B6b]      Fridericus.     Quando    ita   vultis,    non    recuso, 

10  tametsi  praeter  risum  spectantium  nihil  me  lucra- 
turum  scio.  Siquidem  ubi  decies  aberraro,  vix  semel 
tandem  ferio  idque  casu  magis  quam  arte. 

Henricus.  Xon  magni  refert  in  hoc  certamine, 
vincas   an  vincaris;    neque    enim  caput    agitur    aut 

15  pro  pecunia  certatur. 


DIALOGVS  XVI. 

lulianus  et  Damianus. 

De   quaestionibus    commissorum.    qnae    die    Veneris    in 

ludis  exercentur. 

20  lulianus.  0  noster  Damiane,  adest  rursus 
dies,  quem  ego  non  minus  nobis  nefastum  et  ex- 
secrandum  puto  quam  olim  Romani  illum,  quo  in 
Cannensi  pugna  tot  Romanorum  milia  ab  Hannibale 
sunt  trucidata. 

25  Damianus.  Quid  ita?  Num  mali  aliquid  huic 
scholae  ex  hoc  die  impendet? 

lulianus.     Et  tu  nescis,   praesertim  tot  annos 
in  ludis  versatus? 

Damianus.     Qui  scire    possum  scholae    huius 

30  consuetudinem  nuper  admodum  huc  profectus? 


DIALOGVS  XV,  XVI.  23 

lulianus.     Qiiaestiones  hodie  fiunt  in  ludo  non 
aliter  quam  quadam  carnit'icina. 
Damianus.     Quid  narras? 
lulianus.      Vera    quidem,    nam    de    singulis, 
5  quae   per   totum  septimanae    cursum  quoquo  modo 
commisimus,    hodie    quisque   pro    se   poenas     dare 
cogimur. 

Damianus.     Atqui  scire  possunt  praeceptores, 
quae  singuli  nos  designemus? 
10         lulianus.      Arte    quadam    omnia   expiscantur, 
ut  nihil  illis  occultum  esse  possit. 

Damianus.  Quid  ita?  Xum  divinationum 
sunt  periti? 

lulianus.    Minime,  sed  alia  via  eodem  perve- 

15  niunt,    nam  ahquot  clanculum    in    hoc  selectis  pro- 

vinciam    dant     nos    suos    commilitones     deferendi 

prodendique,    ut    nusquam    quicquam    omnino    tuto 

agere  queamus.     Semper  enim  verendum,  ne  quis- 

[Cia]   piam    ex    eiusmodi  |  'Corycaeis'   nos  auscultet  et 

20  lupus  Sit  in  fabula,  hoc  est,  ille  ipse  nobis  ignoran- 

tibiis  adsit,    qui    quasi  conducticius  proditor   omnia 

ad  praeceptorem  deferat. 

Damianus.     Hoc  illud  forsan  est,  quod  'lupum' 
audio  appellari,  nam  nomen  solum  in  ea  schola,  ubi 
25  ante  egi,  iactabatur. 

lulianus.  Is  ipse  est  ille  clancularius  lupus, 
quem  nos  miselli  non  minus  odiosum  habemus, 
quam  feram  illam  quadrupedem  horrent  oves. 

Damianus.     Vereor,    ne  et  nos  hodie  deferat; 
30  quamobrem  cogitandum  mihi  est,  ut,  si  forsan  reus 
fuero,    vel   me  expurgem  vel    quam   minima  poena 
defungar. 


24  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

DIALOGVS  XVll. 
Petrus  et  Paulus. 

Graviter  ferunt    desiderium   ferianim    deijue    capite   la- 

vando  aoniit. 

5  Petrus.  Ouam  vellem  hunc  diem  abiisse.  ut 
a  tot  totius  scptimanae  laboribus  atque  etiam  bidui 
fame  ad  ferias  deinum  et  carnes  liceat  redire! 

Paulus.     Impatiens    es    morae,    mi  Petre,    qui, 

cum    totam    paene    septimanani    exspectaris,    diem 

10  dimidiatum  durare  non  potes.     Quid    autem   facies, 

ubi  totis  quadraginta    diebus  a  carnibus    est    absti- 

nendum? 

Petrus.     Recte    quidem    obiurgas,    sed    nescio 

quomodo  quanto  viciniores  sunt  feriae.  tanto  magis 

15  earum  me   premit  desiderium.     Sed  nunquid   aliud 

dicere  vis?    Nam    ego   hinc  me   in  tonstrinam  con- 

feram  caput  lotione  curaturus. 

Paulus.     Et   ipse  lavandum    caput  exhiberem, 
si    lotionis    mercedem    tonsori   persolvere    possem; 
20  nunc  autem  tantum  habeo  nummum. 

Petrus.  Sat  est,  nee  ipse  pluris  lavo,  tametsi 
raro  hos  facio  sumptus:  nam  per  anni  curriculum 
vix  sexies  lavo. 

Paulus.     At  saepe  caput  a  sordibus  repurgares; 
[Cib]   aiunt  enim  |  corporis  emundatione  et  Ingenium  ni- 
tidius  quasique  purgatius  reddi. 

Petrus.      Sic   quidem    fertur    idque  propterea, 
quod    scientiarum  sedem    in  capite,    utpote  rationis 
domicilio,  coUocant.   Quare  ocius  eamus. 
30         Paulus.     Quando  lubet. 


DIALOGVS  XVII-XIX.  25 

DIALOGVS  XVIII. 

De  canticis  deque  feriis  divi  Martini, 
Georgius  et  Conradus. 

Georgius.     Age,  mi  Conrade,  quo  cantico  per 

5  haue  hiemem    stipem    colligemus?    Etenim   in   hac 

iirbe  mos  est,  ut  scholastici  aliiiuot  coniunctim  com- 

positis  in  hoc  cantilenis  divitum  convivia  exhilarent. 

Conradus.     Tuum    hoc    luerit  disquirere,    qui 

rei    musicae  peritiam    habes  quique    huius    scholae 

10  melius  quam  ego  tenes. 

Georgius.     Quando  in  me  hanc  curam  reicis, 
aliquid  minime  vulgare  dispiciam.     Sed  die  ab  hinc 
octavo  quid  fieri  soleat,  nosti? 
Conradus.     Die  quid? 
15         Georgius.     Erunt  tum  feriae  praecidaneae  divi 
Martini. 

Conradus.     Quid  tum? 

Georgius.    Est  tunc  messis  nobis  scholasticis 
uberrima,  siquidem    in  eius  diei  vespera  non  escu- 
20  lenta  solum  nobis  largius  solito  dantur,  sed  et  stipem 
egenis  dari  ostiatim  est  receptum. 

Conradus.    Bene  mecum  agetur,  quandoquidem 
corrasurum  me  spero,  quo  hiemem  commodius  trans- 
igere  valeam. 
25  Georgius.    Ita  spero  quidem ;  quare  ad  tempus 

ut  praesto  sis,  vide. 


DIALOGVS  XIX. 

De    ieiunii    vioiata    religione    deque    divae  Catharinae, 
studiorum  praesidis,  numine. 

30  Martinus  et  Valerius. 

Martinus.     Quid  agis,  omnium  impurissime? 
Valerius.     Quid  adeo  in  me  stomacharis,   qui 


0(3  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

lC2a]    aliud  facio  nihil,  quam  quod  ientaculum  ca-  |  pio? 
An  tu  ientaculum  perinde  ducis  ac  piaculum? 

Martin  US.     Quasi   non  sat  grave  sit  piaculum 
in  homine  Christiane^  ioiunii  religionem  violarel 
5         Valerius.     Et    hodie    est   indictum    ieiunium- 
Die,  quo  nomine? 

Martin  US.  Sceleste,  nescis,  quas  lerias  beatae 
Catharinae,  artium  praesidis,  agendas? 

Valerius.     At    non  putaram  praecidaneas  has 
10  ferias  ex  ecclesiae  instituto  sacras. 

Martin  US.  Quid  tum?  Consuetudo  recepta  est 
pro  lege,  et  ut  nulla  sit  consuetudo,  nobis  tamen, 
qui  litteras  sectamur,  qiiibiis  haec  virgo  praesidet, 
hie  dies  ieiunin  religiosissimo  fuerat  colendus. 
15  Valerius.  leiunabo  ergo  deincops  vel  hoc 
siimpto  ientaculo;  neque  enim  lautum  spero  pran- 
dium.  et,  ut  vulgo  dici  audio,  bis  interdiu  male  pasci 
pro  ieiunio  est.  Tnmetsi,  ut  tibi  me  nperiam,  hac- 
tenus  Christum  verum  sapientiae  praesidem  putavi, 
20  ut  qui  sapientiae  nomine  subinde  in  ecclesiasticis 
contionibus  celebretur. 

Marti nus.  Nova  quaedam  inducere  conaris, 
at  ego  communi  omnium  via  ingredi  malo. 

Valerius.    Xon  audisti  illud  Pythagorae:    per 
25  publicam  viam  ne  ambules. 

Marti  nus.  Molestus  es:  tu  tu  um,  ego  meum 
iter  ingrediar. 

DIALOGVS  XX. 

Hippolytus   et  Cletus. 
30  De  frigoris  iniuria  queruntur. 

Hippolytus.  0  quam  sunt  felices,  quibus  per 
opes  iam  licet  domi  ad  caminum  aut  calefactum 
hibernaculum  adsiderel 


DIALOGVS  XIX-XXI.  27 

Cletus.  E  diverso  ejuam  nos  infelices,  qui 
miseri    niillis  pellibus,    immo    nullis  paene  vestibus 

[C2b]  adversum  frigoris  iniuriam  |  armati  per  medios 
imbres,  nives  et  glaciem  ostiatim    quaerere  victum 

5  cogimuri     Sed  solatur  me  illud  Flacci: 

Qui  cupit  optatam  cursu  contingere  metam, 
Multa  tiilit  fecitque  piier,  sudavit  et  alsit, 
Abstiniiit  Venere  et  Baccho,  qui  Pythia  cantat . . 

Alioqui,  si  similis  esset  exitus  illorum  et  noster,  non 
10  esset,    cur    non    iniurium  Deum    dicerem,    qui    tarn 

inique  res  humanas  administraret. 

Hippolytus.    Quin  tacesi    Xe  quid  ferocius  in 

Deum  effutiasi 


DIALOGVS  XXL 

15  Lucanus  et  Statius. 

De  feriis  divi  Nicolai  deque  creando  episcopo. 

Statius.    Quid  tu  nobis  adfers  novi,  mi  Lucane? 
Lucanus.     Nihil,    sed   in   hoc  te  convenio,    ut 
de  communibus  studiis  t'abulemur. 
20         Statius.     Gratus  ergo  mihi  tuus  estadventus; 
adside  huc  nobis. 

Lucanus.    En  adsideo.  Scis,  quid  in  divi  Nicolai 
feriis  apud  nostrates  fieri  soleat'.' 

Statius.      Qui    ipse    possem    scire,    cum    illic 
25  fuerim  nunquam? 

Luc  an  US.     Dicam  ergo  paucis:  qui  ludum  illic 

litterarium  frequentant,   ex  ludimagistri   praescripto 

quempiam    e  suo  grege  episcopum  creant   eumque 

magna  pompa  domum  deducunt  et  stato  tempore  in 

30  templum  reducunt. 


o§  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

Statins.  Quid  commodi  inde  capit  novus  ille 
et  facticius  episcopus? 

Lucanus.  Xescio,  nisi  qiiod  convivio  tandem 
nescio  ciiiiis  sumptu  instructo  cxcipitur  et  tum  lau- 
3  tissime  tractatur. 

Statins.  Xon  et  interim.  dum  est  in  magistratu, 
vacationem  a  discendi  mnnere  habet  ant  aeque  ac 
ceteri  mannm  fernlae  subdit? 

Lncanns.  Aeqne  omnino  adeo,  nt  non  magis 
[C3ai  sit  episcopus,  quam  |  sunt  hi  reges,  qui  in  tragoe- 
diis  Agamemnonis  aut  Priami  personam  gerunt. 

Statins.  Einsmodi  lionorem  mihi  ne  optarem 
qnidem. 


DLALOGVS  XXII. 
15  lacobus  et  Thomas. 

De  variis  spectacuUs  colloquuntur. 

lacobns.     Quid  cras  sit  futurum  audistin? 

Thomas.     Nihil  equidem,   nisi  quae  alias  fieri 
consueverunt. 
20         lacobus.     r>e  spectaculis  nihil? 

Thomas.     Nihil  plane;  num  edentur  aliqua? 

lacobus.    Edentur  et    quidem  varia.    Kam  fu- 

nambulos  duos  adesse  audio,    qui   cras    sui  artificii 

miraculum  ostentabunt.    Tum  Sarmatas  aliquot  vidi 

25  ipse,   qui   immanes  ursos  ad  exiguam  stipem  iuxta 

lituorum  cantus  saltitantes  exhibebunt. 

Thomas.     Curabo  quoquo  modo,  ut  et  ipse  in- 
tersim,  etiamsi  me  ipse  intrudere  debeam. 

lacobus.     Yix  poteris,    quandoquidem  qui  non 
30  numerant  foras  quatiuntur. 

Thomas.     Fallam  ipsos  ianitores. 


DIALOGYS  XXI-XXIII.  99 

lacobus.  Ad  haec  princeps  ipse  in  foro  paria 
aliquot  equitum  exhibcbit,  qui  iuter  sese  infestis 
hastis  concurrent.  Post  4110s  circum  ingredientur 
item  eqiiites  a  calce  ad  verticem  usque  armati,  quos 

5  cataphractos  vocant.  Hi  catervatim  sine  uUo  aut 
ordine  aut  arte  aliiis  in  alium  irriient  et  se  miituis 
ictibus  ab  equis  deicient.  Nam  in  hoc  circiis  im- 
dique  est  circumsaeptus  et,  ne  qni  ceciderint  graviiis 
laedantiir,  fimo  instratiis. 

10         Thomas.     Quam  quaeso  te  vohiptatem  ex  tam 

furioso  et  minime    iucundo  certamine    capiunt   isti? 

lacobus.      Quid?      Nullas    non    lautitias    prae 

hac  vohiptate  contemnunt,    praeterquam    quod    hoc 

tirocinio  ad  seriös  hostium  congressus  praeparantur 

15  et  quasi  animantur. 

[C3b]  Thomas.  Vtcumque  sit,  spectabo  [  et  ipse, 
quomodo  res  agatur. 


DIALOGVS  XXIII. 

De  ieiunioium  ratione  dissenmt. 

20  Conradus  et  Aegidius. 

Conradus.  Maie  sit  istis,  nescio  quibus,  qui 
totum  paene  annum  ieiuniis  onerarunt.  Neque  enim 
satis  fuit  eis  quadraginta  dies  perpetuo  Christi 
ieiunio  esse  sacros,  nisi  insuper  quarta  quaque  anni 

25  parte  aliquot  dies  nos  macerassent.  Instat  rursus 
septimana  per  abstinentiam  transigenda.  Quod  si 
mihi  tanto  apparatu  prandium  apponeretur  quanto 
Ulis,  qui  ieiunia  haec  induxerunt,  non  admodum 
gravatim    eis    parerem;    nunc    cum   vix    toto    anno 

30  semel  rugientem  stomachum  exsatiem,  adhuc  ieiuniis 
vexor. 


.'>0  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

Aegidius.     Quid  ita  stomacharis,   ini  C^nrade, 

in  sanctos  ecclesiae  patres?     Qui   haec  omnia  bono 

animo  statuenint  non  nobis,  (lui  haec  nee  praestare 

per  aetatem    adigimiir  nee  per  in(ipiani  possumus, 

T  sed  siii  siniilibus,  hoc  est  divitibus  istis  et  delicatis. 

C(»nradiis.     Qui  scis  haec? 

Aegidius.  Superiori  anno  e  quodam  contio- 
natore  audivi.  ijui  divo  Hieronynio.  quamquam  acer- 
rimo  ieiuniorum  exactori,  displicere  aiebat  maxime 
10  in  teneris  aetalibus  longa  et  immoderata  ieiunia. 
Ne,  quemadmodum  ipse  scriberet,  ante  pedes  defi- 
ciant.  quam  currere  incipiant,  quare  tantum  ieiuni- 
orum modum  imponendum.  quantum  ferre  poterimus. 

Conrad  US.  Habeo  gratiam  divo  Hieronymo, 
15  qui  pauperculis  nobis  et  impatienter  esurientibus 
patrocinatur. 


DULOGVS   XXIV. 

Penius  et  Franciscus. 
De  feriis  nataliciis  Christi  confabulantur. 

(C4a]  Penius.  Et  gaudeo  et  doleo,  mi  Francisce, 
festa  haec  natahcia  appetere.  Gaudeo  quidem,  quod 
hae  feriae  omnia  laeta  et  festiva  secum  apportant; 
doleo  autem,  quod  scholasticis  nobis  in  add.iscendis 
horum  festorum  cantionibus  grandis  est  exhauriendus 

25  labor.  Praeterea  totis  diebus  in  templis  algendum. 
Postremo  et  illud  vereor.  ne.  si  matutina  sacra  alto 
nimis  sopore  detentus  neglexero,  et  piagas  mihi 
lucrifaciam. 

Franciscus.      Vera    sunt    haec,    quae    dicis; 

30  attamen  quando  hanc  condicionem  accepimus,  ad- 
vigilandum  nobis  erit  et  omnia  fortiter  perlerenda; 


DIALOGVS  XXIII-XXV.  3]^ 

nam  et  peiora  his  passi  siimus.  Dabit  Deus  bis 
quoqiie  finem,  iit  taceam  hos  nostros  labores  in 
pietatis  cultiim  cedere. 

Pen i US.     Gerte  plus  satis   delicati  essemus,   si 

5  non  tantum  molestiae  vel  pro  solo  Christo  devora- 
remus,  cuius  respectu  tot  infantium  innocens  aetas 
crudeles  barbarorum  militum  gladios  est  perpessa; 
cuius  rei  memoria  et  his  feriis  coniuncta  est. 

Franciscus.     Sed  illud  quaeso,  quid  sibi  vult, 

10  quod  sacrificuli  in  divi  loannis  feriis  popularibus 
vinum  e  sacrato  calice  propinant? 

Penius.  Nescio  equidem,  nisi  quod  audivl  hoc 
poculum  utpote  sacrum  antidoti  vice  esse  contra 
veneni  pericula. 

15  Franciscus.  At  ego  nolim  hac  fiducia  cicutam 
bibere,  quantumvis  sit  hoc  poculum,  ut  dicis,  sa- 
crum. 


DIALOGVS  XXV. 

Brutus  et  Petrucius. 

20  De    novi    anni    ingressu    loquuntur  deque  missitandis 

strenulis. 

Brutus.      Faustum  annum  hunc  novum  et  fe- 
licem  tibi  precor,  mi  Petruci. 

Petrucius.     Et  ego,    ut    cum  faenore  tibi  re- 
[C4b]   ponam,  |  non  hunc  solum,  qui  iam  ingreditur,  sed 
omnia  totius  vitae  tempora  beata  tibi  opto. 

Brutus  Tametsi  mallem  strenulam  mihi  potius 
dares  quam  magnificam  illam  et  sollemnem  impre- 
cationem. 
30  Petrucius.  At  quas  strenas  dare  possit 
Petrucius,  qui  praeter  pauculos  libellos  habet  plane 
nihil? 


32  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

Brutus.  LiboUuni  quenipiaui  dares,  quando 
belle  quadrat,  ut  honio  litteris  deditus  litterarium 
quocjue  det  luunusculuni. 

Potrucius.     Verum  hac  liberaütato  studioruni 

5  me<>rum  iacturam  facerem,    (jur^d  nee  ipse,    si  modo 
amicus  es,  nobis  suadebis. 

Brutus.  locabar  tecum  et  te  quid  animi  haberes 
volebam  pertentare.  cum  has  consuetudines  nee 
ipse  magnifnciam,   ut  qui   iam  saepe  audiverim  eas 

10  nobis  e  gentilitate  relietas.  Cuius  generis  esse  audio, 
quod  in  quibusdam  Christian!  orbis  regionibus  pridie 
feriarum,  quae  tribus  magis  sunt  saerae,  singulae 
domus  singulos  reges  creant;  nam  haec  omnia  ex 
ethnieorum  saturnalibiis  in  haee  usque  tempora  de- 

15  fluxisse  apparet. 

Petrueius.  Quia  trium  magorum  mentionem 
feeisti,  velim,  sicubi  aut  audieris  aut  legeris  ipse. 
mihi  expedias,  primum,  quid  sibi  velit:  quod  eos 
divos  alii  reges,  alii  magos  appellant,  quod  posterius 

20  ego  de  solis  malefieis  et  praestigiatoribus  diei  puta- 
bam,  nam  utrumque,  ut  nosti,  in  saeris  canimus; 
deinde,  cur  hae  feriae  graeco  vocabulo  imciavi^ 
nuncupentur. 

Brutus.     Dieam,  quae  super  hac  re  partim  ex 

25  praeeeptore  dietante,  partim  contionatore  superiori 
anno  exeepi.  Prineipio  magorum  appellatione  Chal- 
daei  non.  ut  vulgus  putat,  praestigiatores,  sed  viros 

[Dia]  sapientes  nuneupant  et  secretorum  naturae  eon- 1 
scif)s;   quorum  professio  a  quibusdam  etiam  Latinis 

30  magia  naturalis  dicitur,  sed  quia  haec  res  finibus 
suis  non  contenta  temporis  progressu  in  curiosam 
quandam  daemonum  imposturam  est  delapsa,  coepit 
honestissimae  artis  vocabulum  probro  esse.  Quod 
autem  iidem  hi  reges  in  psalmi  prophetia  dieuntur, 

35  non  sie  est  accipiendum,  ut  hodie  sunt  reges,    hoe 


DIALOGVS  XXV— XXVI.  33 

est,  tot  ditionum  potientes;  sed  qui  qiioquo  modo 
magistratum  gerunt  suntque  numero  vulgi  exempti. 
Quo  modo  et  Hesiodus  corruptos  iudices  et  advocatos 
'^oiaOdcf.;  owpocpocYO'jc  appellat.     Porro  apud   veteres 

5  theologos  Graecos.  ut  Gregorium  Xazianzenum,  audio 
ipsa  natalicia  festa  s-r^avia  dici  consuevisse,  quod 
in  his  Deus  homo  apparuerit.  Verum  quod  et  ma- 
gorum  ferias  hoc  vocabulo  celebrant,  hinc  opinor 
esse,  quod  Ulis  dux  Stella  apparuerit.     Habes,  quae 

10  ego  de  hac  quaestione  audivi.  Plura  si  vis,  ex  do- 
ctioribus  require. 


DIALOGVS  XXVI. 

Valerius  et  Nicolaus. 
De  cereis  in  feriis  beatae  virg-inis  o'estandis  ag^int. 


*<7>' 


15         Valerius.      Quid    tu    cereum    non    habes,    mi 

Xicolae? 

Nico  laus.     Vnde  haberem-,  qui  nee  pecuniam, 

qua  victum    emere    possim,    habeo7      Sed    si    domi 

apud  meos  agerem,    nugas  eiusmodi    mihi    pararet 
20  mater. 

Valerius.      Et    tu    nugas    vocare    audes    res 

sacras? 

Nico  laus.     Quidni?     Neque  enim  statim  iiiero 

haereticus,  etiamsi  nulluni  gestem  cereum,  maxime 
25  cum  non  sit,   unde  emam;  tum  et  Christo  putarem 

longe  fore  gratius,  si  sumptus,  quos  cereis  emendis 

facimus,  in  pauperum  usus  converterentur. 
[Dib]     Valerius.     Atqui   est  haec  [  laudabilis  consue- 

tudo. 
30         Nicolaus.     Est  omnino,  sed  non  adeo,  ut  prae 

ea  meliora   et  magis  Christiana  officia  neglegi   de- 

beant. 

Lat.  Litteraturdenkm.    18.  3 


34  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 


o 


Valerius.     Recte    putas.    nam    et    ipse    saepe 

stultam    miiliorcularum    pietatem    risi.    quae    suffi- 

gendis    etiam   cotidie    cereis  triginta    sex  ndeo    sibi 

placent,  ut  per  hoc  caelum  se  demereri  credant.  »luan- 

5  tuinvis  fortiter  in  plateis  pauperes  esuriant. 


DIALUÜVIS  XXVU. 

Fabian  US  et  Franciscus. 

De  Bdcchanalibus  Christianorum  fabulantur. 

Fabian  US.     Quid   causa  e  est,    Francisce,    quod 
10  heri  ludum  non  es  ingressus? 

Franciscus.     Graviter  ex  capite  laborabam,  ut 
lucem  ferre  non  possem. 

Fabianus.  Belle  morbum  excusas,  quando 
vulgare  iam  est  scholasticos,  si  quando  vel  discendi 
15  sudorem  horreant  vel  lerulam  metuant.  ignaviae 
suae  valetudinem  praetexere.  ut  scholasticus  m(»rbus 
pn»  assimulato  et  conlicto  iampridem  in  proverbium 
abierit. 

Franciscus.     Quid    alii  laciant,    nescio;    certe 

20  quod  ad  me  attinet,  mallem  decies  ferulam  pati  quam 

semel    in    eum    dolorem    recidere.    etiamsi    vixdum 

plane  revalui.     Sed  quid  tute  iam  hie  versaris?     An 

non  hora  iam  est  praeceptoribus  auscultandi? 

Fabianus.  Est,  sed  ob  haec  Christianorum 
25  quasi  Bacchanalia  tridui  missionem  nobis  dedit 
praeceptor;  vetuit  tamen  gravi,  si  quis  diclo  audiens 
non  fuerit,  proposita  poena,  ne  quis  opificum  istorum 
manuariorum  exemplo  larva  personatus  vicatim 
cursitet.  quod  haec  insania  cum  bonis  omnibus 
30  tum  maxime  Christianis  sit  indigna. 

Franciscus.     At    ego    iamdudum    larvam    in 
hunc  usum  domi  inclusam  adservo. 


DIALOGVS  XXVI-XXVIII.  35 

Fabian  US.  Vide,  quid  agas,  nam  de  larvis 
cautum  est.  Porro  compotationes  et  contiones  civiles 
indulsit. 

ID2a]     Franciscus.  |  Parendum  erit:  alioqui   post  im- 

5  permissa  gaudia  fortiter  plorabimus. 


DIALOGVS  XXVTIL 

Vitus  et  Severus. 
De  ieiunio  deque  coafessione,  quam  vocant. 

Vitus.     Quid  istud  portendit.  Severe,   quod  ita 
10  cogitabundus  inainbulas?     Nam  mihi  arduum  quid- 
dam  meditari  videris. 

Severus.     Rogas,  quasi  non  ipsum  hoc  tempus 
te,  quid  agerem,  docere  possit. 

Vitus.     leiuniis    ergo    crebris    te   maceras,    ut 
15  eiusmodi  faciem  exhibeas"? 

Severus.  Minime.  sed  quae  parum  religiöse 
in  Deum  conditorem  atque  eundum  liberatorem  male 
gratus  admisi,  ea  nunc  in  memorJam  revocare 
studeo.  lam  enim  tempus  simul  atque  ecclesiae 
20  edictum  postulat,  ut  peccata  nostra  diligenter  ex- 
cussa  tutis  sacerdotum  auribus  censenda  deponamus, 
quo  ab  eis  de  peccatorum  ratione  edocti,  videlicet 
quaeque  levia  quaeque  gravia  sint,  deinceps  cautius 
vivamus. 
25  Vitus.  At  incurius  ego  ne  semel  quidem  ad- 
huc  de  re  tanta  cogitavi. 

Severus.     Hac  ratione  nihilo  es  melior.    Quin 

mature  nobis  hoc  munere  defungendum  est,  nimirum 

ut   hoc    confitendi  onere,    quo  nulluni    est   gravius, 

30  liberati    divi    Gregorii,    studiorum    praesidis,    ferias 

agamus  expeditiores. 

3* 


3(^  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

Vit  US.     At  istis  feriis.  quaeso  te.  (iiiid  tandem 
agiiur": 

Severus.      Qiiia     is    divus    studiis.      iit    dixi, 
praesidero    putatiir,    piicri.    (Hii    siiam    netatem    in 
5  litteris  agere  volunt,  eo  die  in  lianc  nostram  militiam 
nomina  dant  faustis,  ut  ominantur,  auspiciis. 
Vit  US.     Et  quando  hae  erunt  feriae? 
Severus.     Die,    sicut    opinor,    abhinc    decimo. 
Vit  US.     Quando  ita  suades,    et   ipse    mihi    ori- 
10  cularium  sacrum   (sie  enini  vocant  nonnulli  eruditi) 
quaerani.  in  cuius  sinum  mea  delicta  effundam. 
Severus.      Si  lubet,     eum    accedendi    dabitur 
(D2b)  facultas,  I  quem  ipse  iam  semel  atque  iterum  dili- 

gentem  sum  expertus. 
15         Vit  US.      At    ego    mallem    oscitantem    aliquem, 
quem    non    magno    negotio    in    aliquot    criminibus 
tallere  possem. 

Severus.     At  hoc  non  est  Christianum  agere, 
sed  vulpinam  fraudulentiam  referre:  verum  tu  videris. 


20  DIALOGVS  XXIX. 

Marcellus  et  Antonius. 

Marcellus.     Salve.  Antoni. 

Antonius.     Et  tu,  mi  Marcelle. 

Marcellus.  Quid  est,  quod  ita  discurris?  Quem 
25  quaeris? 

Antonius.  Quaero,  qui  mecum  rus  eat  mihi- 
que  in  emendicandis  ex  more  ovis  sit  socius. 

Marcellus.     At  haec  consuetudo  prava  est  et 

indigna    eo,     qui    se    liberalibus    studiis    addixerit. 

.30  Quid    enim    servilius    quam    decem    ovorum    gratia 

agrestium  caulas  ostiatim  obambulare  atque  Interim 

domi  lectionum  iacturam  facere? 


DIALOGVS  XXVIII— XXX.  37 

Antonius.  Sed  unde  famem  pellam,  si  non 
cibos  undeciimque  conciuirere  licet? 

Marcellus.  Hie  in  iirbe  ciuantuni  natiirae 
satis  est  nancisci  potes;  nam  quorum  benei'icio 
5  totius  anni  victum  conquiris,  eorundem  benignitate 
et  paucos  dies  transigere  posses. 

Antonius.  Frustrate  appello;  severior  es,  quam 
ut  tecum  rem  habere  velim.     Ipsa  es  sapientia. 

Marcellus.     Age,  age.  ut  lubet. 


10  DIALOGVS  XXX. 

Paulus  et  Lucas. 
De  saactorum  commiinione  colloquuQtur. 

Paulus.     Obsecro  te,  mi  Luca,   modis  omnibus 

nos  excutiamus  atque    ab    omni   peccatorum    sorde 
15  paenitentiae  scopis  repurgemus,  ne  ad  tanti  principis, 

qui  semel  nutu  nos  perdere  potest,  mensam  illotis  qua- 
[D3a]  si  manibus  accedamus  et  panem  illum  cae-  |  lestem 

atque  admirandum  polluto  ore,  immo  et  animo  suma- 

mus;  de  quo  heri  tam  pia  tamque  frugifera  disseruit 
20  ludimagister. 

Lucas.     Equidem  pro  mea  virili  ad  hoc  enitar. 

Sed    rogo:     quidnam    de    hoc    mysterio    disputavit 

praeceptor?    Nam  ipse  non  interfui. 

Paulus.     0  miserum,  qui  talia  neglegisl 
25         Lucas.      Adesse    non    quivi    alibi    occupatus; 

quamobrem  vehementer    oro    et    obtestor,    ne    mihi 

rem  adeo  salubrem  invideas. 

Paulus.     Aiebat    tantam    esse  virtutem   huius 

admirandi  cibi,    ut  qui  eo   rite  vescerentur    lierent 
30  unum    corpus    atque    unus    spiritus     cum    Christo 

sicque  in   Deum  Deique  fiUum  abirent;  sed  si  quis 

impurus  contingat,  eum  non  salutem,  sed  extremam 


38  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

animae  pernicieni  sibi  invenire.  Hortabatur  ergo 
nos  omnes.  ut  bis  diebus  peccatores  cum  Christo 
in  cruce  moreremur,  quo  felicius  et  sinceriori  cum 
gaudio  una  cum  eo  in  vitam  transeamus.    Hoc  enim 

5  dicebat  significari  per  haec  appetentia  nunc  festa, 
»|Uod  pascha  Hebraeis  transitum  a  morte  peccatorum 
ad  vitam  virtutum  sonet. 

Lucas.    At  Interim  quid   fit   de  placentis   et  id 
genus  aliis  beliariis,  quae  ad  imminentes  has  ferias 

10  parare  consueverunt?    Xon  et  de  Ulis  quid  audivisti? 
Paulus.     Apagel  Tuus  animus  iam  est  in  pla- 
centis,  cum  hoc  temporis  articulo  Christus  olim  de 
vita  sit  periclitatus.     IMacentae    atque    eius  generis 
illecebrae   aliae    suo    loco    sermonem  dabunt;    nunc 

15  de  alio  cibo  solliciti  esse  deberaus. 


lD3bi  DIALOGVS  XXXI. 

Vrbanus  et  Kilianus. 

De  lustratione  urbis  et  arvonim  fabulantnr. 

Vrbanus.     Quid  est,  Kiliane,  quod  tanto  moli- 
20  mine  plateas  et  vicos  omnes  verrunt?    Num  princeps 
quispiam  huc  est  venturus? 

Kilianus.     Minime,    sed  quiddam   est   cras  fu- 
turum, cuius  gratia  merito  hie  fit  apparatus. 
Vrbanus.    Quid  hoc,  quaeso? 
25         Kilianus.    Sollemne  iam  est  crastino  die  urbem 
corpore    Christi    lustrare,     siquidem    primarius    hie 
sacerdos    sacratissimum  hoc  corpus    circum  moenia 
gestabit    universa    sacerdotum    manu    atque    item 
populo  omni  a  tergo  sequentibus. 
30         Vrbanus.     Sacra  forsan   erunt,   quae  nunnulli 
amburbialia  non  inepte  vocari  volunt. 
Kilianus.     Erunt. 


DIALOGVS  XXX— XXXII.  39 

Vrbanus.  At  quando  agentur  ambarvalia? 
Sic  enim  vocantur,  quae  apiid  ethnicos  erant  Robi- 
galia  Paliliaqiie. 

Kilianus.     Perendie. 
5         Vrbanus.    Niim  et  nos  eis  sacris  adesse  oportet"? 

Kilianus.  Maxime,  pariter  et  clericorum  or- 
dinem  oinnem. 

Vrbanus.      At    apud    nostrates    soli    agrestes 
sacrificio  praeeunte  agros  obe(|uitant. 
10         Kilianus.     Suus   cuique   regioni    est  mos,    qui 
pro  lege  est  habendus. 


DIALOGVS  XXXII. 
Leopoldus  et  Severus. 

De    spectaciilis   comoediarum   tragoediarum({ue   exhibendis 
15  fabulantur. 

Leoj)oldus.  Scis,  Severe,  quae  spectacula 
die  crastino,  qui  est  a  feriis  sacratissimi  corporis 
Christi  octavus,  edi  consueverint? 

Severus.     Qui  ipse  scire  possem,  cum  superi- 
20  ori  anno  non  adfuerim? 

Leopoldus.     At  audisse  ex  aliis  poteras. 

Severus.  Quae  ad  me  parum  attinent,  ea 
non  magnopere  soleo  exquirere.  Sed  die,  oro:  quid 
tandem  est,  quod  iactas? 
[D4a]  Leopoldus.  Tragoediam  eo-  |  rum  cruciatuum, 
quos  pro  nobis  tulit  servator  Christus,  histriones 
agent;  sunt  enim  ad  hoc  delecti  aliquot. 

Severus.     Quaeso  te:  omnibus  etiam  adhibitis 
personis? 
30         Leopoldas.     Omnibus  omnino. 

Severus.  Ipse  in  hac  iabula  mallem  durissimi 
militis  aut  carnificis  personam  gerere   quam  ipsius 


40  MOSELLANUS.  PAEDOLOGIA. 

Chrisii;  nam  tamelsi,  ut   conicere  possum.  res  licte 
rei)raesentabitiir,  sie   tarnen  abire  non  potest,    (juin 
is.    qui  Christum    refort.    iniiltas    intorini    molostias 
in  so  ivcipero  cosratiir. 
5  Lepdldus.     Et    ipso    in    hac    tal)ula    sjiectator 

esse  malo  »juani  actor.  utcuni<iue  res  Interim  agatiir 
seria. 


niALOGVS  XXXIII. 
Basilius  et  Gregorius. 

10  De  coronis  gestandis   deque   earnm  vario   genere  collo- 

quuntur. 

Basilius.     Vnde  tu  te  proripis,  Gregori?    Ant 
ubi  hanc  coronam  rosaceam  es  nactus? 

Gregorius.    E  for*»  veni,  mi  ßasili.  ubi  sertum 
15  hoc  nummo  mihi  coemi. 

Basilius.     At  in  quem  usum? 

Gregorius.     Animus   est  eam   coronam  capiti 
impositam    gestare.      Nonne    vile    tibi    videtar    tot 
rosas  unico  nummulo  parari? 
20         Basilius.     Et    te    tantum   asinum    non    pudet 
puerorum  ritu  cor<>natum  incedere? 

Gregorius.     Puderet?     Grandes    natu   et   cani 
etiam  hie  gerunt. 

Basilius.     Xihilo   ergo  sunt  graviores;   forsan 
25  hune    morem    a    Graecorum    moliitie    sumpserunt, 
quos  apud  Homerum   subinde  y.ar//jxo|xoüiv:G(;  audio 
diei. 

Gregorius.    Vnde  sumpserint,  equidem  nescio; 
hoc  scio,  quod  gestaut. 
30         Basilius.    Xum  solas   rosaceas   gerunt   an  et 
violaceas  pariter   et  liliaceas    aut   etiam   rosmarino 
vel  amnraco  intertextas? 


DIALOG VS  XXXII— XXXIV.  41 

[D4bi     Gregorius.  Omnis  ]  generis  flores  atqiie  adora- 

menta  concinnant. 

Basilius.     Faciant,  ut  lubet;  ego  nihili  pendo 

istas  nugas:    tantum  abest,    ut  pretio  emere  velim. 
5  Quodsi  pecunia  superesset,   vernum  butyrum  emere 

malim:  hoc  enim  in  alimentum  cederet.  cum  sertorum. 

si  odorem  excipias,  nullus  plane  sit  usus. 


DIALOGVS  XXXIV. 

Raphael  et  Servatius. 
10  De  feriis  divi  Vibani  confabulautur. 

Raphael.  Vtinam  alas  mihi  sumere  Uceret, 
ut  liinc  domum  avolare  posseml  Etenim  nimis  quam 
cupio  crastinum  diem  in  patria  transigere:  quam 
facultatem  magno  emere  non  recusarem. 
15  Servatius.  Quid  hie  sibi  vulf?  Tu  te  homine 
exuto  in  volucrem  mutam  vis  degenerare?  Aut 
quid  novi  accidit,  quod  tam  repentinum  tuum  iter 
postulet? 

Raphael.     Rogas?    Nescis   cras  ferias  agi  divi 
20  Vrbani? 

Servatius.     Novi;  sed  quid  tum? 

Raphael.     Hunc    divum  eodem    paene  ritu  et 
iisdem  caeremoniis  colunt  nostrates,   quibus  ethnici 
olim  Bacchum,  ut  quae  illis  erant  Bacchanalia,  nobis 
25  paene  sint  Vrbanalia. 

Servatius.     At    in    quem    usam    faciunt   haec 
Christian!  ■? 

Raphael.  Putant  hoc  divo  sie  placato  felicius 
provenire  uvas. 
30  Servatius.  0  stolidos  homines,  qui  sanctorum 
numina  crapulis  ac  compotationibus  demereri  se 
credunt,  cum  Uli  abstinentia  et  sobrietate  principi 
Deo  placuerint. 


4-2  .N\OSI£l.LAN\S,  PAKDOLOGIA. 

lD5a]       DlALOd'VS  XXXV  KT  VITIMVS. 

Cornelius  et  Gulielmus. 
üe    commodis    ac  molestiis  varioniin   teni]>onini   disserunt. 

Cornelius.     Vi  nihil  est  usque  ex  omni  parte 
5felix! 

Gulielmus.       Quid     stomacharis     tecum.     mi 
Ct»rneli? 

Cornelius.     Non  iure  stomachor,    (jui   me  tot 

maus  in   hoc   immundo   mundo   obnoxium  experior? 

10  Gulielmus.     Quid  est,   de  quo  praeter  ceteros 

adeo    queri    possis,    nisi    forte   paupertatem    in    ius 

vocas  ? 

Cornelius.  Quasi  hoc  solum  sit  malum,  etiamsi 
gravissimum;  vides  et,  opinor,  sentis,  ut  nihil  non 
15  sit  adversum.  Hibernis  temporibus  frigore  concu- 
timur;  nunc  aestus  et  caniculae  rabies  nos  excruciat. 
Interdiu  quidem  obannonae  caritatem  et  nostram  pau- 
pertatem fame  ac  siti  laboramus;  ut  taceam  Interim 
nusquam  non  culices  et  muscas  nobis  obvolantes  et 
20  corpusculum  exsugentes;  nocte  vero  cum  cimicibus 
ac  pulicibus  bellum  gerimus.  Ad  haec  miseros 
exterrent  iam  fulgura,  iam  l'ulmina,  iam  tonitrua. 
Mox  et  autumnus  sexcenta  morborum  genera  ef fan- 
det, nonnunquam  morborum  omnium  pestilentissi- 
25  mum  pestem.  Adde.  quod  huius  temporis  occasione 
plerique  nostri  ordinis,  dum  stulti  frigida  lavare 
volunt,  in  rapidis  et  profundis  fluminibus  capitis 
iacturam  faciunt. 

Gulielmus.     At  tu  naturae  parum  gratus  in- 
30  commoda    quidem,     quae    secum    adferunt    aestivi 
menses,    accurate    recenses,    commoda   vero,    quae 
simul  praestat,  praeterig. 

Cornelius.     Quae  ea  sunt,  quaeso? 
Gulielmus.     Rogas'     Primum   nee    igne  nee 


DIALOGVS  XXXV.  43 

vestibus  admodum  est  opus,  deinde  tempus  hoc  tot 
Irugum  genera  donat:  siliginem,  triticum,  hordeum, 

[D5b]  tot  legumina.  t'abas,  pisa,  vicias,  tot  poma,  pira  | 
prima,  mespila,   nuces,   iuglandes,   avellanas,  casta- 

5  neas  molles,  racemos,  super  omnia  vero  dulcissimum 
mustum.  An  haec  parva  tibi  videntur  aestatis  et 
autumni  munera?  Videris  mihi  ex  eorum  esse  grege, 
de  quibus  Seneca  eleganter  dixit:  Nemo  beneficia 
in  calendarium  scribit.  Postremo  cogitandum  sem- 
10  per  est  sie  placuisse  naturae  conditori  Deo,  ut  in 
hoc  mundo  nihil  sit  hominibus  omni  ex  parte  be- 
atum,  quo  videlicet  ex  his  mundi  perturbationibus 
ad  aliam  patriam  aspiremus. 


ERSTER  ANHANG. 

Zusätze  der  Ausf^abe  von  1520. 

De  relegenda  praelectione,  de   ediscendo   deque  enotandis 
ex  auctoribus  loquendi  iormulis: 

5  DIALÜGVS  X. 

Phaedrus  et  aetate  et  eruditione  maior  cum  fratre  suo 

loanne  loquitur. 

Phaedrus.     Quid  tu  otiosus  hie  desides  et  non 
potius  praelectionem  modo  auditam  relegis? 
10         loannes.     Relegi  atque  adeo  bis  terve. 

Phaedrus.     At  fortasse  non  satis  accurate. 
Joannes.    Accuratissime.    ut  totam  etiam  me- 
moria complectar. 

Phaedrus.     An  tuo  te  officio  satis  perfunctum 
15  credis,    si  memoria  tantum  teneas  et  psittaci  more 
verba  non  intellecta  praeceptori  reddas? 
loannes.     Quin  intellego  omnia. 
Phaedrus.     Hui,  omnia?     Vide  quid  dicas. 
[B5b)     loannes.      Omnia,    inqunm,  |  ut     maxime    tibi 
20  videatur    incredibile;    atque    id   ut    credas    facilius, 
liberum    tibi    est    singuia,    quae    ad    modo  auditam 
praelectionem  attinent,  ex  me  perquirere. 

Phaedrus.  Singuia  persequi  in  praesentia 
non  est  otium;  hoc  tantum  quaen»:  primum.  an 
2.5  totam  auctoris  sententiam  ex  praeceptoris  interpre- 
tatione  sis  assecutus  et  qua  quidque  ratione  quove 
consilio  sit  dictum,  intellegas;  deinde,  singulasne 
clausulas    expenderis,    videlicet    si    quam    habeanC 


DIALOGVS  X  (1520).  45 

sententiam  insignem,  si  quod  proverbium,  si  quod 
a/7;}jLC(,  si  quem  tropiim,  si  quem  colorem  rhetoricum. 
si  quem  locum  dialecticum,  si  quas  venuste  loquendi 
formulas:  quae  omnia  enotare  operae  pretium  est, 
5  partim  ut  sit  in  promptu  semper,  quo  mores  nostros 
pariter  et  alienos  corrigamus,  partim  ut  ex  idoneis 
scriptoribus  suppetant  recte  loquendi  scribendique 
exempla,  ad  quae  crassissima  illa  hodie  barbarissan- 
tium    loquendi    consuetudine    posthabita    orationem 

10  nostram  componere  queamus;  postremo,  si  quod 
dictum  antique.  si  quod  nove,  quod  loquendo,  si 
quod  parum  Ciiristiane,  quod  vivendo  exprimere 
non  conveniat.  Haec  magister  tuus,  vir  non  solum 
doctus,  sed  et  prudens,  inter  praelegendum  diligenter 

15  admonere  solet,  et  ipse  eiusmodi,  cum  id  aetatis 
eram,  in  scholis  non  oscitanter  excepta  domum  re- 
gressus  partim  memoriae,  partim  chartis,  fidis 
memoriae    custodibus,  commendabam.     Sensi  nam- 

[B6a]  que  hac  diligentia    me   vehemen-  |  ter   proficere. 

20  Quodsi  fratris  vestigiis  insisteres  idemque  faceres, 
iam  certe  non  hie,  sed  libris  adsideres. 

Joannes.  Nimis  multa  in  puero  requiris. 
Equidem,  ut  quod  verum  est  tibi  respondeam,  in 
his,    quae    tu    mones    expendenda,    plerique    omnes 

25  sumus  neglegentiores,  nimirum  contenti  singularum 
dictionum,  quae  in  contextu  reperiantur,  respectum 
habuisse,  videlicet  quam  ex  octo  orationis  partibus 
habeant  pro  genere,  quae  sint  accidentia,  cuius  ge- 
neris,  simplicia  sint  an  composita,  in  quam  cadant 

30  declinationem,  item  quae  partium  sit  inter  sese 
constructio. 

Phaedrus.  Recte;  sed  et  illa  non  oportet  neg- 
legere.  Alioqui  non  video,  quid  referat  Terentium, 
Ciceronem.    Vergilium    et    similes    tanta    cura   sine 

35  fine  tractarj,   si  non  inde  aliquid,   quod  vel  ad  recte 


^^^  MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 

vivendi  rationoiii  vol  dicendi  facultatem  faciat,  con- 
seqiiamur.  Ipso  certe  eam  lectionem,  ex  qua  au- 
dittirum  imitationi  nihil  accedit,  nuUam  puto.  Tan- 
tum abest.    ut  istos  probem,    qui    scriptorum  sensu 

5  exposuisse  utrumque  C(>ntenti  nullam  inütandi  viam 
discipulis  commonstrant.  Tu  vero  quando  i)raecep- 
torem  nactus  es  doctum  ei  fiduni,  lac  eins  tum 
doctrinae,  tum  fidei  diligentia  tua  respondeas. 

Joannes.     Dabo  operam    sedulo,    ne,    quod  ad 

10  haue  rem  attinet,  iure  me  posthac  obiurgare  queas. 
Sed  iam  Xll.  horae  Signum  auditur,  quare  hinc  ocius 
in  ludum  contendam. 


DIALOGVS  XXXVII  ET  VLTLMVS. 

Pandulphus.  Ludimagistri  minister,  Hieronymus 
15  scholasticus.   Ludimagister. 

Consultant,  in  quam  potissimum  academiam  studioso  sit 

commigrandum. 

Pandulphus.     Quid   tu  hoc  ante  ostium,   Hie- 
ronyme,  aut  quid  hie  tibi  negotii  est? 
20         Hieronymus.     Ludimagistrum  convenire  vole- 
bam.  Sed  pulsare  cunctabar  veritus,  ne  intempestive 
fortasse  venirem;    quare    te    pro  veteri  nostra  con- 
suetudine  rogo,  ut  hie  me  adstare  significes. 
[E3b)     Pandulphus.     Faciam;  tu  hie  tantis-  |  per  mo- 
25  rare,    dum  quid   rerum  sit,  huc  renuntio.    —    Here, 
quod  iniunxeras.  diligenter  est  curatum. 

Ludimagister.     Bene  factum.     At  qui  is  est, 
quicum  pro  foribus  fabulantem  te  audivi? 


DIALOGVS  X.  XXXVII   (1520).  47 

Pandulphus.  Scholasticus  quidam.  nomine 
Hieronymus,  tibi  familiariter  notiis,  qui  te,  si  modo 
tempestivum  est.  coram  alloqui  cupit. 

Ludimagister.     Intromittatur;  iam  nunc,  quid 

5  velit.  conicio. 

Hieronymus.     Salve,  humanissime  praeceptor. 
Ludimagister.     Et  tu  salvus  sis,  optime  adu- 
lescens.    Sed  quid  est,  quod  me  velis? 

Hieronymus.  Paucis  dicam.  Quia  iam  biennium 

10  te  in  hoc  ludo  docentem  audivi,  utriusque  litteraturae 
prima  rudimenta  tua  ope  utcumque  percepi;  hortatur 
nunc  me  tum  parens  tum  etiam  haec  mea  aetas 
maturior,  ut  hinc  in  academiam  aliquam  ad  uberio- 
rem  ingenii  cultum  capiendum  me   conferam.     Hoc 

15  ut  felicius  faciam,  tuo  consilio  opus  est;  nam  inter 
tot,  ut  vocant,  universitates,  quot  iam  olim  sunt 
institutae  et  hodie  passim  novae  exoriuntur.  mihi 
eiusmodi  rerum  ignaro  difficile  plane  est  eius,  quae 
omnium    sit  instructissima    et  meis  studiis  accom- 

20  modatissima,  delectum  habere. 

Ludimagister.  Prudenter  hie  deliberas,  Hie- 
ronyme.  Sunt  academiae  idque  in  Germania,  quas 
vehementer  probem.  sunt  item,  quas  cupiam  vel 
omnino  non   esse  vel  in  totum  immutari.     Vt  enim 

25  in    re  militari    duci    dux    et   militi  miles,    ut  in  re 

[E4a]  publica  Senator  senatori  et  civi  civis,  artifex  \  arti- 

l'ici.    ut  denique  homo  homini,    sie  schola   scholae. 

doctor  doctori,    magister   magistro   praestat.     Quod 

discrimen    qui    non  advertit,   operam    et  oleum,    ut 

30  aiunt,  plerumque  perdit.  Atque  ut  certum  aliquid, 
quod  hie  sequaris,  habeas,  in  hac  deliberatione 
spectandum  erit,  non  quae  magnificis  aedificiis. 
tametsi  et  haec  decoris  aliquid  addunt,  sed  optimis 
omnis    generis    praeceptoribus    sit    instructissima. 

35  Primum,  quae  trium  linguarum  professores  habeat 


4S  MOSELLANVS.  PAEDOLOGIA. 

et  doctos  et  bonos,  hoc  ut  velint,  illiul  ut  possint 
recte  docere.  siqiiidem  Latimiiii.  Graecam  et  He- 
braicam  linguas  in  Christ ianorum  scholis  doceri 
pontificiae    leges   iubent    et    veterum    theologorum 

5  exempla  suadent  ac  denique  Christianae  rei  publicae 
usus  exigit.  Habeat  denique  theologos,  si  non  plures, 
unum  saltem  aut  alterum  cum  scripturarum  intel- 
legentia  tum  vitae  sanctimonia  egregie  probatos. 
Tum    iureperit(is    non    minus    prudentia     (juam    et 

10  facundia  laudatos.  Ad  haec  medicos,  quos  natura- 
lium  rerum  profunda  cognitio  et  curandi  fides 
perspecta  commendet.  Postremo  philosophos,  non 
qui  sophisticam  rixandi  pertinaciam  ex  inei)tis  bar- 
barorum  cimimentariis   inculcent.    sed    qui   philoso- 

15  phando  Piatonis  maiestatem,  acunien  Aristotelis, 
Theophrasti  eloquentiam  proxime  relerant.  Quam- 
quam    autem    gymnasium   eiusmodi   minoris  negotii 

(E4bi  est  describere  quam  us(iuam  invenire,  ad  |  prae- 
scriptam  tamen  imaginem    utcumque  accedunt   hie 

20  in  vicino  sitae,  Lipsia  et  Wittenberga.  Nee  Er- 
phurdia cuiquam  est  aspenianda  ut  nee  Basilea. 
Super  omnes  vero  trium  linguarum  professione 
floret  Lovanium,  schola  vel  hoc  nomine  omnium 
felicissima,    quod    magnum    illum    et   sapientiae    et 

25  eloquentiae  principem  habet  Erasmum.  Et  summum 
illud  ecclesiasticae  dignitatis  ornamentum,  Albertus 
cardinalis,  magnum  quiddam  Moguntiae  suae  molitur; 
quod  si  processerit,  erit,  quo  se  Germania  exteris 
hominibus    venditet.      Porro     illud     imprimis     tibi 

•jo  cavendum,  ne  ad  sublimes  illas  professiones  quas 
vocant  illotis,  ut  aiunt,  pedibus  irrumpas,  quin 
modis  Omnibus  curandum,  ut  utriusi^ue  litteraturae 
mediocri  cognitione  praeparatus  accedas.  Sic  enim 
futurum,   ut   in    disciplinis  bis  gravioribus  citius  et 

•5  facilius,    quo  tendis,    pervenias  et  rectum    in  rebus 


DIALOGVS  XXXVII  (1520).  49 

Omnibus    iudicium    conseqiiaris.       Hoc     qui     caret, 
frustra  se  aliqiüd  feliciter  discere  sperabit. 

Hieron ymiis.    At  in  eiusmodi  scholis  receptiim 
audio,  ut  scholasticorum  quisque  praeceptorem  quem- 

5  piam  sibi  deligat,  quo  familiariter  utatur  non  tantum 
ad  litterarum  studia,  sed  et  formandos  nKn'es.  Hie 
quid  mihi  faciundum  suades? 

Ludimagist  er.     Quid  aliud  quam  ut,  antequam 
te    alicui    in    disciplinam    dedas,     divitum    istorum 

[E5a)  delicias  imiteris,  qui  cum  multa  |  vini  dolia  in 
cellis  habeant  reposita,  non  statim  e  quovis  bibunt, 
sed  pytissando  omnibus  ex  ordine  degustatis  quod 
firmissimum  fuerit  et  suavissimum  hoc  demum  in 
palati    sui   usum    relinunt.     Quin    ergo   et    tu    cum 

15  ex  aliis  sciscitaris  tum  multos  eximios  eiusdem 
professionis  doctores  audiendo  exploras  ipse,  cui 
potissimum  ingenii  tui  solum  rectissime  excolendum 
loces.  Tametsi  sunt  et  aliae  coniecturae,  quibus  in 
hoc  uti  possis,  ut  si  cui  suae  lucubrationes  insignem 

20  peperere  famam,  si  quem  eruditorum  calculi  aliquot 
probent,  si  cui  ab  aliis  eiusdem  Musae  aemulis  in- 
signite  invideatur,  si  quem  vel  iudicium  principis 
vel  rei  publicae  consensus  a  contemptu  vindicet, 
si  cui  magna  sit  lectissimorum  iuvenum  frequentia, 

25  si  qui  discipulos  aliquot  egregie  doctos  reddiderit, 
denique  si  qui  Pythagorae  exemplo  non  quemque 
statim  in  disciplinam  suam  recipiat  et  aliis  plura 
ac  meliora  pluris  quoque  doceat.  Cave  enim  com- 
mittas  ad  quemquam  te  alliciat  sumptus  vilitas  aut 

30  a  quoquam  deterreat  impensae  magnitudo.  Quando 
fere  fit,  ut  qui  docent  parvo  parva,  qui  magno  magna 
quoque  doceant.  His  indiciis  si  prudenter  uteris, 
vix  unquam  tibi  imponet  quisquam.  Cetera  rerum 
usus,  optimus  magister,  aetatis  progressu  te    facile 

35  edocebit. 

Lat.  Litteraturdenkm.    18.  ^ 


50 


MOSELLANVS,  PAEDOLOGIA. 


Hieronymus.       Sat    est.       Qiiod    restat:    pro 
(Eöbj  salu-  I  bri  adeo  consilio  gratiastibiimmortales  tuus 

agit  Hieronymus.  si  qiiando  dabitur  facultas,  egregie 

quoque  relaiurus. 
5  Ludimagister.     Nihil  addubito.     Tu.  quod  tibi 

felix  ac  faustum  sit.  ad  bonarum  artiuui  morcaturaui 

proficiscerel 


ZWEITER  ANHANG. 

Praecei)tiuncula    de  tempore  studiis  impartiendo 

a     Petro     Mosellano     adulescentulis     disciplinae 

suae  commissis  tradita. 

5  Christophorus    a    Carlebicz,    Petri    Mosellani    disci- 
pnlus,  lecturi  salutem. 

Ximio  paene  studio  olim,  lector  candide,  et 
animi  ardore  Petro  Mosellano,  praeceptori  nostro, 
iustis    de  causis    mortalium  omnium  carissimo,    ex- 

10  torsimus  condiscipuli  mei  et  ego  brevem  hanc 
quidem  in  specie,  sed  tarnen,  sicuti  ipse  legens  facile 
experiere,  permulta  in  se  complectentem  de  tempore 
ratione  certa  optimarum  rerum  studiis  distribuendo 
praeceptionem.     Eam  cum  apud  me  complures,  quos 

15  academia  haec  illustris  alit,  studiosi  conspexissent, 
in  dies  fere  eius  rei  describendae  negotium  mihi 
exhibebant.  Ego  vero  ut  semel  hac  soUicitantium 
molestia  defungar,  quod  privatim  mihi  et  studiorum 
meorum  aequalibus  meis  praescriptum  l'uerat,    om- 

(A2a]  nibus  in  univer-  I  sum  studiosis  impartiri  constitui. 
Tametsi  satis  scio  parvam  me  gratiam  inire  apud 
praeceptorem,  qui  has  sicuti  apparet  pueriles  nugas 
non  in  hoc  scripsit,  ut  ederentur,  sed  ut  nobis  pro 
suo  officio    domi    consuleret.     Tuum    ergo  erit,    iu- 

25  venis,  quicquid  hoc  est,  dummodo  frugi  et  alicuius 
pretii  est,  boni  aequique  consulere  et  nostram  ad- 
versum  te  voluntatem  et  Studium  amice  amplecti. 
Bene  vale.  Datum  Lipsiae  Idibus  Septembribus 
anno  restitutae  salutis  MDXXI. 

4* 


52  •  MOSELLANVS. 

P.  Mosellanus  discipulis  suis  salutem. 
Principio  otiam  atque  etiam  ciirandum  est.  no 
quid  tenipus  nobis  seu  nun  advertcniibus  elabatur, 
videlicet  tjuod  nee  studiis  nee  vitae  honostati  nee 
5  valetudini  curandae  impendatur.  Ouamobiem  ut 
certa  tibi  omnium  ratio  constet.  diem  in  viginti 
quattuor  horas  distractam  eogita.  Quarum  prima 
pars    studiis,    altera    civilitati  ae    valetudini,    tertia 

[A2bi  somno  danda  erit.  Hoc  com-  |  mode  fiet.  si  a  nuna 

10  vespertina  ad  quartam  usque  matutinam  somno 
recreatus  lente  exsurgas.  ante  nimirum  toto  ci^rpore 
palmis,  capite  vero  et  unguibus  leniter  perfricto. 
Xam  hac  ratione  noxiis  vaporibus  exitus  per  oecultos 
membrorum    meatus    paratur.     Hine    manus,    oculi, 

15  lingua  etiam  a  sordibus  abluantur.  Pectatur  capillus 
idque  accuratius  pectine  aliquotiens  a  fronte  in 
occipitium  dueto.  Post  si  eius  consuetudo  quoquo 
modo  induci  potest,  deicienda  ventris  et  item  per 
Sputum  et  nares  capitis  excrementa.     Nam  et  per- 

20  petuum  Studiorum  tenorem  conservandum  nihil  tam 
conducit  quam  corpus  ab  inutilibus  oneribus,  quan- 
tum  licet,  semper  levatum  habere.  M(»x  precatione 
pia  te  tuaque  studia  omnia  Christo  commenda  atque 
ut    ille    conatus    tuos    dirigat    ora.       His    omnibus 

25  spatium    inter  quartam    et  quintam   iniectum  faciet 
satis.     Habes  de  tertia  diei  parte  somno  impendenda. 
Nunc  de  secunda.   Xam  a  quinta  ad  nonam  quat- 
tuor sunt  horae.      Quod  tempus    totum  studiis  de- 

[A3a]  betur.     Sed  quid  quaque  hora  tibi  vel  |  domi  di- 

30  scendum  vel  foris  a  praeceptore  audiendum  sit, 
"singiliatim  praeseribi  non  potest.  propterea  quod 
eiusmodi  occasionum  magna  est  vicissitudo,  ut 
qua  hora  modo  audire  convenit,  alias  magis  appareat 
consultum    domi   discere.     Proinde  hanc  dispensan- 

3.5  darum  horarum  rationem  sibi  quisque  pro  sui  com- 


DE  TEMPORE  STVDIIS  IMPARTIENDO.  53 

moditate  ineat  iit  et  earum,  quae  a  prandio  studiis 
dabuntur,  a  duodecima  videlicet  eius  spatii  quod 
suppetit  ad  qiiartam  usque.  Equidem  cum  id  aetatis 
essem,    et  hoc  servabam:  antemeridianum    tempus 

5  vel  gravioribiis  vel  Graecis  litteris,  postmeridinnum 
levioribus  et  Latinis  dabam.  Atcjiie  hie  tenor  pro 
temporis  rntione  erit  immutandus  nonnihil,  nimh^um 
si  quando  indicto  ieiunio  prandium  in  undecimam 
prorogatur.      Porro    quod    ad   praeceptorem  attinet, 

10  satis  est,  si  doctum  et  fidum  binas  aut  ut  pluri- 
mum  ternas  audias  horas.  Neque  enim  unquam 
ad  solidam  eruditonis  frugem  perveniunt,  qui 
suis  ipsorum  ingeniis  et  propria  industria  diffisi 
totos  dies  ex  praeceptorum  doctrina  pendent.     Ste- 

lA3b]  rilescitsaneingenii  humani  solum,  j  nisi  suaipsius 
exercitatione  cotidie  excolatur.  Attamen  nolim 
haec  sie  accipias,  quasi  displiceat,  si  quis  per  oc- 
casionem  etiam  plus  temporis  praeceptori  vacet. 
Occasio  enim  magnae  commoditatis,  cum   se  offert, 

20  semper  est  retinenda,  amittenda  nunquam.  Quando 
legere  nobis  licet  semper,  audire  non  semper.  Illud 
imprimis  curandum,  quo  cotidie  ut  minimum  horae 
spatium  exercendo  stilo  tribuatur.  Eius  rationem 
cuique  suae  vires  suusque  profectus  facile  dictabunt. 

25  i^Ieditetur  alius  epistulam,  alius  ex  Graecis  Latina 
faciat,  alius  ad  praescriptum  rhetoricum  declamet, 
licebit  et  varii  generis  carmine  ludas  aut  ratio- 
cinationem  aliquam  ad  dialecticorum  regulas  exigas 
aut  quod  versu  ligatum  est  soluta  oratione  reddas. 

30  Nam  latissime  patet  stili  usus. 

Restat  tertia  pars  itidem  octo  horas  complexa. 
Eas  impende  de  studiis  amicorum,  sodalium  et  ae- 
qualium,  ut  partim  absentibus  scribas,  si  quid  eos 
scire   velis,    partim    inambules,    partim    eruditis   et 

35  honestis  fabuUs  te  oblectes,  partim  cum  aequalibus 


54  iMOSELLANVS. 

(A4ai  conflictans  profec-  tus  tui  pcriculuiii  Incias. 
Quamiiuam  simul  et  inambulare  et  fabulari  et 
disputare  licet,  ita  ut  nuUum  sit  tempus  tarn 
occupatum.  ex  quo  non   aliqiiem  fructum  decerpere 

5  queat  vere  Studiosus.  Miriiice  auteni  profuerit, 
quantum  licet,  praeceptori  docto  somper  haerere, 
eum  semper,  quoquo  ierit.  comitari,  semper  domi 
vel  secum  vel  apud  amicos  de  variis  rebus  loquen- 
tejn    audire,     in    summa:     praece})tore    non    minus 

10  familiariter  quam  reverenter  uti:  familiaritas  prae- 
stabit.  ne  quid  te  celet,  reverentia,  ne  se  neglegi  a 
te  seu  ingrato  suspicans  aliquid  de  suo  erga  te 
affectu  imminuat. 

Lipsiae  in  aedibus  Valentini  Schumann 
mense  Septembri  anno  domini  MDXXI. 


Druck  von  G.  Bernstein  in  Berlin. 


PA 

Mosellanus,  Petrus 

8555 

Paedologia 

M3P3 

1906 

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